Inspector Lestrade – 10. Der Atem des Drachen



Gemeinsam mit seiner Gattin besucht Inspector Lestrade ein Fest seiner Gemeinde, auf der eine entsetzliche Tat geschieht: Rowland Blanche wird vor aller Augen von seiner eigenen Tochter Nian erschossen, die sich dann auch noch selbst richten will. Die Lestrades sind zudem persönlich betroffen, da Mrs. Lestrade eng mit Nians Mutter befreundet ist und von einigen seltsamen Verhaltensweisen von Nian weiß. Umso verbissener beginnt der Inspector mit seinen Ermittlungen…

Das erste kleine Jubiläum hat „Inspector Lestrade“, die Krimiserie von Regisseur Gerd Naumann, nun mit „Der Atem des Drachen“ hinter sich gebracht: Die zehnte Episode der Hörspielreihe ist in nicht einmal drei Jahren erschienen – und das, obwohl die Serie ursprünglich nur auf wenige Episoden angelegt war. Diese Episode zeigt aber einmal mehr, dass die Fortführung eine sehr gute Idee war und noch Potenzial in der Serie steckt. Wieder wurde ein komplett neuer Ansatz für die Handlung gefunden, wieder gibt es einige undurchsichtige Geheimnisse und wieder setzt sich am Ende alles anders zusammen als man es zunächst vermutet hätte. Doch auch der Beginn ist schon bemerkenswert: Die Szene um die öffentliche Hinrichtung ist sehr intensiv geraten und fängt vor allem den Schrecken und die Panik, die bei den Besuchern entsteht, gekonnt ein, aber auch die Beschreibung der fremden Stimmen in Nians Kopf sind sehr eindringlich geraten. Autor Andreas Masuth hat dabei zu einem gelungenen Kniff gegriffen und das Tagebuch der jungen Frau als Beweismittel eingebaut, sodass man Nians Gedanken und den Verfall ihrer Psyche hautnah miterleben kann. Der Verlauf ist aber auch abgesehen davon sehr spannend und mit vielen aufregenden Momenten versehen, obwohl der Verlauf wieder eher ruhig geraten ist – die Spannung zieht sich hier nicht aus aufgesetzten Actionszenen, sondern aus neuen Erkenntnissen und Wendungen. Schön, dass auch diese Episode wieder so überzeugend geraten ist.

Luisa Wietzorek ist wohl die ideale Besetzung von Nian Blanch, die psychischen Beeinträchtigungen des jungen Mädchens gibt sie mit ihrer hellen, zerbrechlichen Stimme sehr gekonnt wieder und sorgt so für einige sehr intensive Momente. Ihre Mutter Georgina wird von Marion Elskis gesprochen, die ebenfalls viel Energie in ihre Auftritte legt und diese gekonnt kanalisiert, um eine dynamische und überzeugende Sprechweise abzuliefern. Jörg Hengstler fügt dem Hörspiel als Dr. Thomas Lovell noch einige weitere Facetten hinzu und spricht mit ausdrucksstarker Stimme. Weitere Sprecher sind Peter Flechtner, Jürgen Thormann und Sabine Arnhold.

Wieder eher zurückhaltend ist die Umsetzung des Hörspiels geraten, dennoch sind die einzelnen akustischen Elemente sehr gekonnt aufeinander abgestimmt und fügen sich zu einer gelungenen Kulisse für das Hörspiel. Mal heult leise der Wind im Hintergrund, dann wird das lebendige Kirchenfest mit Stimmgewirr im Hintergrund hinterlegt, dann werden die Handlungen der Charaktere akustisch hervorgehoben. Die Musik ist individuell auf das Hörspiel zugeschnitten und sorgt für einige gelungene Stimmungen.

Chinesisches Flair wird auf dem Cover vermittelt. Neben dem farbprächtigen Hintergrund mit einer bemalten Stoffbahn sorgen dafür insbesondere die drei Männer in traditionell anmutender Kluft, markanter Bewaffnung und einem langen Schnurrbart. Neben den üblichen Angaben zur Produktion sind im Inneren ansonsten noch Hinweise auf andere Produktionen aus dem Serienuniversum von Inspector Lestrade zu finden.

Fazit: Bereits der Anfang ist packend, der Verlauf mit der langsamen Aufklärung des familiären Dramas lässt dabei nicht nach und führt zu einem überraschenden, überzeugenden Ende. Garniert wurde das mit chinesischem Flair und psychischer Krankheit, was sehr intensiv geraten ist. „Der Atem des Drachen“ überzeugt auch durch seinen unkonventionellen Verlauf, was mir sehr gefallen hat.

VÖ: 23. Oktober 2020
Label: Allscore
Bestellnummer: 9783864735363

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