Irene Adler – 4. Sankt Petersburg Express



Mycroft Holmes hat für Irene Adler einen umjubelten Auftritt in einem renommierten Opernhaus in Sankt Petersburg verschafft – nicht ohne Hintergedanken. Sein Besuch in ihrer Garderobe bringt Klarheit: Die Geheimermittlerin der englischen Krone soll das Verschwinden wertvoller Goldbarren aufklären, die mit dem Zug nach London transportiert werden sollten. Doch dieser ist spurlos verschwunden, obwohl nur wenige Menschen wissen, welch kostbare Fracht transportiert wurde…

„Irene Adler“ kommt in der nach ihr benannten Krimiserie von Maritim im Umfeld des „Zirkel der Sieben“ in der Weltgeschichte viel herum – nach einem Ausflug nach Italien wurde für die vierte Episode das winterliche Russland als Schauplatz ausgewählt. Beziehungen zwischen dem russischen Zaren und der englischen Krone sowie ein damit verbundener Goldtransport sind der Aufhänger für die Episode, der Schauplatz ist über weite Teile auf den namengebenden „Sankt Petersburg Express“ beschränkt. Das führt zu einigen recht langen Dialogen, bereits die Introszene mit der Hauptfigur und Mycroft Holmes als ihr Auftraggeber ist zwar unterhaltsam, aber auch etwas zu ausführlich geraten. Auch, dass die opernsingende Detektivin einen Großteil der am Fall beteiligten Menschen in ziemlich kompakter Weise kennenlernt, wirkt ein wenig konstruiert. Im weiteren Verlauf kommen dann kürzere und spannendere, aber auch witzige Szenen auf, die das Geschehen deutlich unterhaltsamer gestalten, sodass nach etwa einer Viertelstunde mehr Tempo aufkommt. Viele kleine Details und Nebenarme sind in die Handlung eingebaut, die deswegen recht komplex geraten ist und Aufmerksamkeit vom Hörer fordert, dafür aber auch ein paar interessante Aspekte einbaut. Nicht immer wirkt die verwendete Sprache vollkommen authentisch, auch ansonsten haben sich ein paar Ungereimtheiten eingeschlichen, hörenswert ist „Sankt Petersburg Express“ dennoch.

Yvonne Greitzkes Auftritt als Irene Adler gefällt mir auch hier wieder sehr gut, sie spricht spitzzüngig und aufgeweckt, passt sich aber auch gekonnt den verschiedenen Stimmungen der Handlung an, sodass sie verschiedene Facetten der Figur einbaut. Als Musa Khan ist Gordon Piedesack zu hören, dessen Stimme sehr gut in das Ambiente der Episode passt und standfest wie immer klingt, sodass ein weiterer vielschichtiger Charakter entsteht. Wilhelm Gödecke wird von Torsten Michaelis gesprochen, der ebenfalls viel Energie mit einbringt und in seinen Szenen viel Eindruck hinterlässt. Weitere Sprecher sind Marcel Colle, Tetje Mierendorf und Eckart Dux.

Akustisch wird wieder eine dichte und geheimnisvolle Stimmung geschaffen, die mit vielen orchestralen Melodien und sehr gut auf die Dialoge abgestimmte Geräusche erzeugt wird. Mir gefällt die Dynamik, die dadurch erzeugt wird, sodass die verschiedenen Szenerien lebendig wirken. Allerdings hätte durchaus mehr russisches Flair eingebaut werden können, auf den Schauplatz wird nicht sonderlich eingegangen.

Auch dieses Titelbild ist in den typischen grünen Farben der anderen Titelbilder gehalten, das Motiv an sich zeigt den titelgebenden Sankt Petersburg Express in einer winterlichen Landschaft. Sehr gut gefällt mir, wie die viktorianische Dampflokomotive viel Stimmung der Zeit verbreitet. Die restliche Gestaltung ist – wie immer bei dem Label – schlicht gehalten, wobei die Sprecher der Episode erneut auf der Rückseite der Hülle zu finden sind.

Fazit: Die Reduktion auf nur wenige Schauplätze sorgt für einige Szenen, die etwas zu lang geraten sind, die Spannung ist durch das interessante Setting und ein wenig Hintergrundwissen über das russische Zarenreich zu Zeiten der angehenden Industrialisierung dennoch gegeben. Interessante Figuren und ein paar gelungene Wendungen sorgen für zusätzliche Stimmung, die stärkste Episode der Serie ist hier aber nicht entstanden.

VÖ: 15. Februar 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783962823290

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