John Sinclair – SE14. Die Blutorgel



Wegen eines ausgefallenen Fluges und einem Lastwagenunfall müssen John Sinclair und Suko einen weiten Umweg durch die US-amerikanische Landschaft nehmen. Und so landen sie in dem kleinen Ort Pine Bluff und stoßen auf eine Tankstelle, in der Blutspuren und ein demoliertes Auto ihre Aufmerksamkeit erregen. Sie ahnen noch nicht, welchen Schrecken die Familie Tyler nur kurz zuvor eben dort erlebt hat, als unheimliche Orgelklänge durch die Gegen schallten…

Auf den Tag genau 20 Jahre nach dem Erscheinen der ersten „John Sinclair“-Episode bei Lübbe Audio hat das Label eine Sonderedition veröffentlicht, um dieses besondere Jubiläum zu feiern. Die Serie hat in Sachen Klang, Dramaturgie und Sounddesign sicherlich neue Maßstäbe gesetzt und zahllose aktuelle Produktionen beeinflusst – umso interessanter, dass gerade in dieser Folge mit dem vermehrten Einsatz einer Orgel an die erste Umsetzung der Serie erinnert wird – passend zum Titel „Die Blutorgel“. Im Mittelpunkt steht jedoch nicht der Geisterjäger an sich, sondern die Erlebnisse von Familie Tyler, die in der Kleinstadt stranden und dort einige schaurige Erlebnisse haben. Das baut sich langsam auf, da aber schnell die ersten unheimlichen Momente aufkommen und immer neue Rätsel eingebaut sind, sind Spannung und Stimmung direkt sehr dicht geraten. Immer dichter und düsterer wird die Geschichte, immer bedrohlicher die Szenerie, was sich auch mit dem Auftauchen von John SInclair und Suko nicht ändert – auch wenn dann mehr Tempo in die Handlung kommt. Mir gefällt, dass die Handlung einige Wege geht, die ich so nicht vorhergesehen habe und die für die Serie eher untypisch sind. Eine überzeugende Episode mit einigen markanten Szenen und einer sehr verdichteten Stimmung, die mir sehr gut gefallen hat.

Die Besetzung der Episode gefällt mir sehr gut, einige eher unbekannte Stimmen bringen Abwechslung mit sich, aber auch einige alt eingesessene Stimmen sind zu hören. Beispielsweise die wunderbare Dagmar Dreke, die in der Rolle der Sarah Porter mit ihrer ausdrucksstarken Stimme für einige gelungene Momente sorgt und sehr gut zur Atmosphäre der Episode passt. Jonas Minthe hat mir als Victor Tyler ebenfalls sehr gut gefallen, den ebenso genervten wie besorgten Familienvater spricht er mit sehr dynamischer Ausdrucksweise und zeichnet dabei den Spannungsbogen der Handlung an. Carmen-Maja Antoni überzeugt mich als unheimliche Wirtin Elizabeth Crane vollkommen, sie klingt durchgängig bedrohlich, hinterhältig und unheimlich, was eine sehr ausdrucksstarke Figur entstehen lässt. Weitere Sprecher sind Toini Ruhnke, Piet Rose und Michael von Rospatt.

Die Rückkehr der 70er-Jahre-Orgel darf sicherlich als kleine Reminiszenz an die erste Hörspielversion des Geisterjäger verstanden werden, was für viele nostalgische Momente sorgt. Dennoch gefällt es mir gut, dass eben auch viele modernere Elemente eingebunden sind und die Musik dann für wahren Grusel sorgt. Die Geräuschkulisse ist ebenso auf den Punkt gebracht, es gibt einige sehr gelungene Schockmomente und eine sehr gelungene Begleitung der Handlung, was insgesamt sehr stimmig wirkt.

Lübbe Audio hat auch dieser Sonderedition einen hübschen Pappschuber verpasst, der ganz im Design dieser Specials mit einem allein schwarz-gelben Titelbild geziert wird. Die titelgebende Blutorgel ist darauf zu sehen und wird von einem dämonischen Teufel gespielt. Hübsch ist auch die Prägung des Serientitels, der sich leicht vom Rest abhebt. Im Inneren gibt es gleich zwei Großworte, um das Jubiläum der Serie zu würdigen.

Fazit: Die Sonderfolge konzentriert sich zunächst stark auf die Erlebnisse der Familie Tyler, sodass die bekannten Hauptfiguren erst spät eingreifen. Die Stimmung der Erzählung ist dabei sehr dicht und bedrohlich, zudem gespickt von aussagekräftigen Momenten und reizvollen Figuren. Später kommt mehr Tempo auf, was aber glücklicherweise der Atmosphäre nicht schadet. Eine sehr gelungene Sonderedition, die mir sehr gut gefallen hat.

VÖ: 30. Oktober 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785757802

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