Mindnapping - 31. Morbius - Richter und Henker



Dr. Morbius bekommt einen Brief von einem alten Schulfreund, der im Todestrakt eines kalifornischen Gefängnisses einsitzt und auf seine Hinrichtung wartet. Er wurde des Mordes an seiner Frau schuldig gesprochen, mit deren Geld er seine Klinik retten wollte. Dr. Morbius entschließt, ihm zu helfen und ist von seiner Unschuld überzeugt. Doch er stößt auf große Widerstände und scheint sich einen mächtigen Feind zu machen…

Es ist nicht das erste Mal, dass „Mindnapping“, die Thrillerserie von Audionarchie, auch andere Serien aufgreift und eigenständige Folgen einbaut. So nun auch in der 31. Episode, die „Dr. Morbius“ zur Hauptfigur hat, ihn aber mehr von seiner Hintergrundgeschichte löst und dann auch gleich in einem ganz anderen Land ermitteln lässt. Zwar gibt es im Laufe der Handlung einige Anspielungen auf die eigentliche Serie mit einer knappen Zusammenfassung einiger besonders wichtiger Elemente, das wirkt aber eher wie ein Appetizer für Hörer, die die Serie bislang nicht kennen und zum ersten mal durch diese Mindnapping-Folge darauf aufmerksam werden – die Folge kann also auch ganz wunderbar allein gehört werden. Schauplatz sind die USA, das Thema mit der Todesstrafe gut gewählt, wirft es doch (besonders hierzulande) viele moralische Fragen auf, die im Laufe der Zeit dann auch durch die ungewöhnlichen Sichtweisen der Hauptfigur mit ganz eigenen ethischen Maßstäben beantwortet werden. Die Ermittlungen sind nicht sonderlich actionreich, sondern größtenteils in Dialogen gestaltet, was aber wegen einiger schneller Schnitte und einer Fokussierung auf zwei wesentliche Aspekte sehr unterhaltsam gelingt: Der Aufklärung des brutalen Mordes sowie dem Verhindern einer schnellen Vollstreckung des Urteils. Immer wieder sind kleine Wendungspunkte mit neuen Informationen eingebaut, was die Folge durchgängig unterhaltsam geraten lässt. Manches wirkt dabei aber auf aufgesetzt und etwas gezwungen, für meinen persönlichen Geschmack wird stellenweise zu dick aufgetragen. Dennoch „Richter und Henker“ ist hörenswert und kein gewöhnlicher Krimi, sondern mit gelungenen Elementen angereichert.

Udo Schenk spricht – wie in der ursprünglichen Serie auch – die Rolle des Dr. Richard Franklin Morbius, wobei er seine Stimme besonders düster und entschlossen klingen lässt und den komplexen Charakter mit vielen interessanten Facetten ausstattet. Sein Bruder Eric wird von Thomas Nero Wolff gesprochen, der ähnlich markant spricht, aber eine ganz eigene Ausstrahlung mit sich bringt und so einen gelungenen Gegenpart zu der Hauptfigur schafft. Torsten Michaelis überzeugt in der Rolle des zum Tode verurteilten Neil Ashcombe und setzt gelungene Akzente, bringt die zunächst hoffnungslose und niedergeschlagene Stimmung und die spätere Steigerung gekonnt herüber. Weitere Sprecher sind Gordon Piedesack, Uve Teschner und Mia Diekow.

Die akustische Umsetzung der Episode wirkt modern und treffend, sodass eine passende Stimmung entsteht, die die Handlung unterstreicht. Mir gefallen beispielsweise die vielfältigen Hintergrundgeräusche, die ganz unterschiedliche Szenarien erschaffen und in den meisten Momenten für mehr Leben sorgt. Auch die Musik ist passend eingebaut und punktet mit abwechslungsreichen Klängen, was den Spannungsbogen der Handlung nachzeichnet.

Das Coverkonzept orientiert sich natürlich an der Optik von Mindnapping und nicht von Dr. Morbius, ist also deutlich dezenter in Farbwahl und Motiv. Handschellen, eine Spritze und weitere Anspielungen auf die Todesstrafe sind darauf zu sehen, die Sepia-Farbtöne wirken dabei düster und stimmungsvoll. Natürlich ist die Optik mit dem karierten Papier, den Feilen und den ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben ebenfalls wieder im Einsatz.

Fazit: Die 67 Minuten Laufzeit sind voll gefüllt, Leerlauf ist nicht vorhanden, die Dialoge sind dicht aneinander getaktet und jeder einzelne hat seinen festen Platz im Gefüge der Handlung. Die gewählten Themen und gestellten moralischen Fragen sind sehr interessant und werden mit markanten Figuren angereichert, auch wenn das stellenweise etwas zu viel auf einmal wirkt. Unterhaltsam und hörenswert ist „Richter und Henker“ jedoch allemal.

VÖ: 11. Dezember 2020
Label: Highscore Music
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