John Sinclair: Tonstudio Braun – 106. Tokatas Erbe



Auf der Insel des Schweigens hat der goldenen Samurai den dämonischen Tokata getötet und den Fächer der japanischen Sonnengöttin Amaterasu und einen mächtigen Dolch in seinen Besitz gebracht. Doch Tokatas magisches Schwert gerät in den Besitz eines anderen Dämons, was schon bald auch John Sinclair zu spüren bekommen sollte – gerade als er mit seinem Patenkind einen unbeschwerten Tag auf dem Jahrmarkt verbringen will…

Tonstudio Braun ist in der Umsetzung der John Sinclair-Reihe nicht chronologisch im Serienablauf der Heftromane geblieben und springt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitpunkten hin- und her. Das ist unter anderem auch in der 106. Episode der Serie zu spüren, die nun wie ihre Vorgänger bei Lübbe Audio erstmals wieder auf CD veröffentlicht wurde und so wieder einem breiten Hörspielpublikum zugänglich ist. Dabei wird in wenigen Worten der Tod Tokatas und der Kampf um sein Erbe zusammengefasst, wobei zahlreiche Ereignisse und Figuren erwähnt werden, die bisher nicht oder nur wenig aufgetaucht sind. Das erschwert den Einstieg in die Episode, will man aber den Hintergrund nicht vollständig erfassen und ist mehr an einer kurzweiligen Handlung interessiert, kann man der Folge durchaus positives abgewinnen. Denn die Stimmung auf dem Jahrmarkt mit Johnny, Sheila und Bill Conolly ist gelungen, die Ereignisse zwischen Fahrgeschäften und Eisständen sind abwechslungsreich geraten, die dynamischen Wechsel zwischen Bedrohung und Entspannung sind gut gelungen. Sicherlich gibt es auch hier einige Ungereimtheiten, besonders wenn es um die Bedrohung von Johnny Conolly geht, die trotz einer kleinen Aufregung von Sheila schnell wieder vergessen scheint. Das ist insgesamt nicht die beste Episode der Serie und enthält doch einige Stolpersteine, die den Hörfluss stören, einen gewissen Unterhaltungswert kann ich aber dennoch nicht absprechen.

Die Sprecher der einzelnen Rollen wurden vom Tonstudio Braun nicht vollständig kommuniziert und deswegen nicht mehr bekannt, weswegen auch keine Sprecherangaben im beiliegenden Booklet vorhanden sind. Der goldene Samurai klingt dank der rauen uns düsteren Stimme seines Sprechers sehr markant, aber leider auch recht gezwungen. Er versucht mit zu viel Druck, die unheimliche Atmosphäre aufzugreifen, was das eher gewollt klingt. Klein-Johnny, Sinclairs Patenkind, wird von einem jungen Sprecher vertont, der allerdings schon im Teenageralter zu sein scheint und nur wenig kindlich-aufgeweckten Charme mit sich bringt. Gut gefällt mit allerdings die Erzählerin, die ihrem eher neutralen Ausdruck einige feine Facetten hinzufügt und so eine unheimliche Atmosphäre erzeugt.

Auf Dauer bietet die Heimorgel, die als Hintergrundmusik fast durchgängig zu hören ist, zu wenig Abwechslung, besonders wenn man mehrere Folgen in kurzer Zeit hört, wirkt sie in manchen besonders markant umgesetzten Szenen recht nervig. Doch der nostalgische Charme, der dabei entsteht, kann auch durchaus hier wieder für Erheiterung sorgen – das ist wohl immer eine Sache der Perspektive.

Tokata ist mit seiner bläulich-silbernen Haut und den riesigen Flügeln auf seinem Rücken ein Blickfang auf dem Titelbild, die leblose und nackte Gestalt einer hübschen Frau in seinen Armen und mit einer düsteren, höllisch wirkenden Landschaft im Hintergrund. Der Bildausschnitt ist wegen des dicken grünen Rahmens zwar recht klein geraten, dennoch ist das Titelbild ansehnlich gelungen und bringt seinen nostalgischen Charme zur Geltung.

Fazit: Der Einstieg in die Handlung ist mit den vielen Informationen, die bislang nicht bekannt waren, etwas zu hart geraten, und auch später gibt es viele Details, zu denen bisher kaum Bezug genommen wurde. Und auch das Drehbuch ist mit einigen Ungereimtheiten gespickt. Die Stimmung auf dem Jahrmarkt kommt aber gut zur Geltung, ebenso wie die Folge insgesamt spannend geraten ist.

VÖ: 21.12.2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759066

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