Insel-Krimi – 14. Pellworms kleine Leichen



Antonia ist nicht nur genervt, wenn man sie nicht bei ihrem Spitznamen Toni ruft, sondern auch von dem Familienurlaub auf der kleinen Insel Pellworm. Besonders, dass sie ihr Smartphone vergessen hat und das ihres besserwisserischen Bruders Kai mitbenutzen muss. Doch als sie kurz nach ihrer Ankunft erfährt, dass ein Junge vermisst wird, ist ihr Interesse geweckt. Als mit einigen Nachforschungen beginnt, gerät sie aber bald selbst ins Visier skrupelloser Verbrecher…

Pellworm gehört nicht unbedingt zu den bekanntesten norddeutschen Inseln, als Schauplatz für die 14. Episode der „Insel-Krimi“-Reihe von Contendo Media wurde sie dennoch ausgewählt. Das sorgt dafür, dass wieder viel gemütlicher norddeutscher Charme herübergebracht wird, auch die Erzählweise der Handlung ist eher gemächlich und lässt die Ereignisse sich nicht gerade überschlagen. An sich kein Problem, besonders da auch einige Szenen aus dem Familienleben für Aufsehen und Unterhaltung sorgen. Doch leider werden auch einige Selbstverständlichkeiten, die sich der Hörer leicht zusammenreimen kann, recht ausführlich dargeboten, was zu einigen eher langwierigen Momenten führt. Und ähnliches gilt leider auch für die Geschichte an sich: Der Täter kann schon früh erahnt werden, etwas zu offensichtlich wurden die Spuren gelegt, fast ein wenig schluderig. Die Episode hat dennoch ein paar Spannungsmomente, wenn die Charaktere in ernsthafter Gefahr sind, und auch ein paar unerwartete Überraschungen sind gegen Ende noch eingebaut, sodass die Folge stark abschließt. Insgesamt eine solide und hörenswerte Episode, aus der jedoch noch mehr hätte herausgeholt werden können.

Ilka Körting ist in der Rolle der Antonia zu hören, ihre abweisende Art passt wunderbar zu dem genervten Teenager. Aber auch ihre Wandlung im Laufe des Hörspiels wird gekonnt dargeboten und bringt einen glaubhaften Eindruck ein. Als Jannes ist Bert Stevens zu hören, dessen angenehm gealterte Stimme sehr gut in die Szenerie passt, er hinterlässt einen sympathischen Eindruck und bringt die Rolle glaubhaft herüber. Auch Alexandra Lange hat mir als Dorothea gut gefallen, ihre gutmütige Art bringt noch einmal eine eigene Note mit ein, zumal sie viele Facetten der Figur mit einbringt. Weitere Sprecher sind Dagmar Dreke, Jakob Bremer und Mathias Bauer.

Ganz im Stil der Serie ist die akustische Gestaltung schlicht, aber treffend. Markant sind besonders die Naturgeräusche an der Küste mit Wellenrauschen oder dem Kreischen der Möwen, aber auch ansonsten ist eine passende Geräuschkulisse geschaffen worden. Die Musik während der Szenenübergänge ist nordisch angehaucht und bringt so viel Flair mit ein, sorgt an den richtigen Stellen aber auch für zusätzliche Spannung.

Ein blutiger Turnschuh auf einem umgestürzten Baumstamm, im Hintergrund die Wellen der Nordsee – das Titelbild der Episode ist schlicht, aber sehr passend geraten und weckt das Interesse des Hörers. Ergänzt mit den schlichten Schriftzügen und dem stilisierten Leuchtturm als Logo ist so ein ansehnliches Cover entstanden, während das Innere wie immer schlicht geraten ist, aber alle wichtigen Informationen enthält.

Fazit: „Pellworms kleine Leichen“ ist zwar schnell zu durchschauen und für meinen Geschmack einen Tacken zu langsam erzählt, kann aber auch mit einem gut konstruierten Verbrechen, sympathischen Charakteren und einigen Wendungen am Ende punkten. Die norddeutsche Stimmung kommt dabei erneut wieder gut zur Geltung und bringt ein bisschen Urlaubsflair mit sich – sofern man Camping mag.

VÖ: 4. September 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620108

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