Die schwarze Serie – 15. Die Sennenpuppe



Köbi Winzeler verbringt den Sommer in den Schweizer Alpen bei den beiden Ziegenhirten Urs und Alois, um in Ruhe Inspirationen für sein neues Buch zu bekommen. Aus einer Schnapslaune heraus bauen sie an einer Puppe, der Sennentuntschi, doch um die Figur ragen sich im Dorf düstere Gerüchte. Und tatsächlich scheint die Tuntschi bald zu unheilvollem Leben zu erwachen und nicht nur die drei Senner zu bedrohen…

Die Inspiration für die „schwarze Serie“, die mit einer zwischenzeitlichen Unterbrechung von einigen Jahren nun wieder sehr regelmäßig bei Maritim erscheint, kommt aus ganz unterschiedlichen Ecken: Klassische Gruselliteratur, aber auch eher unbekannte Geschichten und nun sogar eine alte Schweizer Sage: „Die Sennenpuppe“ geht als 15. Episode mal wieder neue Wege und bringt eine ganz eigene Ausstrahlung mit sich. Dabei wird die Ruhe und die Abgeschiedenheit der Umgebung, aber auch die ganz eigene Stimmung zwischen den Ziegenbauern im Sommer gekonnt dargestellt. Den Anfang macht jedoch ein gelungenes Intro mit einigen Satzfetzen aus dem weiteren Verlauf, sodass man diesen schon ein wenig erahnen kann. Das tut der Spannung jedoch keinen Abbruch, eher im Gegenteil wird dadurch die Neugier auf das kommende aufgeheizt. Danach wird das Kennenlernen der drei Männer thematisiert, was das Tempo zwar etwas aus der Folge nimmt, aber eine interessante Gruppendynamik offenbart und zudem wichtige Eckpfeiler der kommenden Handlung setzt. Kurz vor der Hälfte der Laufzeit taucht dann aber die Sennentuntschi höchstpersönlich auf, die Episode nimmt dann eine deutliche Wendung und wird sehr düster, temporeich und dramatisch erzählt. Toll, wie dynamisch hier erzählt wird, wie leise Bedrohung und schreckliche Momente sich abwechseln und was für eine ungewöhnliche Titelfigur entstanden ist.

Matti Klemm ist in der Rolle des Köbi Winzeler sehr gut aufgehoben, sein anfänglich lockeres und sympathisches Auftreten wandelt sich bald gemeinsam mit dem Spannungsverlauf des Hörspiels, sodass er den Schrecken der Geschichte gekonnt aufgreift. Alois Gratler wird von Wolf Frass locker und burschikos gesprochen, sodass eine sympathische Figur entsteht, doch auch er zeigt glaubhaft andere Facetten, wird überheblicher und verletzender, was die Wirkung der Handlung gekonnt unterstützen. Das Trio der drei Senner wird von Tom Raczko ergänzt, der leider nicht in Top-Form scheint und oft etwas hölzern wirkt, sodass einige Szenen nicht so recht zur Geltung kommen wollen. Weitere Sprecher sind Alexander Turrek, Björn Schalla und Lutz Mackensy.

Die Stimmung der Schweizer Alpen wurde gekonnt eingefangen, Im Mittelpunkt der akustischen Umsetzung steht aber natürlich die Betonung der unheimlichen Momente. Dies wird mit viel Musik erreicht, die nicht nur während der Szenenübergänge eingesetzt wird, aber auch eine Vielzahl an unterschiedlichen Geräuschen sorgt für eine dichte Stimmung. Und bereits das Intro mit den Sprachfetzen und der melodischen Untermalung wirkt sehr stimmungsvoll.

Obwohl nur wenige und meist nur düstere Farben verwendet wurden, ist das Titelbild der Episode sehr detailreich geraten, sodass man bei längerer Betrachtung immer neue Feinheiten entdecken kann. Die Kulisse der eigentlich so idyllischen Schweizer Alpen bekommt durch die dunkle Gestaltung, den finsteren Wald und das tobende Gewitter aber einen intensiven und unheimlichen Ausdruck – sehr gelungen. Wie immer beschränkt sich das Innere auf die wichtigsten Angaben und enthält keine zusätzlichen Informationen.

Fazit: „Die Sennenpuppe“ überzeugt mit der ungewöhnlichen und unheimlichen Titelfigur, deren Entstehung, Legende und Wüten der Hörer auf sehr unterhaltsame Weise präsentiert bekommt. Die Handlung ist dynamisch und zeigt eine reizvolle Gruppendynamik im Kleinen wie in einer ganzen Dorfgemeinschaft, was dem packenden Grusel noch eine andere Ebene hinzufügt. Schön, dass die Stimmung dabei so greifbar geraten ist.

VÖ: 24. Juli 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662761

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