Dorian Hunter – 43. Wien



Nur der Leichnam des Aztekenkönigs Apaualpa kann Michael Zamis von seiner Krankheit befreien, sodass er ihn in einem Sarg nach Wien einfliegen lässt. Nicht gerade zufällig verweilt auch Coco Zamis ebenfalls in der österreichischen Hauptstadt und gerät in immer größere Bedrängnis durch die Schwarze Familie, da sie ihre Schwangerschaft nicht mehr verbergen kann. Auch Dorian Hunter reist dorthin, um Klarheit über Cocos Absichten zu erlangen und kommt in einer unkonventionellen Wohngruppe unter…

Auch wenn „Dorian Hunter“ auf der gleichnamigen Heftromanserie beruht, haben sich Autor und Regisseur Dennis Ehrhardt und sein Team einige Freiheiten im Ablauf erlaubt und zusätzliche Handlungsstränge eingebaut. Einige davon laufen nun in der 43 Episode mit dem Titel „Wien“ zusammen, wobei dies gleichzeitig der Schauplatz der Geschichte ist. Dabei kommt sehr viel Lokalkolorit herüber, was nicht nur an den realen Örtlichkeiten liegt, die erwähnt werden, sondern auch an den Gastsprechern mit dem typischen Dialekt. Doch auch ansonsten kann die Episode mit vielen gelungenen Ideen und Überraschungen überzeugen und punktet mit der geschickten Erzählweise. Schon das Intro weckt auf besondere Seite das Interesse des Hörers: Der bekannte Einleitungstext von Dorian Hunter mit der Rekapitulation der wichtigsten Ereignisse wird mit einem ähnlich gelagerten Text von Coco Zamis verknüpft, was zunächst parallel zueinander läuft und dann auf einen gemeinsamen Nenner zusammenläuft – sehr clever. Und auch danach wird wieder zwischen verschiedenen Perspektiven und Zeiten hin- und hergewechselt, wobei immer nur so viele Informationen geboten werden, dass ein Maximum an Spannung erzeugt wird, während andere Aspekte lange im Dunkeln bleiben und so für einige Überraschungen sorgen. Das sorgt von Anfang an für viel Druck in der Handlung, der dann von einigen heiteren Szenen mit exzentrischen Charakteren aufgelockert wird. Wie dann alles zusammenläuft, ist ziemlich geschickt gelöst und sorgt für mehr Klarheit über einige Figuren – und setzt natürlich wieder die Grundlage für neue Handlungsstränge.

Claudia Urbschat-Mingues ist natürlich wieder in der Rolle der Coco Zamis zu hören und beweist einmal mehr, dass sie die Vielschichtigkeit des Charakters hervorragend mit ihrer Stimme ans Licht kehren kann und überzeugt mit feinen Facetten und hervorragend auf die Szenen angepassten Sprechweisen. Douglas Welbat ist als Michael Zamis im Einsatz, das mächtige Mitglied der Schwarzen Familie wird durch ihn ebenfalls sehr treffend umgesetzt und sorgt für intensive Momente. Octavian Willixhofer sorgt als Oskar Schorlau mit Humor und seiner lockeren Art für einige heitere Momente, wobei er lebendig und authentisch zu sprechen versteht, was durch seinen Wiener Akzent noch unterstrichen wird. Weitere Sprecher sind Fanny Krausz, Simone Fuith und Kathrin Beck.

Akustisch gehört die Serie schon seit einigen Jahren zu den überzeugendsten Produktionen auf dem aktuellen Hörspielmarkt. Die Düsternis der Folge ist dabei immer greifbar und wird besonders durch die dramatische, hervorragend abgestimmte Musik erzeugt, doch auch die prägnanten und klaren Geräusche in dynamisch eingesetzter Intensität tragen sehr zum Gelingen bei. Auffällig ist auch, dass sich die Macher nicht scheuen, Stimmgewirr und parallel laufende Dialoge zu erzeugen, was nicht nur realistisch hektisch wirkt, sondern auch ein eigenständiges Merkmal der Serie bildet.

Das Titelbild zu der Folge ist mal wieder äußerst gut gelungen und greift die Stimmung der Serie gekonnt auf. Ein dämonisches Gesicht, das in ein umgedrehtes Pentagramm integriert ist und von einem kahlen Winterwald umgeben. Gemeinsam mit den kühlen Farben wird so eine düstere Stimmung verbreitet. Im Inneren gibt es wieder einen lesenswerten Einleitungstext, der einmal mehr die Leidenschaft und die Detailverliebtheit des Produzententeams beweist.

Fazit: „Wien“ überzeugt nicht nur mit einer cleveren Erzählweise und einer düsteren Stimmung wie die anderen Episoden der Serie, sondern fügt mit Wien als Schauplatz und einigen gelungenen Elementen eine sehr individuelle Atmosphäre hinzu. Spannend erzählt und mit markanten Szenen versehen wird die über 75-minütige Produktion sehr kurzweilig und unterhaltsam.

VÖ: 2. Oktober 2020
Label: Zaubermond
Bestellnummer: 9783954267033

Datenschutzerklärung