H.P. Lovecraft: Chroniken des Grauens – 3. Die namenlose Stadt



Vor Gericht muss sich Randolph Carter verantworten, da er mit dem Verschwinden seines Freundes Harley Warren in Verbindung zu stehen scheint. Während seiner Haft kann er in einem Bericht lesen, in dem eine archäologische Expedition eine scheinbar vergessene Stadt voller Gräber und Mausoleen entdeckt. Kaum kann er sich von der Erzählung lösen, fühlt er sich doch mit dem Verfasser des Berichtes auf merkwürdige Weise verbunden…

Für „Die Chroniken des Grauens“, die WinterZeit nach Geschichten und Motiven von Howard Phillips Lovecraft umsetzt, sind Staffeln zu je vier Episoden geplant, sodass sich mit „Die namenlose Stadt“ der erste Handlungsstrang langsam dem Ende zuneigt. Das merkt man der Handlung von „Die namenlose Stadt“ auch an, die sich in geordneteren Bahnen bewegt als noch seine beiden Vorgänger – was dem Hörer aber auch nur so vorkommen mag, da man die Grundhandlung mit den verschiedenen Zeitebenen schon etwas verinnerlichen und die Ereignisse somit besser zuordnen kann. Aber es gibt eben auch viele Zusammenhänge, die klarer werden und einen Blick auf das Gesamtbild werden lassen – zwar immer noch bruchstückhaft, eine gewisse Marschrichtung ist aber definitiv auszumachen. Neben den Entwicklungen im Randolph Carter und in der Gegenwart, die exklusiv für die Serie geschrieben wurden, gibt es aber auch Geschichten direkt von Lovecraft selbst, dieses Mal aus verschiedenen Gründen sogar gleich zwei Kurzgeschichten. Wieder sind diese so mit der Rahmenhandlung verbunden, dass dynamische Wechsel entstehen und sich die verschiedenen Stimmungen gekonnt ergänzen, sich aber eben auch alles gemeinsam weiterentwickelt. Insgesamt ist in diesem Teil aber der Erzähleranteil höher als gewohnt, was allerdings nicht minder für Spannung sorgt, weil gerade dadurch einige Zusammenhänge klarer werden. Toll ist besonders, wie sich die Geschichte immer weiter zuspitzt und am Ende zu einem furiosen Finale verschmilzt, das die Stimmung von Lovecraft um Irrsinn und unvorstellbarem Schrecken beeindruckend wiedergibt.

Erneut entpuppt sich Wolfgang Pampel als Erzähler der Serie als absoluter Glückgriff und fügt der düsteren Atmosphäre auch hier eine markante Wirkung hinzu, die auch bei längeren Passagen die Spannung nicht verliert und so einen gelungenen Rahmen für die Handlung bietet. Daniela Reidis ist in der Rolle von Hope zu hören, die als Archäologin an der Expedition teilnimmt. Sie setzt ihre Szenen sehr lebendig um und fügt dem Charakter gelungene Facetten hinzu, sorgt aber auch für effektvolle Momente, die den Gruselfaktor erhöhen. Stefan Krause spricht Harley mit einer gehörigen Portion Pathos und setzt die Rolle sehr markant und eindringlich um, auch er passt hervorragend in die düstere Szenerie der Serie. Weitere Sprecher sind Markus Pfeiffer, Marco Esser und Johannes Raspe.

Wie bereits die ersten beiden Teile der Serie setzt auch hier die Inszenierung neue Standards und verbindet die aufwendig produzierte, eindrucksvolle Musik sehr eng mit den Dialogen und Erzähltexten. Das sorgt für eine sehr dichte und eindringliche Atmosphäre, die durch eine lebendige Geräuschkulisse perfekt ergänzt wird. Die verschiedenen Szenerien werden so zum Leben erweckt und verleihen der Handlung mehr Tiefe und eine soghafte Wirkung.

Beeindruckend ist auch die Gestaltung des Covers geraten, das die titelgebende „namenlose Stadt“ von einem Vollmond beschienen mysteriös und geisterhaft wirken lässt. Die verwinkelten Häuser kommen in dem grünlichen Schimmer sehr gut zur Geltung und durch die ansehnliche restliche Gestaltung ergänzt. Das Booklet ist wieder sehr dick und gespickt mit zusätzlichen Informationen und zahlreichen Erklärungen von Markus Winter. Auch ein Blick auf die Cover der zweiten Staffel wird im Inneren gewährt.

Fazit: „Die namenlose Stadt“ nimmt nicht nur die bisherigen Fäden der Handlung auf und führt diese gekonnt weiter, sondern sorgt auch für mehr Klarheit in den Zusammenhängen, was die Spannung noch weiter steigert. Eingebunden ist dies in mehrere Handlungen, die jede für sich schon packend umgesetzt sind, in ihrer Andersartigkeit aber auch für viel Abwechslung und gelungene Wechselwirkungen sorgen. Weiterhin eine sehr hörenswerte Serie!

VÖ: 29.05.2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662860

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