John Sinclair: Tonstudio Braun – 104. Dr. Tods Horror-Insel



Eine riesige Nebelwand rast mit hoher Geschwindigkeit auf eine fast verlassene Ölbohrinsel in der Nordsee zu und löst die Haut der Mitarbeiter vom Fleisch ab wie Säure – der Todesnebel unter der Kontrolle von Dr. Tod macht sich die Insel zu eigen. Nur ein einziger Mann kann von der Insel durch das eisige Wasser fliehen und wird von einem Boot aus den Fluten gerettet. Doch statt der erhofften Rettung erwartet ihn nur weiteres Grauen…

Auch wenn die Kontinuität in der „John Sinclair“-Reihe von Tonstudio Braun nicht immer gegeben war und zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und herwechselt, schließt immerhin die 104. Episode direkt an ihren Vorgänger an – wie man auch dieser Neuauflage von Lübbe Audio entnehmen kann. Denn auch hier spielt der Todesnebel wieder eine zentrale Rolle und wird gerade zu Beginn der Episode zu einem wichtigen Element, während auch die Mordliga wieder ihre Finger im Spiel hat und dem Geisterjäger das Leben schwer macht. Dieser ist erst recht spät in der 49-minütigen Produktion zu hören, etwa die erste Hälfte der Handlung konzentrieren sich auf den Plan von Dr. Tod und seinen Mitstreitern und die Vorgänge auf der Ölbohrinsel, was zwar stimmungsvoll geraten ist, aber auch reichlich langsam erzählt wurde. Erst danach greift Sinclair (trotz vorigem kurzen Auftritt) aktiv in das Geschehen ein, was dann das Tempo auch deutlich anzieht und für einen abwechslungsreicheren Verlauf sorgt. Das ist fast schon klassisch zu nennen und bieten gegen Ende natürlich auch ein Actionspektakel mit vielen unheimlichen Elementen, ist aber auch recht vorhersehbar und mit zu wenigen Überraschungen versehen. Ein wenig mehr Schwung oder ein paar unerwartete Wendungen hätten der Episode gutgetan, dennoch ist die Episode unterhaltsam und zumeist kurzweilig.

Mark Brennan, der zu Beginn der Episode den ersten Schrecken auf der Ölbohrinsel miterlebt, wird markant recht authentisch gesprochen, auch wenn er den erlebten Horror und die körperlichen Beschwerden in der eisigen Nordsee etwas prägnanter umsetzen könnte. Auch Lupina macht in dieser Episode wieder einen überzeugenden Eindruck und wird mit viel Energie gesprochen, wobei sie dies in einigen Momenten auf die Spitze treibt und dann etwas zu flach wirkt. Der Sprecher des Dr. Tod wirkt wunderbar diabolisch und bedrohlich, sein Auftreten ist markant und sehr präsent, was wieder einmal einen gelungenen Gegenspieler für den Geisterjäger erschafft.

Nicht gerade abwechslungsreich ist die akustische Umsetzung der Episode geraten, fast durchgängig werden die Dialoge durch die düsteren Klänge einer Heimorgel begleitet – wie bereits in den über 100 vorigen Folgen. Doch es gibt hier auch ein wenig atmosphärische Hintergrundgestaltung mit dem Rauschen der Wellen oder dem Heulen des Windes auf der künstlichen Nordseeinsel, dazu kommen noch die typisch wuchtigen Geräusche, um die Handlungen der Charaktere zu unterstreichen.

Wie immer wurde auch für das Cover dieser Episode das Titelbild der Heftromanvorlage verwendet, welches auch bereits für die Erstveröffentlichung der Produktion auf Kassette der Fall war – schön, dass Lübbe Audio hier nicht allzu viele Änderungen vorgenommen hat und sogar das kräftige Grün der Rahmengestaltung übernommen hat. Verziert mit Glanzfolie ist so eine stimmige Gestaltung entstanden, die auch hier wieder gut funktioniert.

Fazit: Der Schauplatz der Ölbohrinsel ist gut gewählt und sorgt für eine markante Szenerie, auch die Figuren sind wieder gelungen untergebracht, wobei besonders Sinclairs Feinde für Aufsehen sorgen. Zwar lassen sich einige Ereignisse bereits vorausahnen, dennoch ist die actionreiche Episode unterhaltsam geraten und bringt die typische, nostalgische Atmosphäre der Serie gut herüber.

VÖ: 30. Oktober 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759042

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