Die unglaublich ultimative Ferienbande Anthologie



Bernd, früher genannt Beate, ist ein echter Draufgänger und stürzt sich kopfüber in jedes Abenteuer. Baul ist ein Superhirn und kann sich nicht nur alles merken, was er je gelesen hat, sondern auch allerlei technischen Schnickschnack bedienen. Bröckchen hat immer Hunger, hat aber ansonsten von kaum etwas einen Plan. Babsi ist ein Mädchen. Und trotz all ihrer Unterschiede sind die vier dicke Freunde und ermitteln in so manchem haarsträubenden Fall als „die Ferienbande“…

2003 hat sich das Duo aus Kai Schwind und Sven Buchholz eine ziemlich schräge Parodie auf die Jugenddetektivhörspiele ihrer Kindheit ausgedacht und ein Radio-Special mit dieser Idee produziert – mit unerwartet großem Anklang, sodass nach weiterer Radio-Comedy später auch einige Langfolgen entstanden sind. Und auch Live-Tourneen wurden veranstaltet und die Aufnahmen später ebenfalls veröffentlicht – und all dies gemeinsam wurde nun in der „unglaublich ultimativen Ferienbande Anthologie“ in einer schicken Box veröffentlicht, insgesamt 15 CDs mit teilweise unveröffentlichtem Material. Markenzeichen der Serie ist der wunderbar schräge Humor mit vielen wirklich pfiffigen Einfällen, aber manchmal eben auch einem Hang zum Albernen – beides gefällt mir äußerst gut. Das Medium Hörspiel an sich, die großen Vorbilder der 80er Jahre im Bereich Juniordetektiv, aber auch andere Themen der Popkultur werden beherzt verulkt und genüsslich auseinandergenommen. Allem haftet etwas leicht Chaotisches, Anarchisches an, selbst wenn das Sprecherteam perfekt aufeinander abgestimmt scheint. Und so ganz nebenbei werden Fälle erzählt, die es im Prinzip sogar mit einigen anderen Produktionen aufnehmen können, auch wenn er ohne den Witz, das Andersartige und das ganze Brimborium produziert worden wäre. Ab und an kommt dann auch ein Hauch unheimlicher Atmosphäre auf – natürlich nur, um gleich darauf wieder das reinste Hörspielchaos ausbrechen zu lassen. Die Charaktere sind dabei herrlich exzentrisch und markant, was sowohl für die vier Hauptcharaktere, den trotteligen Kommissar Tappert an ihrer Seite oder die vielen großartigen Nebenrollen gilt –unter ihnen zahlreiche Stereotypen der bekannten Vorlagen. Nicht jede Folge zündet sofort, doch der grandios derbe Humor, die unvermittelt gradlinige Sprache und die Respektlosigkeit, zwischen der jedoch immer die Liebe zu dem Verulkten hervorscheint sind in jeder der vorliegenden Hörstücke äußerst lobenswert.

Sven Buchholz ist beispielsweise in den Hauptrollen des Bend und Bröckchen zu hören (und vertut sich da auch mal...) und verleiht beiden ihren eigenen Charme, aber auch exzentrische Frauenrollen bringt er mit sehr viel Humor herüber. Kai Schwind, der unter anderem Baul spricht, legt eine ähnliche Stimmvielfalt an den Tag und bringt jede Menge Humor mit ein. Chris Peters spricht die Rolle der Babsi stets mit einer leicht quäkenden Stimme, bringt ihre Gags auf den Punkt und hat ein verlässliches Gespür für das richtige Timing. Doch auch die zahlreichen Gastsprecher machen ihre Sache hervorragend und bringen jede Menge Leben mit ein, unter ihnen auch sehr bekannte Namen wie Andreas Fröhlich, Andreas von der Meden, Konrad Halver und Gisela Fritsch.

Die Ferienbande hat es als etwas andere Hörspielserie nicht die Pflicht auf eine perfekte musikalische Inszenierung – und das wird ausgenutzt, um zusätzliche Gags auf Kosten anderer Hörspielserien zu machen. Da werden völlig unpassende Melodien eingebaut oder im Nachhinein als etwas ganz anderes ausgegeben, Geräusche unendlich wiederholt. Nichtsdestotrotz wird auch hier gezeigt, dass man eine lebendige und passende Atmosphäre erzeugen kann. In den drei Live-Episoden gehen zwangsläufig einige optische Gags verloren, doch auch hier passt die Geräuschkulisse wunderbar. Dass hier zusätzlich noch die Reaktionen des Publikums zu hören sind, sorgt für zusätzlichen Reiz.

Eine weiße, sehr stabile Pappbox mit Glanzüberzug und abnehmbaren Deckel ist als äußere Hülle gewählt worden und macht schon einmal ordentlich Eindruck, während im Inneren insgesamt elf ebenso hochwertige Digipacks vorhanden sind – jede mit dem Cover der ursprünglichen Veröffentlichung versehen und im Inneren mit Fotos, Tracklisten und Übersichten der Mitwirkenden gespickt. Doch da hört es noch nicht auf: Neben einem 34-minütigen Bonus-Video eines Live-Auftritts gibt es noch ein dickes Booklet mit zahlreichen Fotos und vielen Informationen über die Macher und die Produktion. Eine hervorragende Ausstattung, die richtig Eindruck schindet.

Fazit: 15 CDs mit deutlich über 1.200 Minuten Laufzeit voller Humor, Absurditäten, bösen Anspielungen, trockenen Sprüchen und verdrehter Albernheit – „Die Ferienbande“ ist auch so viele Jahre nach ihrem Entstehen noch ein Volltreffer und macht mir sehr viel Spaß. Dass hier eine komplette Sammlung erscheint, ist nicht nur für Sammler interessant, auch zum Einstieg in die Serie ist die dicke Box sehr geeignet. Und es lohnt sich, da hier mit viel Liebe zum Detail produziert, geschrieben und gespielt wurde.

VÖ: 31. August 2020
Label: WortArt
Bestellnummer: 9783837153729

Datenschutzerklärung