Sherlock Holmes Chronicles – 80. Der grüne Dunst



Kurz vor der Schließung des Grünen Gewölbes in Dresden beobachtet der Kunststudent Friedrich Metz den aufsteigenden Rauch, als er auf einen fremden Mann trifft, der ihn zum Ausgang begleitet. Gemeinsam beobachten sie kurz darauf ein Polizeiaufgebot, das auf sie zustürmt und sie eines Diebstahls bezichtigt, bei dem ein Wachtmann getötet wurde. Überraschenderweise will der fremde Mann, ein skandinavischer Musiker, den Fall selbst aufklären und baut dabei auf die Unterstützung von Metz…

Vier Kurzgeschichten wurden in der Sherlock-Holmes-Anthologie „Die Farben des Verbrechens“ veröffentlicht, zwei davon wurden bereits zuvor für die „Sherlock Holmes Chronicles“ adaptiert und als eigenständige Episoden veröffentlicht. Die 80. Folge der regulären Serie enthält nun gleich beide noch fehlenden Geschichten, wobei „Der grüne Dunst“ zwar die kürzere ist, der Folge dennoch ihren Namen gibt – das beiliegende Booklet gibt trotz einiger Tippfehler Aufschluss darüber, warum das so ist. Die Handlung spielt während der Zeit nach dem legendären Sturz von den Reichenbachfällen und dem Wiederauftauchen des Detektivs in London, also während er undercover in Europa unterwegs waren. Das bedeutet auch, dass Watson nicht mit von der Partie ist, der junge Kunststudent Friedrich Melz lernt Holmes‘ Alias in einer für beide prekären Situation kennen, was beide auf ungewöhnliche Weise zusammenschweißt und für eine reizvolle Chemie zwischen beiden sorgt. Schön, dass der Fall dabei mithalten kann und einen scheinbar gewöhnlichen Diebstahl mit einigen überraschenden Elementen erweitert. Der Verlauf ist flüssig und das Thema aufgrund aktueller Ereignisse natürlich besonders reizvoll. „Das blaue Licht“ ist als Bonus-Hörspiel gekennzeichnet und explizit mit dem Label „Sherlock Holmes Phantastik“ versehen, enthält also übernatürliche Elemente, die sich ja in den Augen einiger per se nicht mit der logischen Herangehensweise von Holmes und seinem Autor vertragen. Umso fairer also, dass der Hinweis so deutlich gegeben wurde. Dennoch gefällt mir auch diese Geschichte gut, da die Stimmung sehr dicht ist und einige sehr unheimliche Szenen vorhanden sind.

Tim Knauer ist in der Rolle des Metz nicht nur in vielen Dialogen zu hören, sondern übernimmt auch die Erzähltexte – beides wirkt nicht nur authentisch und sehr passend, er verleiht ihm auch einige interessante Facetten und einen markanten Klang. Santiago Ziesmers Stimme ist natürlich auch hier unverkennbar, sie nimmt aber eine ernstere und geerdetere Ausstrahlung an und passt mit seinem sehr treffenden Ausdruck sehr gut in das Ambiente des Hörspiels. Als Addleton überzeugt Detlef Bierstedt, indem er sehr agil spricht, eine starke Aura besitzt und viele Feinheiten aus dem Charakter herauskitzelt. Weitere Sprecher sind Boris Tessmann, Torsten Sense und Werner Wilkening.

Viele der eingebauten Melodien sind bereits aus den vorigen Episoden bekannt und verleihen der Serie Wiederkennungswert, sind aber auch dezent genug, um sich stimmig einzufügen. Natürlich gibt es aber auch einige neue Melodien, die gut auf die jeweilige Stimmung angepasst sind und die Szenerie lebendig wirken lassen. Die Geräuschkulisse ist zurückhaltend, aber vielfältig und sehr gut auf die Dialoge angepasst, die dadurch eine glaubhafte Ausstrahlung bekommen.

Auf dem Cover werden die unheimlichen Aspekte der Handlung betont, denn der titelgebende grüne Dunst bildet hier die Konturen eines Totenschädels. Das diffuse Licht und die vielfältigen Formen unterstreichen dabei die besondere Ausstrahlung des Titelbilds. Der Aufdruck, dass das Bonushörspiel aus der Phantastik-Reihe ebenfalls auf der CD vorhanden ist, überdeckt zwar keine wesentlichen Teile der Darstellung, im Inneren ist dennoch wie immer das Motiv in seiner ganzen Pracht zu sehen.

Fazit: Zwei Episoden mit satten 87 Minuten Laufzeit – und obwohl beide aus der gleichen Buchvorlage stammen, unterscheiden sie sich deutlich. Nicht nur, dass in der zweiten Geschichte übernatürliche Elemente vorhanden sind, auch Rhythmik und Grundsätze sind variabel. Beiden gemein ist jedoch eine flüssige und spannende Erzählweise mit einigen gelungenen Wendungen und dem Fokus auf einer dichten Stimmung.

VÖ: 6. November 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662402

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