Midnight Tales – 27. Tote neue Welt 3/4



Zwar hat das ehemalige Forschungsteam Lanzarote verlassen und das Festland erreichen können, doch neben den bestialischen Vögeln lauern noch andere Gefahren auf Jacqueline und ihre Gefährten. Denn Diego und sein Bruder Eugenio nehmen sie in die Gewalt, nur Jacqueline ist auf sich allein gestellt – in der zerstörten Welt eigentlich ein sicherer Tod. Doch den anderen ergeht es nicht viel besser, und nicht jeder wird unbeschadet aus der Situation herauskommen…

Der Oktober 2020 steht bei Contendo Media ganz im Zeichen von „Tote neue Welt“, einem Vierteiler in der wöchentlich erscheinenden Serie „Midnight Tales“. Die vier zusammenhängenden Episoden bauen erstmals aufeinander auf, sodass die Handlung in der 27. Folge schon recht weit fortgeschritten ist. Nachdem in der vorigen Episode bereits die ersten schockierenden Ereignisse auf dem spanischen Festland thematisiert wurden, geht der Schrecken für die Gruppe der überlebenden Menschen nahtlos weiter, geht aber erstmals von anderen Menschen aus statt von den aggressiven Vögeln. Das sorgt direkt für mehr Druck, obwohl auch noch viel Raum für andere Bedrohungen bleibt. Wieder ist die Entwicklung eher langsam, sodass die einzelnen Elemente sehr gut zur Geltung kommen – Jacqueline bleibt beispielsweise die Zeit, in Audionachrichten an ihre Nichte die Ereignisse zu rekapitulieren. Gut gefällt mir, dass auch die zwischenmenschlichen Töne nicht zu kurz kommen und die Handlung doch noch einmal in eine andere Richtung führt und ein ungewöhnliches, mal wieder schockierendes Ende geboten wird, das definitiv Lust auf das kommende Finale der Geschichte macht.

Matthias Keller ist in der Rolle des Diego zu hören, sein harter und unnachgiebiger Klang passt gut zu dem skrupellosen Mann, er verleiht ihm eine düstere und bedrohliche Aura, die viel Würze in die Handlung mit einbringt. Stephanie Kirchberger lässt ihre ganze Erfahrung als Sprecherin einfließen, um der Rolle der Jacqueline noch weitere Facetten hinzuzufügen und die markante Stimmung der Episode lebendig wirken zu lassen. Sophie, die Nichte von Jacqueline, wird von Rieke Werner gesprochen, die mit viel Energie und kindlichem Trotz eine überzeugende Szene erschafft und dabei sehr authentisch klingt. Weitere Sprecher sind Vera Bunk, Yvonne Greitzke und Jacob Weigert.

Der dynamische Verlauf der Handlung wird durch die akustische Gestaltung gekonnt unterstützt, mal sind leise wabernde Hintergrundmelodien zu hören, dann wieder temporeiche Stücke, die die Dramatik unterstützen. Die Geräusche sind treffend eingebaut und hinterlassen einen vielseitigen Eindruck, wobei das Kreischen der Vögel wieder besonders viel Ausdruck vermittelt. Doch auch die anderen Sounds untermalen die Dialoge auf überzeugende Weise.

Die fünf Mitglieder der isolierten Forschungsgruppe sind hier erstmals gemeinsam auf dem Cover zu sehen – als schwarze Silhouetten, die von einer weiteren Person mit einer Pistole bedroht werden. Das stilisierte rote Fadenkreuz, das auf diese Szenerie gerichtet ist, passt gut zu dieser bedrohlichen Stimmung. Wieder wurde mit wenigen Mitteln ein stimmiges und ansehnliches Titelbild geschaffen – und das, obwohl die Folge wie ihre Vorgänger zu digital erscheint.

Fazit: Der Fokus wird hier noch mehr darauf gelenkt, was die apokalyptische Situation auf der Erde mit den Menschen macht – nicht nur mit den Hauptfiguren. Einige dramatische Entwicklungen, die wie immer bedrohliche Stimmung und eine langsame, ausdrucksstarke Erzählweise machen auch den dritten Teil hörenswert, zumal einige unerwartete Überraschungen eingebaut wurden.

VÖ: 16. Oktober 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621228

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