Sherlock Holmes – Sammler Edition 16



Inspector Lestrade von Scotland Yard sucht einmal mehr die Hilfe des berühmten Meisterdetektivs Sherlock Holmes: Ein Mann wurde in seinem Anwesen brutal erschlagen, seine Frau musste gefesselt und geknebelt zusehen… (Abbey Grange)
Susan Cushing hat ein Paket bekommen, das zwei menschliche Ohren enthält. Der grausame Fund ist für die Dame kaum zu erklären… (Die Pappschachtel)
Streng geheime Pläne über ein neues Unterseeboot sind aus der Admiralität verschwunden und werden bei einem Leichnam in einem U-Bahn-Schacht aufgefunden. Doch drei Blätter fehlen, was niemand anderes als Mycroft, Sherlocks Bruder, entdeckt... (Die Bruce-Partington-Pläne)

Mit den leicht überarbeiteten Fällen von Sherlock Holmes in den Umsetzungen von Maritim geht es erfreulicherweise sehr regelmäßig weiter, mittlerweile ist die 16. CD-Box mit drei weiteren Fällen des Meisterdetektivs erschienen – nicht ganz chronologisch, sind doch die Episoden 41, 43 und 44 vorhanden.
In „Abbey Grange“ wird unter anderem auch die Beziehung zu Inspektor Lestrade näher beleuchtet, seine Ermittlungsergebnisse werden von Holmes nicht nur angezweifelt, sondern durch Details wiederlegt. Diese scharfe Analyse der Gegebenheiten macht die Folge besonders und wird gut ausgearbeitet. Dass bei den nachfolgenden Ermittlungen der Zufall eine große Rolle spielt, sei verziehen, denn spannend und rätselhaft sind sie dennoch. Besonders das Ende, das Sherlock Holmes auf äußerst unkonventionelle Weise löst, hat mich überzeugt.
„Die Pappschachtel“ gestaltet sich zu Beginn recht gewöhnlich und ist sehr gradlinig erzählt, kann aber trotzdem einige Winkelzüge vorweisen, die das Geschehen interessant und spannend halten. Dabei kann das Zusammenspiel von Holmes und Watson einmal mehr überzeugen – besonders da Holmes Überheblichkeit für viel Heiterkeit sorgt. Der richtige Knalleffekt bleibt dabei aus, eine solide und gut erzählte Episode ist dennoch entstanden.
Bei „Die Bruce-Partington-Pläne“ ist die politische Tragweise des Falles ein sehr gelungener Reizpunkt. Dennoch: Trotz der lediglich 42 Minuten Laufzeit haben sich aber leider einige Längen eingeschlichen, die auf etwas zu umfangreichen Dialogen basieren. Doch sind diese Passagen überwunden, darf man sich wieder auf intelligente und überraschende Kriminalunterhaltung freuen, denn mit der Auflösung des Falles hätte in dieser Form wohl kaum jemand gerechnet (jedenfalls wenn man die Geschichte noch nicht kennt) – das Motiv ist ein ganz anderes als erwartet.

Volker Brandt ist als Lestrade eine wundervolle Ergänzung zu den beiden Hauptsprechern, denn der leicht schusselige Inspektor ist nicht nur eine humorvolle Figur, sondern wird auch gekonnt und mit seinem ganz speziellen Charme umgesetzt. Mycroft Holmes, der Bruder des bekannten Detektivs, wird von Niels Clausnitzer gesprochen, der glücklicherweise völlig andere Wege einschlägt als Christian Rhode und seinem Charakter so etwas Individuelles und Steifes verleiht. Anke Reitzenstein spricht die Susan Cushing mit ihrer warmen, weichen Stimme und verleiht ihr viel Energie und Ausdruck. Weitere Sprecher sind Ghadah Al-Akel, Sabine Bohlmann und Gisela Fritsch.

Am Sounddesign der Serie hat sich nicht viel verändert, sodass einem die Szenerie doch schnell ziemlich bekannt vorkommt. Der verminderte Einsatz von Musik fördert die Konzentration auf die sinnigen Dialoge, doch in den Szenenübergängen wird sie gern als Abrundung verwendet. Geräusche sind ebenfalls wenige, aber sinnvolle eingefügt, sodass die Szenen eine passende Untermalung bekommen, die sich aber nicht in den Vordergrund drängt.

Die Aufmachung der dicken CD-Box in der Plastikhülle ist sehr schlicht geraten, neben dem Aufdruck, dass die Hörspiele „Reloaded und Remastered“ sind, finden sich noch die drei ursprünglichen Titelbilder im Kleinformat auf dem schlicht grünen Untergrund mit dem Schriftzug der Serie wieder. Ein Booklet mit weiteren Informationen, beispielsweise zu den Sprechern, liegt leider nicht bei.

Fazit: Die ersten beiden Fälle dieser Box sind etwas schlichter und beinhalten eher konventionelle Fälle für den Meisterdetektiv, während der dritte Fall zwar einen sehr reizvollen Hintergrund hat, dann aber etwas zu langsam erzählt wurde. Und obwohl eben keine Top-Fälle vorliegen, ist die Box vor allem wegen der hervorragenden Sprecher, die die Beziehungen der Charaktere sehr gelungen umsetzen, sehr hörenswert geraten.

VÖ:
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662938

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