Sherlock & Watson: Neues aus der Baker Street – 8. Die Bestie von Grimpen oder Der Hund der Baskervilles



Auf einer Seite für Kleinanzeigen findet Sherlock Holmes ein interessantes Inserat: Charles Baskerville veranstaltet auf seinem Anwesen einen Wettbewerb für Detektive – doch nicht aus bloßem Vergnügen, sondern weil er sein Leben bedroht sieht. Eine solch skurrile Anzeige weckt natürlich sofort das Interesse des Privatdetektivs, sodass er mit dem unter Alpträumen und einer Belastungsstörung leidenden Dr. Watson auf den Landsitz fährt. Doch schon auf dem Weg dorthin begegnen sie einer verwirrten Frau, die offensichtlich von einem wilden Tier angegriffen wurde…

Für viele ist Sherlock Holmes eng mit dem nebligen London des späten 19. Jahrhunderts verbunden, doch genau diese Zuordnung wird vom Audio Verlag in der Serie „Sherlock & Watson“ aufgebrochen. Die achte Episode transportiert dabei den wohl bekanntesten Fall von Sir Arthur Conan Doyle in die heutige Zeit, wobei „Die Beste von Grimpen“ dem Titel „Der Hund der Baskervilles“ vorangestellt wurde. In einer kurzen Introszene um die Rahmenhandlung nach dem Tod von Holmes und den traumatischen Erlebnissen von Watson im Vietnam-Krieg wird recht schnell auf die eigentliche Handlung umgeschwenkt – und trotz einer Laufzeit von über einer Stunde und 50 Minuten ist das auch sehr notwendig, denn die Geschichte ist sehr dicht erzählt und reiht die Ereignisse eng aneinander. Dabei gibt es zahlreiche Charaktere, die auf dem Anwesen der Baservilles anzutreffen sind, allesamt Ermittler, angebliche Geisterjäger oder übersinnlich begabte Menschen – inklusive einigen wohlbekannten Figuren aus anderen Geschichten, die namentlich genannt werden und mit Humor eingebunden sind. Das bringt eine lockere Stimmung mit ein, was in der ansonsten spannend und druckvoll erzählten Handlung guttut. Dabei werden einige Motive aus der ursprünglichen Geschichte aufgegriffen, aber auf eine ganz andere Ebene geführt und mit aktuellen Themen verbunden, dabei in einen anderen Kontext gesetzt und auch ganz anders aufgelöst als bekannt – was die Episode natürlich auch für diejenigen interessant ist, die den Kanon von Holmes auswendig kennen. Die Geschichte wirkt dabei sehr ausgewogen und ist hervorragend auf die Figuren zugeschnitten, wobei besonders Sherlock Holmes einige überraschende, aber sehr passende Seiten von sich zeigen kann.

Die Sprecher der Episode gefallen mir äußerst gut und gestalten ihre Figuren sehr passend und lebendig, was bis in die kleine Nebenrolle gewährleistet ist. Die Sprecherin der Miss Marple ist mit ihrem feinen Humor und dem markanten Auftreten beispielsweise trotz vergleichsweise kurzen Auftrittes positiv in Erinnerung geblieben und füllt meine Vorstellung der Figur gekonnt aus. Charles Baskerville bekommt durch seinen Sprecher ebenfalls eine ausdrucksstarke Aura verliehen und überzeugt mit vielen feinen Facetten, die einen spannenden Charakter formen. Auch die Sprecherin der Eliza Barrymore passt sich gelungen der Szenerie an und verstärkt die düsteren und unheilvollen Elemente der Handlung mit ihren Anmerkungen.

Die akustische Umsetzung der Episode ist sehr vielseitig geraten, so sind neben den schnell geschnittenen Chatverläufen mit den entsprechenden elektronischen Geräuschen auch viele Szenen enthalten, die zurückhaltend inszeniert wurden und lediglich ein paar Hintergrundgeräusche enthalten, an anderen Stellen erklingt gut an die vorherrschende Stimmung angepasste Musik, was ganz verschiedene Atmosphären erzeugt und einen lebendigen Eindruck hinterlässt.

Die Covergestaltung konzentriert sich auch bei dieser Episode auf die beiden Hauptsprecher Johann von Bülow und Florian Lukas, die durch ihren Status als bekannte Schauspieler natürlich einen gewissen Werbeeffekt erzielen, aber auch gut zu ihren Rollen passen. Der Hintergrund spielt dabei auf die düstere Moorlandschaft Baskervilles an, was durch moderne geometrische Formen an die heutige Zeit angepasst wird.

Fazit: Der wohl bekannteste Fall von Sherlock Holmes wird mit vielen gelungenen Elementen angereichert – dem gelungenen Transport in die heutige Welt mit aktuellen Themen, interessanten Charakteren, ein wenig düstere Stimmung und einer gehörigen Prise feinen Humor. Die Handlung ist kurzweilig und verläuft dynamisch, wobei sich die Hinweise immer weiter verdichten und zu einem überraschenden Ende führen. Eine Episode, die mir mal wieder sehr gut gefallen hat.

VÖ: 22. Januar 2021
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742417916

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