John Sinclair: Tonstudio Braun – 103. Der Todesnebel



Von Sir James Powell wird John Sinclair nach Lambeth geschickt, wo sein Freund Bill Conolly Fotos eines Mordes gemacht – ein Kind hat dort seinen Vater umgebracht. Das das Gesicht des Kleinen, das auf den Bildern bestens zu erkennen ist, erinnert eher an eine alte Mumie denn an ein junges Kind. Sofort bricht der Geisterjäger auf, da die Mutter immer noch in größter Gefahr schwebt. Doch schon die erste Begegnung mit Sinclairs silbernen Kreuz löst eine unerwartete Reaktion bei dem Jungen aus…

Im Gegensatz zu der aktuellen Umsetzung der Heftromane von „John Sinclair“ ist die erste Hörspielvertonung von Tonstudio Braun nicht in einer chronologischen Reihenfolge veröffentlicht worden, ein roter Faden durch die verschiedenen Episoden ist nicht erkennbar – im Gegenteil sind diese sogar ausgesprochen durcheinander geraten. Und so ist „Der Todesnebel“ erst die 103. Folge der Serie geworden, obwohl die Ereignisse eigentlich vor vielen anderen Geschichten stattgefunden haben. Da die Folge sich aber auch losgelöst vom Rest sehr unterhaltsam und spannend gestaltet, ist dies hier nicht weiter tragisch. Schon zu Beginn wird eine unheimliche Atmosphäre aufgebaut, der tödliche Angriff des kleinen Jungen auf seine Eltern ist ein packender Start, und auch danach wird viel auf eine düstere Stimmung gesetzt. So erfährt der Hörer – gemeinsam mit John Sinclair – von einem unheimlichen Nebel, der sich an der britischen Küste festgesetzt hat und in einem kleinen Fischerdorf für Aufsehen sorgt. Mir gefällt, wie viel Wert hier auf die passende Stimmung gesetzt wurde und Actionelemente (wenn auch wie immer reichlich vorhanden) eine geringere Rolle einnehmen als sonst. Zwar gibt es auch hier einige Formulierungen im Drehbuch, die reichlich steif und hölzern wirken, insgesamt bringt die Folge aber auch einiges an Charme mit.

Auch in dieser Episode sind die Sprecher nicht aufgelistet – mit dem einfachen Hintergrund, dass diese beim Tonstudio Braun nicht komplett namentlich erfasst wurden. Der Sprecher des Sir James Powell bringt mit seiner trockenen Art aber eine humorvolle Komponente mit ein und sorgt in der Introszene für einen gelungenen Einstieg in die Handlung. Der Bürgermeister des vom Todesnebel angegriffenen Ortes spricht mit tiefer und markanter Stimme, bringt dabei die Sorge und später den Schrecken der Figur gut zur Geltung und bringt dabei glaubwürdige Facetten mit ein. Die externe Erzählerin setzt ihre Passagen mit dunkler, unheilvoller Stimme um und sorgt dabei für einen ganz eigenständigen Eindruck, der aber gut zu der Serie passt.

Den Aufnahmen merkt man ihr Alter deutlich an – zwar wurde für die CD-Veröffentlichung der Klang verbessert und wirkt deutlich klarer als noch von Kassette, die akustische Umsetzung ist allerdings deutlich einfacher und eindimensionaler als heutzutage. Dabei sorgt eine Heimorgel für die musikalische Begleitung und präsentiert insbesondere für einige düstere Momente, während die Geräusche nur einige wichtige Handlungen der Charaktere transportieren.

So einige Motive aus der Serie werden auf dem Cover kombiniert, umgeben durch den titelgebenden Todesnebel. Neben dem bekannten Geisterjäger mit seinem silbernen Kreuz sind auch ein Vampir in seinem Sarg mit bedrohlich aufgerissenem Mund, die Attacke auf eine junge Frau sowie ein düster beleuchtetes Dorf zu sehen. Eine gelungene Kombination in dem wie immer sehr nostalgischen Zeichenstil der Heftromanserie.

Fazit: „Der Todesnebel“ lebt durch seine unheimliche Stimmungen, die in vielen Szenen gut zur Geltung kommen und die Episode prägen. Dabei ist die Handlung abwechslungsreich geraten und verläuft über unterschiedliche Szenerien mit jeweils eigenem Ausdruck. Das macht Spaß und ist unterhaltsam geraten, sodass eine weitere hörenswerte Folge der Serie entstanden ist – mit dem typischen, ungebügeltem Charme der Reihe.

VÖ: 1. Oktober 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785759035

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