Midnight Tales – 24. Noir



Lou Garreau taucht unvermittelt im Garten von Familie Baines auf und fragt nach dem Familienvater, der jedoch vor einigen Jahren verstorben ist. Doch bevor er gehen kann, rettet der Landstreicher Marjorie, die Tochter der Baines, vor einem allzu aufdringlichen Verehrer und wird danach freundlich zum Essen eingeladen. Doch die Geheimnisse, die bei Tisch unausgesprochen bleiben, sorgen noch für Ärger…

In seinen „Midnight Tales“ konzentriert sich Christoph Piasecki gern auf das Wesentliche und erzählt kurze, knackige Geschichten aus ganz verschiedenen Genres. Die 24. Episode ist eine Mystery-Episode mit einigen interessanten Einschlägen. So ist die Szenerie gerade zu Beginn sehr undurchschaubar, der geheimnisvolle Besuch des Stadtstreichers gibt zunächst einige Rätsel auf. Und auch die anderen Charaktere verbergen zunächst etwas, was der Hörer deutlich zu spüren bekommt, die Richtung aber lange Zeit nicht einschätzen kann. Erst nach etwa einer halben Stunde Laufzeit ist klar, worum es im Kern geht, die restlichen Minuten der Laufzeit von 40 Minuten werden genutzt, um ein dramatisches Ende zu inszenieren und einige weitere Überraschungen zutage zu befördern. Gut gefällt mir auch, dass hier auf zwei Ebenen erzählt wird, einerseits der Besuch Lous bei den Baines, andererseits ein Verhör, bei dem es nicht gerade zimperlich zugeht. Beides ergänzt sich sehr gelungen und sorgt für eine dichte Stimmung, die die gesamte Laufzeit über gehalten werden kann – und selbst noch ganz am Ende eine schreckliche Wendung für einen der Charaktere parat hat. Eine weitere hörenswerte Episode mit einer abgeschlossenen Geschichte, die mit einigen Wendungen punktet.

Lutz Mackensy ist ein hervorragender Sprecher für die Rolle es Lou Garreau und verleiht seiner Stimme einen geheimnisvollen Klang, der eine mysteriöse Aura um seinen Charakter schafft und dennoch eine vielschichtige Figur schafft. Rieke Werner klingt als Marjorie Baines aufgeweckt, neugierig und vorlaut, dabei spricht sie absolut spontan wirkend und mit viel Energie ausgestattet, sodass die Jugendliche sehr authentisch klingt. Michael Che-Koch hat mit Dennis Copperman eine weitere interessante Figur geschaffen und passt sehr gut in das rätselhafte Ambiente der Geschichte. Weitere Sprecher sind Anja Gräfenstein und Andreas Sartorius.

Akustisch hat Christoph Piasecki von Contendo Media eine stimmige Szenerie geschaffen und setzt dabei vor allem auf einen orchestralen Soundtrack, der sich düster und unheilvoll um die Szenen legt. Aber auch die Geräuschkulisse ist passend und vielseitig geraten, sodass die Dialoge lebendiger und die Kulisse authentischer wirkt. Die insgesamt ruhige Umsetzung passt gut zur Handlung und unterstreicht die rätselhafte Grundstimmung.

Trotz der lediglich digitalen Veröffentlichung wurde auch für dieses Hörspiel ein Titelbild geschaffen, das einen Mann zeigt, der an einen Stuhl gefesselt in einem kahlen Raum sitzt. Während der Hintergrund grünlich schimmert und mit einer recht grobkörnigen Optik sehr individuell wirkt, ist der Mann völlig schwarz, lediglich die Augen leuchten rot. Ein durchaus ansprechendes Titelbild und gut auf die Episode abgestimmt.

Fazit: „Noir“ verbreitet von Anfang an eine rätselhafte Stimmung, die im Laufe der Zeit immer unheimlichere Momente parat hält. Die Kombination aus zwei verschiedenen Handlungssträngen ergänzt sich gelungen, so wie auch Thema und Verlauf der gut gelungen sind. Viele Wendungen sorgen für immer neue Überraschungen, sodass eine starke Episode der Serie geraten ist, die die Vorteile der kurz erzählten Geschichten geschickt ausnutzt.

VÖ: 4. September 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621181

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