Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 28. Der längste Tag



Der Zirkel der Sieben holt zu einem empfindlichen Gegenschlag gegen die Unterstützer der Krone aus, die Mycroft Holmes persönlich treffen soll. Und so gibt es eine Attacke auf ehemalige Veteranen, die mit Mycroft zusammengearbeitet haben – doch das ist noch längst nicht alles. Im Laufe eines einzigen Tages sollen zahlreiche andere Personen aus seinem persönlichen Umfeld umgebracht werden – und die Zeit rinnt ihm schneller durch die Hände als gedacht…

Dass der Kampf gegen den „Zirkel der Sieben“ kein leichter ist und die Mitglieder der Geheimorganisation zum Sturz der englischen Krone mit aller Härte zuschlagen, hat das Duo aus „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ in der gleichnamigen Hörspielserie schon des Öfteren erfahren müssen. Dieser Kampf gewinnt in der 28. Episode aber noch einmal an Schärfe, da sich die Attacken dieses Mal direkt gegen Mycroft Holmes richten und ihn sehr persönlich treffen. Dazu wird in der Introszene eben dieser Plan durch zwei Anhänger des besprochen und direkt danach eine dieser Angriffe in einer markanten Szene geschildert – die Spannung ist dementsprechend gleich zu Beginn sehr hoch, was durch Holmes‘ Verschwinden, die Durchsuchung seines chaotischen Zimmers und andere geschickt positionierte Hinweise fortgesetzt wird. Etwa zur Hälfte der Handlung geht der Episode zwar etwas die Luft aus und hält trotz des sehr interessanten Konstrukts die Spannung nicht durchgängig hoch, das dauert aber wirklich nur wenige Szenen lang. Zum Finale hin wird die Geschichte wieder dichter, aufregender und bedrohlicher erzählt, wobei auch die Charaktere wieder gelungen eingebaut sind und ihre ganz eigene Note hinterlassen. Eine weitere hörenswerte Episode, die gut in die Serienhandlung eingebaut ist, aber auch problemlos alleinstehend gehört werden kann.

Die Rolle des Mycroft Holmes wird hier noch einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt und durch Reent Reins wie immer sehr sicher umgesetzt, seine volltönende Stimme und seine eingängige Sprechweise überzeugen in jeder seiner Szenen. In der Rolle des Samir ist Matti Klemm zu hören, der seiner Stimme einen düsteren und doch lebendigen Klang verleiht und so einen interessanten Gegenspieler darstellt. Dabei agiert er sehr abwechslungsreich und überzeugt mit gelungenen Facetten. Auch Engelbert von Nordhausen ist in einer kurzen Szene als Bronsky zu hören, er überzeugt mit seiner unverkennbaren Stimme und hinterlässt trotz des kleinen Auftritts einen gelungenen Eindruck. Weitere Sprecher sind Timo Kinzel, Wolfgang Bahro und Martin Sabel.

Das Sounddesign der Episode hat mir gut gefallen, wobei wieder viel Wert auf markante Musik gelegt wird. Diese ist meist klassischer Natur und drückt die Stimmung der verschiedenen Szenen gekonnt aus, besonders bedrohliche Momente werden durch sie unterstrichen. Aber auch die Geräuschkulisse weiß zu überzeugen und ist lebendig geraten, dadurch entstehen zahlreiche passende Hintergründe, die einen authentischen Ausdruck hinterlassen.

Für das Titelbild der Episode wurde mal wieder ein ungewöhnliches Motiv gefunden: Das riesige Skelett eines Dinosauriers ragt in der imposanten Halle eines Museums über die anwesenden Menschen, die allesamt nur als Silhouetten zu sehen sind. Gepaart mit der dunklen und rötlich geprägten Farbgebung und dem geschickt gestalteten Lichteinfall ist ein ansehnliches Cover gelungen. Wie immer sind die Sprecher auch hier wieder auf der Rückseite zu sehen, während das Innere und auch das kleine Booklet keinen wirklichen Mehrwert bilden.

Fazit: „Der längste Tag“ ist mit den unbarmherzigen Attacken auf das persönliche Umfeld von Mycroft Holmes packend geraten und enthält einen gelungenen Aufbau und viele markante Momente, auch wenn im Mittelteil durchaus kleinere Längen auftauchen. Doch das spannende Konstrukt und die vielen aufregenden Feinheiten sorgen für einen spannenden Verlauf, bei dem man die beiden Hauptfiguren noch ein wenig besser kennenlernt.

VÖ: 28. Juli 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783785781289

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