Midnight Tales - 26. Tote neue Welt 2/4



Nachdem Jacqueline Arendt nur knapp dem Angriff der aggressiven Vögel entkommen konnte, entscheidet sie, dass ihr Kopf verbunden werden muss, um ihre Augen zu schonen. Nur mit der Hilfe der anderen Mitglieder des Experiments kann sie sich danach auf Lanzarote bewegen, doch die Straßen sind wie leergefegt. Nur einen einsamen Mann treffen die fünf bei ihren Streifzügen: Alberto, der gemeinsam mit seiner Frau als einziger Überlebender einer schrecklichen Katastrophe auf der Insel verblieben ist…

Ganze vier Folgen der digital erhältlichen Hörspiel-Serie „Midnight Tales“ erzählen eine zusammenhängende Geschichte, der zweite Teil von „Tote neue Welt“ in der 26. Episode der Serie gibt dabei mehr von der Welt preis, in die sich die Erde innerhalb der drei Jahre des Experiments verwandelt hat. Auch wenn der Hörer hiervon bereits eine grobe Ahnung bekommen hat, werden hier gelungene Feinheiten eingebaut, die die ganze Szenerie aufheizen und mit vielen Details ausschmücken. Die Stimmung ist dabei fast durchgängig ruhig, aber sehr bedrohlich und bringt die dystopische Fantasie gut zur Geltung. Die Ereignisse entwickeln sich langsam, sodass viel Zeit für zwischenmenschliche Feinheiten bleibt. Das gilt nicht nur für die Gruppendynamik innerhalb der Forschergruppe, sondern auch für Alberto, der mit seinem persönlichen Schicksal überrascht und für einige sehr emotionale Momente sorgt. Erzählerisch clever ist auch der Trick mit der ihrem Augenlicht beraubte Jacqueline, denn dadurch müssen ihre Mitmenschen ihr einiges beschreiben, sodass auch der Hörer einen genauen Eindruck der Umgebung bekommen, ohne dass es aufgesetzt wirken würde oder ein externer Erzähler notwendig ist. Die Steigerung gegenüber der ersten Episode ist deutlich spürbar, da eben doch mehr passiert und die Stimmung dichter und bedrohlicher ist.

Vera Bunk ist wie bereits in der Vorgängerfolge als Rebecca Jepsen zu hören und bringt die kühle, abweisende Stimmung der Figur gut zur Geltung, wirkt durch ihre Genervtheit aber auch ein wenig eindimensional und kann nicht immer vollkommen authentisch klingen. Jacob Weigert ist als Tilo Prebe überzeugend und setzt seine dunkle Stimme vielseitig ein, sodass der Spannungsbogen der Episode unterstrichen wird. Bodo Wolf ist als Alberto als Gastsprecher dabei und setzt die Figur mit einer passenden Attitüde um und verstärkt so gekonnt die Wirkung der Geschichte. Weitere Sprecher sind Stephanie Kirchberger, Markus Raab und Bastian Sierich.

Die Produktion der Folge ist vielseitig geraten und präsentiert eine gekonnte Mischung aus einem orchestralen, bedrohlichen Soundtrack und zahlreichen Geräuschen. Neben dem nahezu omnipräsenten Krächzen der Raben, das für viele unheimliche Momente sorgt, sind noch viele weitere passende Sounds eingebaut, die die Szenerie lebendiger wirken lassen. Das ist abwechslungsreich und stimmungsvoll geraten, ohne zu dick aufzutragen.

Auch an diesem Cover ist die Steigerung des Designs der Serie zu erkennen, wobei die grobkörnige Optik für einen individuellen Eindruck sorgt. Zu sehen ist ein großes Segelschiff auf offenem Meer, wobei sowohl der Blick über als auch unter den Wasserspiegel sehenswert geraten ist. Die kühle Farbgebung erschafft eine gelungene Stimmung, ebenso wie die rauen, eckigen Formen, die genutzt wurden.

Fazit: Die gute halbe Stunde Laufzeit ist angefüllt von einigen intensiven Momenten und langsam erzählten, aber gelungenen Entwicklungen, die viel Platz für interessante Zwischentöne lassen, anstatt nur eine actionreiche Handlung zu erzählen. Immer wird auch erzählt, was die veränderte Welt mit den Menschen macht, sodass eine merkliche Steigerung zur ersten Episode zu bemerken ist.

VÖ: 9. Oktober 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621211

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