Irene Adler – 5. Schlag auf Schlag



Johnny Briggs, ein Bühnenarbeiter in Covent Garden, soll eine Störung im Stromkreis beheben und begegnet dabei einer geheimnisvollen Dame, die er nicht überleben sollte. Auch wenn alles für Außenstehende wie ein Unfall aussieht, glaubt Irene Adler nicht daran und beginnt mit ihren Ermittlungen – nicht ahnend, dass sie bald mitten in einem Konflikt der beiden Erfinder George Westinghouse und Thomas Edison landen würde…

Nach einigen Außeneinsätzen von Irene Adler, auf die sie von Mycroft Holmes geschickt wurde, ermittelt sie im fünften Fall der gleichnamigen Serie im heimischen London, und zwar genau dort, wo sie auch ansonsten viel Zeit verbringt: Im Umfeld eines Theaters. Doch noch ein weiteres starkes Motiv wurde der Geschichte beigefügt, da das Opfer mit einem Stromschlag getötet wurde in die zu diesen Zeiten noch neu genutzte elektrische Energie während der gesamten Handlung eine wichtige Rolle spielt. Das ist clever gewählt und bringt nicht nur die Stimmung zu Beginn der Industrialisierung gekonnt herüber, sondern bringt dem Hörer auch einige geschichtliche Fakten näher – beispielsweise den damals noch nicht entschiedenen Konflikt zwischen der Nutzung von Gleich- und Wechselstrom. Nach einer geheimnisvollen Introszene um den Tod des Bühnenarbeiters geht es zunächst mit recht klassisch wirkenden Ermittlungsszenen weiter, die bekannten Figuren werden dabei noch ausführlicher beleuchtet und ihre Rolle in der Serie immer klarer. Später wird dann aber auch der Gegenspieler der Geschichte näher vorgestellt, was eine übernatürliche Komponente einbringt und durchaus an moderne Superschurken erinnert – ein ungewöhnliches, aber gelungenes Element, das der Serie einen interessanten Aspekt hinzufügt. Auch wenn die Handlung insgesamt etwas mehr Tempo vertragen hätte, kann „Schlag auf Schlag“ mit seinem interessanten Setting überzeugen.

Michael Pans unverkennbare Stimme nimmt hier einen noch quäkenderen Ausdruck als Mister Wu an, wobei er auch den asiatischen Akzent des Sonderermittlers mit charmanter Wirkung einsetzt und so die Lacher auf seiner Seite hat. Magdalena Höfners Auftritt ist ebenfalls wieder sehr gelungen, ihre vielseitige Stimme nimmt ganz unterschiedliche Färbungen ein und sorgt so immer wieder für einen neuen Ausdruck ihrer Figur. Sebastian Fitzner ist in einer Nebenrolle als Danny Doyle zu hören, er spricht den Obermaschinisten mit gelungenem Ausdruck und glaubhaftem Auftreten, sodass seine Szenen überzeugend wirken. Weitere Sprecher sind Tammo Kaulbarsch, Andrea Aust und Dorothea Loft.

Das Strom-Thema wird auch in der akustischen Gestaltung der Folge gelungen angewendet, so ist in manchen Dialogen ein leises Surren im Hintergrund zu hören und schlägt im passenden Moment um. Auch ansonsten wirkt alles stimmig, die ruhige und klassische Musik im Hintergrund sorgt für eine melancholische und geheimnisvolle Grundstimmung, die anderen Geräusche sorgen für einen lebendigen Ausdruck der Dialoge.

Die geheimnisvolle Fremde mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten ist auf dem Titelbild der Episode sehr gelungen dargestellt, die Collage Strommasten, elektrischen Blitzen und den übermäßig vergrößerten Händen und Gesicht der Dame wirken in der grünlichen Szenerie besonders effektvoll. Gemeinsam mit den vielen feinen Ornamenten ergibt sich so ein ansehnliches Cover, welches bestens zur Stimmung der Episode passt.

Fazit: Etwas langsam erzählt ist „Schlag auf Schlag“ zwar schon, die 67 Minuten Laufzeit hätten noch etwas mehr zusammengestaucht werden können. Doch die Kombination von Theateratmosphäre, klassischen Krimielementen und einem übernatürlichen Gegenspieler bringen viele hörenswerte Aspekte mit ein, die der Serie neue Facetten hinzufügen.

VÖ: 28. August 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823450

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