Johnny Sinclair – 7. Die Gräfin mit dem eiskalten Händchen 1/3



Johnny Sinclair freut sich riesig, dass er für einen Winterurlaub auf das Schloss Tattenberg eingeladen wurde – eigentlich um das 500 Jubiläum der Burg zu feiern, er freut sich aber auch auf lange Snowboardtouren im Schnee. Neben seinem Freund Russell Moore kommt aber auch der sprechende Schädel Erasmus von Rothenburg mit – und das ist auch bitter notwendig, denn seine Expertise in übernatürlichen Dingen wird schon bald gefragt…

Während andere Hörspielserien bei ihren Kinderversionen ihrer Jugend- und Erwachsenenhörspielen meist einfach auf eine jüngere Version ihrer Charaktere setzen, sind Sebastian Breidbach und Dennis Ehrhardt für die Folgenreich-Serie „Johnny Sinclair“ einen anderen Weg gegangen: Der junge Geisterjäger ist ein Fan seines erwachsenen Pendant, ist aber völlig eigenständig angelegt. Dabei erzählen immer drei Folgen eine zusammenhängende Geschichte, die siebte Episode der Serie bildet also den Auftakt zu „Die Gräfin mit dem eiskalten Händchen“. Dabei ist Johnny Sinclair als Geisterjäger erstmals nicht auf dem heimischen Schloss unterwegs, sondern unternimmt eine Reise nach Österreich, wo ihn eine weitere übernatürliche Erscheinung erwartet. Diese lässt aber erst einmal einige Zeit auf sich warten, erst einmal werden ausführlich die Rahmenumstände des Dreiteilers geklärt: Die Fahrt nach Österreich, wie der missgelaunte Erasmus an den Kontrollen im Flughafen vorbeikommt, die Ankunft im Schloss bei Johnnys Onkel… Das ist alles nicht uninteressant, bringt aber noch keinen rechten Schwung in die Geschichte – zumal das erste Auftauchen der Geistererscheinung ein wenig zu unspektakulär geraten ist und kaum für die Serie geraten ist. Erst ab etwa der Hälfte der 46 Minuten Laufzeit kommt mehr Tempo auf, und dann wird die Szenerie und die Geschichte auch gut ausgekostet. Schön ist, dass noch einmal eine andere Seite von Geistern gezeigt wird als in den vorigen Teilen und der Humor mal wieder nicht zu kurz kommt – in flotten Sprüchen oder leicht exzentrischen Figuren. Auch die leichte Entwicklung der Rahmenhandlung, beispielsweise durch die immer bekanntere Geisterjägeragentur, ist stimmig eingebaut, sodass ein insgesamt rundes Hörspiel entstanden ist, bei dem aber auch noch Entwicklungspotenzial nach oben in Sachen Spannung vorhanden ist…

Wolf Frass ist natürlich wieder als übellauniger Erasmus von Rothenburg zu hören und übernimmt neben den Dialogen auch die Erzähltexte, beides wird durch seinen bissigen Humor und die bestens dazu passende Attitüde mit der markanten Betonung sehr gekonnt durch ihn dargeboten. Als Albert von Tattenberg, den Besitzer der Burg, wird von Heinz Trixner herrlich exzentrisch und leicht tattrig gesprochen, der charmante österreichische Akzent trägt ebenfalls viel zur positiven Ausstrahlung der Figur bei. Octavian Willixhofer spricht die Rolle des Anton solide, hätte an einigen Stellen aber ruhig noch etwas mehr Energie in seine Stimme legen können. Weitere Sprecher sind Manuel Sefciuc, Ela Nitzsche und Erik Schäffler.

Ich mag die Atmosphäre, die mit der akustischen Gestaltung des Hörspiels erzeugt wird. Sie ist sehr dynamisch angelegt und sorgt für fröhliche, vorweihnachtliche Stimmung ebenso sehr wir für unheimliche und gruselige Momente – beides gut auf die Bedürfnisse der jungen Zuhörer zugeschnitten und sehr sauber produziert. Der Einsatz von Musik ist für ein Kinderhörspiel recht hoch, aber nicht im Übermaß eingesetzt und ist gut auf die Dialoge und die Geräusche abgestimmt.

Russel und Johnny scheinen auf dem Cover wie erstarrt, als sie bei einem Spaziergang im verschneiten Wald auf die Geistergräfin treffen. Ihre Darstellung ist mystisch und gruselig, die dunkle Beleuchtung und der Schein der Taschenlampe passen gut dazu. Die restliche Gestaltung ist in den gleichen dunklen Blautönen gehalten, enthält neben viel Werbung aber auch die wichtigsten Informationen zur Produktion wie die komplette Liste der Sprecher.

Fazit: Über weite Teile dieser ersten Episode der neuen Geschichte steht eine lockere Feriengeschichte im Vordergrund, was die unheimlichen und gruseligen Momente deutlich in den Hintergrund setzt – schade, denn so geht viel von der Einzigartigkeit der Serie verloren. Hier hätte ich mir mehr Tempo gewünscht, was erst gegen Ende der Folge so richtig zur Geltung kommt.

VÖ: 3. April 2020
Label: Folgenreich
Bestellnummer: 0602508397493

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