John Sinclair: Tonstudio Braun – 105. Flucht in die Schädelwelt



Cecil Turner wird von einem heftigen Traum heimgesucht, in dem eine dämonische Schönheit ihn um Hilfe bittet und zu einem Friedhof lockt. Dort soll er in der Erde um eine alte Ulme nach einem verlorenen Gegenstand suchen. Sofort nach dem Aufwachen folgt er ihrer Anweisung und findet eine bronzene Kassette mit einem Totenschädel. Die unheimliche Schönheit hat ihn aber so sehr im Griff, dass die Begegnung mit dem Friedhofswärter eine grauenvolle Wendung nimmt…

Das John Sinclair in seinen Abenteuern oft gegen immer die gleichen Bösewichte kämpft, die mit immer neuen Plänen die Macht an sich reißen oder den Geisterjäger vernichten wollen, sorgt in der 105. Episode der Umsetzung von Tonstudio Braun dafür, dass die Handlung unmittelbar losgehen kann. Asmodina hat in einer markanten Introszene ihre Finger im Spiel und zieht einen unbescholtenen Mann mit ihren hypnotischen Kräften in ihren Bann. Das sorgt direkt für eine dichte Stimmung und viel Spannung, da nicht klar ist, was die Teufelstochter mit ihrem Agieren bezweckt. Schön ist, dass auch im weiteren Verlauf der Druck auf die Protagonisten nicht nachlässt und die Handlung tatsächlich durchgängig spannend geraten ist. Mal weil es unheimliche Rätsel aufzudecken gibt, mal weil temporeiche Actionszenen eingebaut sind, mal weil eine überraschende Wendung für einen gelungenen Twist sorgt. Die Handlung gefällt mir gut, das Drehbuch weist allerdings einige kleinere Schwächen auf. Manche Formulierungen wirken extrem sperrig, manche Vorgänge werden gar nicht erklärt und wirken aufgesetzt, manche Handlungen der Charaktere wirken ziemlich irrational. Typische Hörspielmomente, in denen sich die Protagonisten gegenseitig ihre Sinneswahrnehmungen mitteilen, obwohl ihnen gar nicht die Zeit dazu bleibt und Bösewichte, die als solche auch mit überheblichen Ankündigungen erkannt werden wollen, gehören dazu. Die Folge insgesamt macht aber durchaus Spaß und hat mir trotz dieser kleinen Schwächen gut gefallen.

Dass die Sprecher im Booklet nicht aufgelistet sind, liegt daran, dass sie einfach nicht mehr alle bekannt sind. Die Qualität ist dabei recht gemischt, nicht jeder Sprecher kann wirklich überzeugen. Gut gefällt mir beispielsweise die Sprecherin der Asmodina, die eine wunderbar dämonische und bösartige Wirkung entfaltet und mit viel Leidenschaft spricht. Und natürlich ist auch die Rolle des John Sinclair überzeugend besetzt, viel Coolness und eine lässige Art, lockere Sprüche herauszuhauen werden von ihm mit einem gelungenen Spannungsaufbau und genügend Druck kombiniert. Die Sprecher der „Galgenvögel“ wirken jedoch recht hölzern und plakativ, sodass diese weniger punkten können.

Dass die Heimorgel nicht unbedingt das unheimlichste Instrument ist, ist wohl jedem klar, der schonmal eine Episode dieser Umsetzung gehört hat, und genau in diesem Stil ist auch „Flucht in die Schädelwelt“ gehalten. Sowohl Musik als auch Geräusche sind sehr plakativ und wirken stellenweise sogar etwas flach, bringen aber auch Leben und Abwechslung mit ein – selbst wenn es in der einen oder anderen Szene sogar etwas nervig wirkt.

Natürlich wurde auch auf diesem Cover die originale Zeichnung des Heftromans verwendet, der Ausschnitt, sodass die dämonischen Vogelwesen am oberen Rand wie abgeschnitten wirken. Der riesige Totenschädel mit dem kämpfenden John Sinclair bringt jedoch eine ebenso unheimliche Stimmung mit sich. Die restliche Gestaltung ist wie immer sehr schlicht geraten, aber auch hier gibt es im Inneren einen vollständigen Folgenindex.

Fazit: Schon die erste Introszene um einen unheilvollen Traum ist markant geraten und sorgt für Spannung – und diese lässt während der 54-minütigen Laufzeit nur selten nach. Das Tempo ist hoch, die verschiedenen Elemente kommen dennoch gut zur Geltung. Das ist gelungen erzählt und enthält viele markante Szenen, sodass eine hörenswerte Episode entstanden ist.

VÖ: 27. November 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759059

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