Gruselkabinett – 167. Flaxman Low – Der Fall Hammersmith



Der britische Marinesoldat Lieutenant Roderick Houston hat ein altes Anwesen geerbt und will seinen Lebensunterhalt verbessern, indem er es vermietet. Doch dies gestaltet sich als schwieriger als gedacht, weil es niemand länger als einige Wochen in dem Haus aushält. Die Rede ist von geisterhaften Erscheinungen und merkwürdigen Geräuschen. Houston ist ratlos und bittet seinen alten Freund Flaxman Low um Hilfe, der bereits mehrere übernatürliche Phänomene aufklären konnte…

„Der Fall Hammersmith“ ist bereits der dritte Fall, den Flaxman Low innerhalb des Gruselkabinetts von Titania Medien lösen muss, die Serie innerhalb der Serie hat dabei bereits ihren eigenen Rhythmus gefunden – natürlich auch vorgegeben durch die Vorlagen von E. und H. Heron. Doch die Szene, in der Flaxman Low einen Brief mit der Bitte um Hilfe erhält, wird mit einigen kurzen wissenschaftlichen Abhandlungen von Low über das Geisterphänomen gekonnt eingeleitet, bevor sich der Geisterjäger auf den Weg zu seinem Einsatzort macht und dort die Lage erkundet. Dieser Teil ist mit vielen Informationen gespickt, die in Gesprächen mit Roderick Houston oder kleinen Rückblenden eingebaut sind. Der Hörer bekommt so auf kurzweilige Weise die Rahmenbedingungen für den Fall mitgeteilt, die im weiteren Verlauf durch fast klassisch anmutende Ermittlungen, Beobachtungen und Rückschlüsse aufgelöst werden – allerdings nicht vollständig, sondern immer mit einem Hauch des Unerklärlichen, Mysteriösen, was die Geschichten um die Figur eben ausmacht. Das funktioniert hier hervorragend, ebenso wie die Zusammenstellung von Geistergeschichte und Kriminalfall, vor allem weil die Stimmung immer sehr dicht ist und die Ereignisse eng aneinander getaktet sind. Das sorgt für einen unterhaltsamen Verlauf und für eine sehr unterhaltsame Episode.

Jonas Minthe hat bereits mehrere Rollen für das Gruselkabinett gesprochen und überzeugt als „Lieutenant Roderick Houston“ einmal mehr, indem er die sympathische und lebensfrohe Figur lebendig umsetzt, aber auch die unheimlichen Momente mit düstererem Klang unterlegt und so den Spannungsbogen nachzeichnet. Sabina Trooger ist als Mrs. Van Nuysen ebenso überzeugend und spricht die Rolle sehr sorgsam und energiegeladen, sodass jede ihrer Szenen einen passenden Ausdruck erhält. Als Flaxman Low ist natürlich wieder Rolf Berg zu hören, der sich dynamisch an die einzelnen Szenen anpasst und eine authentische, markante Figur erschafft, die sich an den richtigen Momenten aber auch zurücknimmt und die jeweiligen Situation wirken lässt. Weitere Sprecher sind Bernd Kreibich, Jean Paul Baeck und Peter Weis.

Die Geschichte scheint wie gemacht für die Inszenierung von Titania Medien, schließlich hat das Label bereits mehrfach bewiesen, eine perfekte Geisterhausatmosphäre zu schaffen. Auch hier gibt es zugige Gänge, durch die der Wind pfeift, leise unheimliche Musikunterlegung oder in dramatischeren Szenen markantere Elemente, die sich sehr gelungen zu einer dichten Atmosphäre zusammenfügen und so die Wirkung der Handlung unterstreichen.

Das geisterhafte Wesen, welches Ertugrul Edirne in sehr nostalgischem Zeichenstil für das Covermotiv erschaffen hat, ist mit den weiße Augenhöhlen, den spitzen Ohren und der abgemagerten Figur sehr unheimlich geraten, was mit dem bläulichen Schimmer unterstützt wird – insbesondere, weil die menschliche Figur, die geschwächt im Bett liegt, einen gelungenen Kontrast dazu bildet. Mal wieder ein sehr ansehnliches Titelbild, das gut zur Handlung passt und deren Stimmung aufgreift.

Fazit: „Der Fall Hammersmith“ ist zwar klassisch aufgebaut und bringt auch im Vergleich zu den beiden Vorgängerepisoden um den Geisterjäger keine wirklichen Neuerungen mit sich, ist aber dennoch durchgängig sehr abwechslungsreich und spannend geraten. Die Atmosphäre ist sehr dicht, die Handlung kurzweilig erzählt, die Figuren erinnerungswürdig gestaltet, sodass mir auch die neue Ausgabe von „Flaxman Low“ sehr gefallen hat.

VÖ: 29. Januar 2021
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785781944

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