Sherlock Holmes Chronicles – Sonderedition: Das Todesvirus



Um eine aggressive Form der Tuberkulos zu untersuchen, ist der deutsche Medizinprofessor Droste nach London gereist und die Theorie aufgestellt, dass Viren für den Ausbruch verantwortlich seien. Und obwohl Dr. John Watson nicht an die Existenz der Krankheitserreger glaubt und von bakteriellen Erkrankungen ausgeht, unterstützt er Sherlock Holmes bei seinen Ermittlungen. Denn auf den unsympathischen Wissenschaftler wurde ein Anschlag verübt, den der Meisterdetektiv aufklären soll…

Kaum ein Lebensbereich ist im Jahr 2020 nicht von dem Corona-Virus betroffen – kein Wunder, dass dieses Thema auch von Kunstschaffenden immer öfter aufgegriffen wird. Im Hörspielbereich hat WinterZeit noch im gleichen Jahr eine Sonderedition zu den „Sherlock Holmes Chronicles“ veröffentlicht, die sich zwar aus nachvollziehbaren Gründen nicht mit dem aktuell grassierenden Virus beschäftigt, aber eben mit einer anderen todbringenden Krankheit – und der Frage, die zu den fiktiven Lebzeiten des Meisterdetektivs noch ungeklärt war: Existieren Viren wirklich oder sind sie Spinnerei einiger Wissenschaftler? Kombiniert damit wurde ein Anschlag auf einen führenden Forscher zu diesem Thema – der ironischerweise Droste mit Nachnamen heißt und aus Berlin kommt. Die Erzählweise des Hörspiels ist sehr ruhig und basiert vor allem auf langen Gesprächen zwischen Holmes und Watson, die die Hinweise rekapitulieren und ihre Rückschlüsse ziehen, immer wieder unterbrochen von Dialogen mit Zeugen und Verdächtigen, sodass sich langsam ein komplettes Bild zusammensetzt – vom Tathergang, aber auch von der seltsamen Krankheit, die in London aufgetaucht ist. Die Auflösung geschieht dann auf die klassischste aller möglichen Arten für einen Kriminalfall: Alle bislang Beteiligten versammeln sich auf Holmes‘ Einladung hin, was dem Detektiv die Möglichkeit gibt, alle Einzelheiten zusammenzuführen und den Täter zu entlarven – mit einigen Überraschungen und Wendungen. Ein wenig mehr Schwung hätte ich mir insgesamt schon gewünscht, auch ist der Fall überraschend ernsthaft und bietet nur wenige humorvolle Stellen. Die historische Einordnung mit einigen realen Fakten, das interessante Konstrukt und der klassische Verlauf machen dennoch Spaß und sorgen für ein unterhaltsames Hörspiel mit aktuellem Bezug – und das, obwohl die Idee zur Folge schon lange existiert hat und betont wird, dass es sich hier um reine Fiktion ohne politische oder medizinische Aussage handelt.

Kim Hasper ist in der Rolle des arroganten und überheblichen Professor Droste zu hören, den er energisch spricht und mit vielen passenden Facetten versieht, sodass eine komplexe und vielschichtige Figur entstanden ist, die der Episode viel Würze verleiht. Als Brewster ist Oliver Stritzel zu hören, auch verleiht seinem Charakter einige Eigenheiten, die für Aufmerksamkeit sorgen und einen überzeugenden Eindruck hinterlassen. Sehr gut harmonieren wieder die beiden Hauptfiguren dank der hervorragenden Leistung von Till Hagen und Tom Jacobs, die erneut sehr authentisch und spontan wirken, beide Figuren kommen durch sie gut zur Geltung. Weitere Sprecher sind Jannick Endemann, Cathleen Gawlich und Esra Vural.

Einige der eingebauten Melodien sind schon aus vorigen Teilen der Serie bekannt, werden hier aber passend eingesetzt und durch viele neue Musikstücke ergänzt, die der Episode eine starke Ausstrahlung verleihen und die Szenenübergänge und Erzähltexte lebendiger wirken lassen. Natürlich sind auch wieder einige Geräusche eingebaut, die den Szenen mehr Tiefe verleihen, insgesamt ist aber eine eher ruhige Umsetzung entstanden, die gut zu der Handlung passen und diese gekonnt unterstreichen.

Eine stark abstrahierte und künstlerische Darstellung einer Viruszelle ist auf dem Titelbild des Hörspiels dargestellt, dass wie immer in einer der hübschen Plastikhüllen mit den abgerundeten Ecken untergebracht ist. Die gelb-rötliche Darstellung wirkt tatsächlich bedrohlich und passt so sehr gut zu der Aussage des Hörspiels. Das Grußwort im Inneren des Booklets von Markus Winter ist dieses Mal besonders groß geraten, indem er die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie auf das Label WinterZeit beschreibt, aber auch die Identität von Autor James A. Brett enthüllt (und dabei ein wenig wie ein Superschurke wirkt, der seinem Gegenspieler seinen teuflischen Plan offenbart).

Fazit: Das aktuelle Thema eines Virusausbruch im viktorianischen London wurde mit einem interessanten Fall versehen, in dem nach und nach einige Geheimnisse gelüftet werden – größtenteils in Dialogen zwischen Holmes und Watson nebst einigen Zeugenbefragungen. Ein wenig mehr Schwung hätte ich mir schon gewünscht, das Tempo ist insgesamt recht gering. Dafür gibt es viel klassischen Charme und eine vielschichtige Auflösung.

VÖ: 11. Dezember 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960665113

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