Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 29. Brennender Zorn



Mitten auf einem Markt geht ein Mann ohne Fremdeinwirkung in Flammen auf und stirbt eines grausigen Todes – nicht der einzige Fall dieser Art, der sich in London ereignet hat. Niemand anderes als Mycroft Holmes scheint den Fall aufklären zu können, der gemeinsam mit Oscar Wilde zu ermitteln beginnt. Schon bald stoßen sie auf eine geheimnisvolle Sekte, die sich unter den russischstämmigen Bewohnern große Beliebtheit erfreut, aber in die Todesfälle verwickelt zu sein scheint…

Im Gegensatz zur vorigen Folge, die recht schnell in die vollen gegangen ist und der dann ein wenig die Luft ausgegangen ist, nimmt die 29. Episode der „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ die genau umgedrehte Richtung. Auch hier gibt es zwar eine markante Introszene, die aus einer harmlos wirkenden Szenerie durch das Auftauchen der spontanen Selbstentzündung eine markante Wirkung erzeugt. Doch danach geht es erst einmal mit recht langsamem Tempo weiter. Die ersten Kenntnisse werden in langen Szenen gezogen, aber auch erst, nachdem Holmes und Wilde in einem unterhaltsamen Wortgefecht zwar für Heiterkeit, aber eben nicht für Spannung sorgen. Das erste Drittel der Handlung ist deswegen für meinen Geschmack zu unaufgeregt geraten, danach gibt es aber deutlich mehr Spannungsmomente. Die Verflechtungen in der russischen Gemeinde, die bemerkenswerten Schauplätze mit einer imposanten Kirche, politisch und gesellschaftliche Themen, die darin eingebunden sind – die Serie findet dann wieder zu ihrer Stärke zurück und präsentiert eine Auflösung, die deutlich umfangreicher ist als zunächst gedacht. „Brennender Zorn“ überzeugt vielleicht nicht von der ersten Minute an, ist aber insgesamt lohnenswert und eine positive Episode der Serie.

Neben den beiden Hauptfiguren der Serie ermittelt hier auch mal wieder Bastien Lavache in dieser Episode, der von Peter Lontzek humorvoll und dennoch energiegeladenen umgesetzt wird. Er passt sich gekonnt den unterschiedlichen Szenen an und sorgt so für einen lebendigen Eindruck. Als Rasputin ist Tetje Mierendorf zu hören, der eine markante Sprechweise mit hartem Klang wählt und so eine beeindruckende Figur erschafft, die bestens in das Ambiente der Serie passt. Auch Torsten Münchow hat mir als Inspector Cullum gut gefallen, auch er schafft einen ausdrucksstarken Charakter, der seine Szenen einen passenden Auftritt verleihen kann. Weitere Sprecher sind Sarah Alles, Werner Wilkening und Tammo Kaulbarsch.

Wieder ist die akustische Umsetzung der Episode sehr vielfältig geraten und überzeugt auch durch seine vielfältige Geräuschkulisse, sodass es für viele Szenen ein passendes Ambiente gibt und die Handlungen oder die Umgebung lebendig erscheinen – und das teilweise auch gleichzeitig mit der orchestral anmutenden Musik. Dennoch überdeckt sich beides nicht gegenseitig, sodass auch die vielfältigen Melodien für eine dichte Stimmung sorgen.

Das Cover zu der Episode ist mal wieder ziemlich ausdrucksstark geraten, und das nicht nur wegen der üblichen Ornamente und der düsteren, rötlichen Farbgebung. Aber der Gesichtsausdruck des Mannes, der in Flammen steht und die Arme weit von sich streckt, ist voller Schmerz und Wut, was hervorragend zu der Handlung passt. Der Raum hinter der CD wird dazu verwendet, alle bisherigen Cover in Kleinformat zu zeigen.

Fazit: Wieder wurde es geschafft, der Serie einen neuen Dreh zu geben, die Ermittlungen bei den russischen Einwanderern bringen eine ganz besondere Atmosphäre mit sich – auch, weil viele markante Figuren in die Handlung geschrieben wurden und eine besondere Wirkung mit sich bringen. Auch wenn ich mir am Anfang etwas mehr Schwung gewünscht hätte, ist dennoch eine spannende Episode entstanden.

VÖ: 2. Oktober 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783785781951

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