Der Grolltroll



Eigentlich könnte der Grolltroll sehr zufrieden mit der Welt und sich selbst sein: Die Sonne scheint, ein plätschernder Bach ist in der Nähe seiner Höhle, die Blumen blühen auf der Wiese und auch der junge Vogel mit dem hübschen Gefieder oder die neugierige Maus sind freundlich zu dem kleinen, blauen Wesen. Doch es reicht eine Kleinigkeit, dann bekommt der Grolltroll schlechte Laune und wird richtig wütend…

Fast jede Kindergeschichte hat eine kleine Moral, eine Lehre, die zu bestimmten Verhaltensweisen führen sollen. Doch je offensichtlicher das eingebaut ist, desto schneller wird das von Kindern durchschaut, was nicht unbedingt zur Begeisterung beiträgt. Anders ist das wohl bei „Der Grolltroll“, ein Kinderbuch aus dem Jahr 2018, das auch bei Europa in einer liebevollen Hörspielversion erhältlich ist. Hier ist es offensichtlich, das Kinder lernen soll, wie man mit frustrierenden und ärgerlichen Gefühlen umgehen und diese bewältigen kann – nur stört das überhaupt nicht, da der Grolltroll derart niedlich und liebenswert geraten ist. Viele Kinder werden sich in ihm wiedererkennen und erfahren hier, wie das blaue Wesen mit seiner Frustration umgeht – indem es ein Lied singt, zählt oder sich auf positive Aspekte konzentriert. In dieser ersten CD, die zwei der kurzen Bücher umfasst uns insgesamt 50 Minuten umfasst, sind gleich mehrere kleine Situationen zu hören, die auf sehr charmante Weise aufgelöst werden. Auch die niedliche Umgebung mit den tierischen Freunden hat mir gut gefallen, ebenso wie die eingebauten, eigens geschriebenen Lieder witzig gesungen werden und wie die Handlung auch für viele Lacher sorgen. Und das ist sehr liebenswert geraten und hat mir wirklich gut gefallen.

Kai Hohage ist in der Rolle des Grolltrolls zu hören und lässt seine Stimme ein wenig knarrig und dunkel klingen, wobei er sowohl die ausgeglichenen Momente des blauen Wesens als auch seine Wutausbrüche überzeugend und liebenswert umsetzt. Als Erzähler ist Achim Schülke zu hören, der mit seiner freundlichen Stimme und dem lebendigen Ausdruck eine warme Stimmung mit einbringt und gut auf die Bedürfnisse der zuhörenden Kinder eingeht. Tomke Hohage hört man das junge Alter deutlich an, er bringt viel Energie mit ein und schafft so eine weitere niedliche Figur – wenn er diese jetzt noch gezielter kanalisiert und ein wenig spontaner wirkt, ist das schon sehr ordentlich. Weitere Sprecher sind Karl Wolfram, Fenno Buffon und Frida Engels.

Neben den bereits erwähnten Liedern während der Handlung und dem witzig inszenierten Titelsong, hält sich die musikalische Gestaltung eher etwas zurück, verbreitet dann aber eine passende und positive Stimmung. Der Einsatz von Geräuschen ist da schon deutlich reichhaltiger und baut immer wieder lebendige Naturgeräusche ein oder untermalt die Handlungen der Charaktere, was mir sehr gut gefallen hat.

Natürlich bekommt man auf dem Cover zum Hörspiel auch optisch einen Eindruck von dem titelgebenden Grolltroll, der trotz verschränkter Arme und mürrischem Gesichtsausdruck mit seinem blauen Fell sehr niedlich wirkt. Auch in der restlichen Gestaltung sind einige Bilder aus der Buchvorlage eingebunden, sodass man auch Hase, Vogel, Maus und Igel zu sehen bekommt. Eine in sich stimmige und hübsche Aufmachung, die gut zu der Stimmung des Hörspiels passt.

Fazit: „Der Grolltroll“ mit seinen wütenden Momenten und der oft frustrierten Art lernt hier, wie er mit negativen Gefühlen umgehen kann. Trotz der sehr offensichtlichen Moral ist das witzig, liebevoll und kurzweilig geraten. Die Umgebung der hübschen Natur, die aufgeweckten tierischen Freunde und die eingebauten Lieder sorgen für zusätzlichen Reiz, sodass ein sehr hörenswertes Kinderhörspiel entstanden ist.

VÖ: 28. August 2020
Label: Europa
Bestellnummer: 4050003720098

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