Die schwarze Serie – 16. Die schwarze Spinne



Auch nachdem der Ritter Hans von Stoffeln durch die Bauern der umliegenden Höfe eine ganze Burg hat erbauen lassen, gibt er keine Ruhe – nun sollen sie innerhalb eines Monats ausgewachsene Buchen für einen Hain auf dem Gelände errichten. Gerade während der Erntezeit nicht zu schaffen. Doch ein geheimnisvoller grüner Jäger bieten ihnen einen Pakt an: Er erledigt die Arbeit für die Bauern, verlangt dafür aber einen schrecklichen Preis – ein ungetauftes Kind…

Für die 16. Episode der Gruselreihe „Die schwarze Serie“ hat sich Sebastian Pobot von Maritim einen Klassiker der deutschsprachigen Literatur ausgewählt: „Die schwarze Spinne“ von Jeremias Gotthelf. Angesiedelt im mittelalterlichen Deutschland kommt dabei noch einmal eine andere Stimmung auf an in anderen Episoden der Handlung, was insbesondere zu Beginn mit dem fordernden und arroganten Ritter Hans von Stoffel die damalige Gesellschaftsstruktur erklärt. Schon bald kommt es aber zu dem ersten Treffen mit dem grünen Jäger und damit zu den ersten unheimlichen Momenten, was im weiteren Verlauf immer weiter ausgebaut wird. Die Handlung konzentriert sich dabei auf einige wenige Momente, die dann aber von entscheidender Tragweite sind und in denen die Charaktere ihre Wirkung entfalten können. Der Spannungsbogen ist eher ungewöhnlich – zu Anfang gibt es einen Knall, der im Laufe der Zeit allerdings immer wieder abebbt und sich nur stellenweise wieder steigert. Das ist der Vorlage geschuldet, und aus dieser wurden dann schon viele Teile entfernt und sich nur auf die wesentlichen unheimlichen Aspekte konzentriert. Vollkommen überzeugt hat mich das Hörspiel nicht, dazu ist die Umsetzung manchmal allzu plakativ, zumal der Schrecken nur wenig von der titelgebenden schwarzen Spinne ausgeht, sondern eher von dem grünen Jäger und den Entscheidungen von Christine. Unterhaltsam und hörenswert ist es dennoch geraten.

Yvonne Greitzke ist in der Rolle der Christine zu hören und klingt zu Beginn kess, herausfordernd und selbstbewusst, legt diese Attitüde aber immer weiter ab und zeichnet so den Spannungsbogen der Handlung nach, setzt ihre Stimme dabei sehr kraftvoll und geschickt ein. Als grüner Jäger ist Dietmar Wunder zu hören, der in seinen kurzen Auftritten für viel Eindruck sorgt, düster und machtvoll klingt, wodurch er für viele unheimliche Momente sorgt. Peter Kirchberger ist in der Rolle des Hans von Stoffeln zu hören, sein aufgeblasenes Auftreten und die dominante Art sind sehr glaubhaft geraten und passen sehr gut in das Ambiente der Episode. Weitere Sprecher sind Uve Teschner, Helmut Krauss und Ingrid Stein.

Akustisch wird gut auf das mittelalterliche Ambiente eingegangen, ein paar passende Musikstücke sorgen für das entsprechende Flair, natürlich werden aber die unheimlichen Elemente des Hörspiels besonders betont. Dabei werden unheimliche Melodien mit dräuendem Klang und opulente, markante Orchesterklänge mit zahlreichen Geräuschen kombiniert. Auch ruhigere Momente sind vorhanden, eine passende Untermalung gibt es dabei durchgängig.

Wieder ist das Titelbild der Serie in erdigen Tönen gehalten und vermittelt so direkt eine düstere, unheimliche Stimmung. Zu sehen das das Dorf der Bauern mit der hoch auf einem Berg thronenden Burg, während im Zentrum eine riesenhafte Spinne durch die Straßen streift. Der Schriftzug mit den antik wirkenden Lettern passt wunderbar dazu. Die Gestaltung des Inneren ist sehr schlicht geraten, enthält aber alle wesentlichen Informationen.

Fazit: „Die schwarze Spinne“ ist weniger eine originalgetreue Umsetzung der Geschichte von Jeremias Gotthelf, sondern pickt sich die wesentlichen gruseligen Elemente heraus und setzt diese kraftvoll und prägnant um. Der Schrecken der schwarzen Spinne tritt dabei etwas in den Hintergrund, die markanten Ereignisse stehen dabei mehr im Vordergrund und sorgen für eine unterhaltsame Handlung.

VÖ: 11. Dezember 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662778

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