Midnight Tales – 25. Tote neue Welt 1/4



Eine Gruppe aus fünf Forschern, Ärzten und Vertretern der Medien begibt sich in eine Station auf Lanzarote, teilweise unter der Erde gelegen und völlig von der Außenwelt abgeschottet. So sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie in späteren Generationen Menschen bei der Besiedelung des Mars zusammenleben können. Kurz bevor sie sich in die Isolation begeben, verhalten sich die Vögel auf der Erde äußerst seltsam – und verändern das Leben der Menschheit nachhaltig…

Während bislang in den „Midnight Tales“, der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Download-Hörspielserie von Contendo Media, in sich abgeschlossene Geschichten erzählt wurden, ist zur 25. Episode eine Neuerung eingeführt worden: Erstmals bauen vier Teile aufeinander auf und präsentieren eine zusammenhängende Handlung. Der Start konzentriert sich hier zunächst auf das soziale Experiment mit den fünf auf sich gestellten Personen, die Beziehungen untereinander werden dabei genau ausgeleuchtet – zum Start des Projekts mit einigen Interviews, bevor ein Zeitsprung zum Ende der fünfjährigen Abschottung bereits für eine deutliche Verschärfung der Szenerie sorgt. Und immer schon werden einige unheilvolle Anmerkungen zu dem seltsamen Verhalten der Vögel gemacht, was teils bedrohlich, teils aber auch äußerst brutal geraten ist. Da kommt vielen sicherlich ein bestimmter Film in den Sinn, woraus aber auch kein Hehl gemacht wird – sogar ein direkter Kommentar und eine kleine Filmkritik sind dabei eingebaut. Insgesamt hält sich dieser erste Teil aber noch etwas zurück, der Hörer bekommt kein umfassendes Bild, sondern eher einen Teaser geboten. Dass hier nur der Auftakt geboten wird, war von vornherein klar, doch nach nicht einmal einer halben Stunde reiner Spielzeit (ohne das lange Outro) hätte ich schon etwas mehr erwartet. Das Interesse an den kommenden Folgen des Vierteilers wurde dennoch geweckt.

Stephanie Kirchberger spricht die Rolle der Jacqueline Arendt sehr überzeugend und vielseitig, sie kann sowohl nüchterne wie emotionale Momente erzeugen und wirkt dabei immer sehr authentisch, was die Ärztin lebendig wirken lässt. Als Sebastian Bahrens, der das Projekt medial begleitet, ist Bastian Sierich zu hören, der einen sympathischen und offenen Eindruck hinterlässt, aber auch die Dramatik der Handlung unterstützt. Markus Raab spricht Jens Wiggeshof, einen weiteren Teilnehmer des Experiments, der eine markante Stimme hat und diese abwechslungsreich gestaltet, er passt sich dabei gekonnt den verschiedenen Szenerien an. Weitere Sprecher sind Vera Bunk, Jacob Weigert und Yvonne Gerling.

Die akustische Gestaltung des Hörspiels ist umfangreich geraten, auch während der eigentlich eher ruhigen Eingangsszenen ist durchgängig dramatische und unheimliche Musik zu hören. Das sorgt zwar gleich für eine dichte Stimmung, wirkt aber auch etwas zu dick aufgetragen. Insgesamt wirkt das Ganze aber stimmig, besonders da auch die Geräuschkulisse sorgsam auf die Handlung angepasst wurde und einen futuristischen Eindruck hinterlässt.

Der leicht körnige Look des Covers, der auch schon bei einigen vorigen Episoden zum Einsatz gekommen ist, passt auch sehr gut zu diesem Titelbild. Die stilisierten Formen der Forschungsstation mit ihrem silbernen Schimmer heben sich von der öden Landschaft ab, wobei auch der Vogelschwarm und der türkisgrüne Himmel gut dazu abgestimmt wurden. Das ist einfach, aber sehr effektiv geraten passt gut zur Stimmung des Hörspiels.

Fazit: Die Idee des sozialen Experiments ist gelungen eingeführt, sorgt für sich allein aber eher für ein paar kleine Dramen als für einen Gruselfaktor. Dieser geht von dem Verhalten der Vögel aus, was hier aber nur in wenigen Szenen vorkommt. So bleiben Überraschungen oder Wendungen in der Handlung aus, der Druck auf die Charaktere ist noch nicht sonderlich ausgeprägt. Die gelungene Grundidee hat hier also noch nicht ihr vollständiges Potenzial ausgeschöpft.

VÖ: 2. Oktober 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621204

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