Sherlock & Watson: Neues aus der Bakerstreet – 6. Die Crumply-Morde



Fünf Jahre nach dem Tod von Sherlock Holmes wird ein Enthüllungsbuch über den bekannten Detektiv veröffentlicht, in dem Irene Adler von Drogen und Missbrauch des Einfluss seines Bruders Mycroft thematisiert, insbesondere aber die Behauptung aufstellt, er habe die gelösten Fälle selbst begangen, um sein Ansehen zu steigern. Seitdem zieht sich John Watson immer mehr zurück und kommt kaum noch gegen das Echo auf seinem Blog an. Dennoch gibt er nicht auf und rollt einen alten Fall noch einmal auf…

Fünf Jahre ist es her, dass die Hörspielserie „Sherlock & Watson“ um eine moderne Version des bekannten Detektivgespanns die bis dato letzte geplante Episode veröffentlicht hat. Nun ist die sechste Episode erschienen, in der die Handlung nach dem Tod Sherlocks ebenfalls fünf Jahre vergangen sind. So widmet sich der Start von „Die Crumply-Morde“ auch der Aufarbeitung der Zwischenzeit und konzentriert sich dabei auf Watsons Umgang mit dem Tod seines Freundes und der medialen Aufbereitung seines Lebens. In einer Rückblende wird dann aber ein Fall dargestellt, den Homes und Watson noch gemeinsam gelöst haben. Einige Motive wurden dabei dem klassischen Arthur Conan Doyle-Fall „Das Zeichen der Vier“ entnommen, aber völlig neu zusammengesetzt und in einen neuen Kontext gebracht. Der Aufbau des Falles ist von Anfang a recht spannend, schnell wird der Hörer an die Geschichte herangeführt und mit ersten Informationen versorgt. So ist das Interesse schnell geweckt, aber auch danach geht es mit steigender Spannungskurve weiter. So wird es auch für die Ermittler brisant und gefährlich, es gibt eine sehr packende Auflösung, in der es um die Sicherheit des gesamten englischen Königreichs geht, die aber auch noch Platz für zahlreiche Überraschungen bereit hält. Das ist heftig und wirkt sehr real, weckt Erinnerungen an einige schreckliche Medienberichte und unterstreicht einmal mehr, wie gut der Transport in die heutige Zeit geraten ist. Die geänderte Rahmenhandlung mit dem thematisierten Tod der Hauptfigur und ein spannender Fall mit aktuellen Themen sorgen für eine sehr gelungene Produktion der Reihe, die etwas weniger Wert auf die Social Media-Atmosphäre legt und neue Schwerpunkte setzt.

Florian Lukas ist der Serie treu geblieben und schlüpft erneut in die Rolle des John Watson und kann hier besonders in den Szenen in der heutigen Zeit mit sehr genauem und intensivem Gefühlsausdruck überzeugt und dabei nicht nur die Dialoge, sondern auch die Erzähltexte lebendig vertont. Auch Johann von Bülow ist in dem Fall wieder als Sherlock Holmes im Einsatz, er bringt die scharfsinnige, oft schroff wirkende Figur gekonnt zur Geltung und lässt so einen schillernden und markanten Ermittler entstehen. Udo Schenk setzt seine ausdrucksstarke Stimme wieder gekonnt ein und passt sich sehr gut an die vorherrschende Atmosphäre an, fügt aber auch einige eigene Facetten mit ein und prägt so den Ausdruck seiner Figur. Weitere Sprecher sind Stefan Kaminski, Fritzi Haberland und Peter Jordan.

Der Stil der erste n Episoden hat sich auch in der akustischen Umsetzung nicht wesentlich geändert, immer noch sind besonders die typischen Geräusche der modernen Zeit zu hören: Das Klingeln des Smartphones, die verzerrten Stimmen des Polizeifunks, ein belebter Pub oder das Quietschen eines Autoreifens. Im Gegensatz dazu ist die Musik sehr klassisch angelegt, Streichinstrumente oder ein leises Klavier begleiten häufig die Dialoge oder gestalten die Erzähltexte atmosphärischer. Aufwendig und dicht, eine sehr gelungene Produktion!

Für das Titelbild wurde – wie bereits bei den ersten Episoden der Serie - auf eine Fotografie der beiden Hauptsprecher, die typische Merkmale ihrer Rollencharaktere aufweisen. Der düstere und bläuliche Hintergrund mit dem Glockenturm Big Bens sorgt für eine gelungene Atmosphäre, die gut zu dem modernen Ausdruck der Serie passt.

Fazit: Die Rückkehr der Serie ist sehr gelungen geraten – nicht nur, weil die geänderte Rahmenhandlung einige emotionale Momente bietet und den Umgang mit sozialen Medien auf einem ganz anderen Level hinterfragt als bisher, sondern auch weil ein sehr spannender Fall entstanden ist. Dieser entwickelt sich konsequent weiter und birgt einige Gefahren und Überraschungen, sodass für eine durchgängig aufgeheizte Atmosphäre gesorgt ist. Da auch die akustische Gestaltung mit der Verbindung von klassischer Musik und modernen Geräuschen reizvoll ist und die Sprecher eindringlich agieren, gefällt mir „Die Crumply-Morde“ sehr gut.

VÖ: 23. Oktober 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742417091

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