Sherlock Holmes – Sammleredition 15



Selbst in seinem Urlaub will sich Sherlock Holmes lieber einem verzwickten Kriminalfall als langen Spaziergängen widmen. Da kommt ihm der Besuch des örtlichen Vikars nur recht, der ihn auf eine merkwürdige Gegebenheit hinweist: Zwei Männer haben über Nacht völlig den Verstand verloren, die Schwester sitzt tot daneben... (Der Teufelsfuß)
In ihrer Verzweiflung wendet sich die attraktive Miss Violet Smith an den Londoner Privatdetektiv Sherlock Holmes. Seit Wochen wird sie an einer gewissen Stelle ihres Arbeitsweges, den sie mit ihrem Fahrrad bestreitet, von einem Mann verfolgt. Dieser gibt sich aber nie zu erkennen... (Die einsame Radfahrerin)

Während sich die Zahl an neuen Fällen für eine der bekanntesten erdachten Figuren überhaupt in immer neue Höhen schwingt und der Privatdetektiv populär wie nie scheint, gibt es auch immer wieder einen Grund auf die Rückbesinnung, nämlich jene Folgen, die Sir Arthur Conan Doyle für den Helden seiner Geschichten erdacht hat. Die Rede ist natürlich von Sherlock Holmes, dessen Geschichten für Maritim vertont wurden und aktuell in Dreierboxen in überarbeiteter Fassung bei WinterZeit auf CD neu aufgelegt werden. Die 15. Box der Reihe enthält dementsprechend drei weitere Fälle, die allerdings nicht ganz chronologisch angeordnet sind – es gibt Folgentitel 36, 37 und 42.
Schon der Anfang des ersten Falles „Der Teufelsfuß“ ist herrlich, in dem Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson ein lustiges Streitgespräch führen, der teils bissige Humor zieht sich auch durch den Rest des Hörspiels und ist immer wieder für ein Schmunzeln gut. Der Fall an sich ist einer der besseren: Das Ausgangsszenario ist ziemlich rätselhaft und undurchsichtig, die Ermittlungen bauen logisch darauf auf. Bis zum Ende kann der Hörer miträtseln, was hinter der Fall steckt (sofern er die Geschichte noch nicht kennt). Ein besonderes Highlight ist die Szene, in der Sherlock Holmes fast selbst dem Wahnsinn verfällt - eine gelungene und beängstigende Szene.
In „Die einsame Radfahrerin“ muss zunächst Dr. Watson aus mangelndem Interesse seines Freundes ermitteln, was eine interessante Alternative ist. Recht unterhaltsam auch das anschließenden Gespräch mit Sherlock Holmes, in dem der Scharfsinn und die Wandlungsfähigkeit des Detektivs einmal mehr gezeigt wird. Der Rest des Falles ist solide Kost und fällt nicht sonderlich aus dem Rahmen: Die Ermittlungen sind kurzweilig, der Fall logisch aufgebaut und nachvollziehbar, das Ende bietet eine kleine Überraschung. Wirkliche Spannung will aber nicht ganz aufkommen, dazu ist die Geschichte doch etwas zu simpel gestrickt. Positiv zu erwähnen ist noch die Zusammenfassung von Dr. Watson, welche Strafen die Täter zu erwarten haben.
Auch in „Das Rätsel von Boscombe Valley“ sind die Ermittlungen spannend und logisch aufgebaut. Besonders gelungen ist wieder die Konzentration auf Details, die Sherlock Holmes schließlich zum richtigen Ergebnis führen. Auch, dass der Fall nicht gleich zu Anfang zu durchschauen ist, ist ein großer Vorteil und hält das Interesse beim Hörer groß. Ansonsten werden einige bekannte Motive aus den Werken um Holmes' eingebracht, allerdings gekonnt variiert und abwechslungsreich in die Handlung integriert.

Gelobt sei noch einmal die hervorragende Leistung von Christian Rode als Sherlock Holmes. Mit bissigem Humor und leicht überheblicher Stimmfarbe zeichnet er ein sehr genaues Bild seines Charakters, während er in der oben erwähnten Szene seine Wandelbarkeit beängstigend echt unter Beweis stellt. Die ideale Ergänzung für ihn ist wieder einmal Peter Groeger, der den Dr. Watson sehr gutmütig erscheinen lässt und mit Rode auf dem gleichen hohen Niveau steht. Gerade das Zusammenspiel der beiden funktioniert hervorragend, da sie sich gekonnt die Bälle zuspielen. Andreas von der Meden ist dieses mal als unsympathischer Fiesling Mr. Woodley zu hören und meistert auch diese Rolle mit der ihm eigenen Stimmfarbe. Weitere Sprecher sind Kai-Hendrik Möller, Sabine Bohlmann und Christian Toberentz.

Im typischen Sounddesign der Serie sind auch diese Folge gehalten. Das bedeutet einen wirklich großartigen Titelsong, der eine gute Einstimmung auf das Kommende bietet, besonders aber viele passende Geräusche und nur wenige, aber harmonisch eingebaute Musikstücke. Ein eher schlichter Klang, der jedoch gut zu der Geschichte passt. Die neuen Elemente der Überarbeitung durch Markus Winter fügen sich stimmig ein, der Klang der Dialoge ist ebenfalls sehr klar und deutlich.

Recht klobig wirkt die Box mit den drei CDs, bei dieser Art von Zweitverwertung der Hörspiele ist die reduzierte Aufmachung aber verständlich – zumal durch das Remastering ja zusätzliche Kosten entstanden sind. Die drei Originalcover sind hier auf dem Titelbild im Kleinformat abgedruckt, das von der typischen, dunkelgrünen Farbe der Serie dominiert wird. Leider liegt auch hier keine Übersicht aller Sprecher bei.

Fazit: Auch diese drei Fälle von Sherlock Holmes sind trickreich geschrieben und lebendig umgesetzt. Besonders die beiden Sprecher der Titelrollen spielen wieder den ganzen Charme der Figuren aus. Und wenn die Folgen auch nicht die spannendsten oder dramatischsten sind, punkten sie mit einer gelungenen Wendungen, einem gut erdachten Kniff oder einer überraschenden Aufösung.

VÖ: 30. April 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662921

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