Sherlock Holmes & Co – 54. Tod vor laufender Kamera



Die ersten Filmaufnahmen faszinieren die Bevölkerung noch immer, selbst wenn neben Alltagsaufnahmen nun auch Filme mit kleinen Geschichten produziert werden. Doch eine kurze Szene einer New Yorker Straße weckt die Aufmerksamkeit eines Zuschauers, der in dem Getümmel einen Mord zu entdecken glaubt. Doch auf dem Weg zur Polizei wird er ermordet. Professor van Dusen nimmt sich den Fall an und entdeckt Ungereimtheiten in der Vergangenheit des Ermordeten…

Professor van Dusen ist als „Denkmaschine“ seit Beginn der Krimi-Reihe „Sherlock Holmes & Co“ von Romantruhe Audio ein fester und durchgängiger Teil der Ermittlerriege, wobei sein exzentrischer Charakter und seine überhebliche Art mit der spitzen Zunge seine ganz eigene Stimmung mit einbringen. Auch die 54. Episode dreht sich um den hochintelligenten Hobbykriminologen, die Geschichte passt nicht nur gut zu der Figur, sondern ist auch eng mit dem Schauplatz New York verbunden. Mir gefällt, dass die Anfänge der Filmaufnahmen so gelungen thematisiert werden und die Aufregung für das neue Medium gerade zu Anfang eine gelungene Note mit einbringen. Die ersten Szenen drehen sich vor allem um den nahezu unbemerkten Mord auf den Filmaufnahmen und den Tod des Zuschauers, was ein solides Grundgerüst bildet und die ersten Spannungsbögen initiiert – schließlich müssen hier gleich zwei Morde aufgeklärt werden. Nach dem Umschwung auf Professor van Dusen und seinen Kumanen Hutchinson Hatch geht es nicht sonderlich temporeich weiter, die Handlung entwickelt sich aber durchgängig interessant und hörenswert weiter. Immer neue Zusammenhänge werden aufgedeckt, Vermutungen angestellt und zwischendurch kleine Spannungsmomente gesetzt, was die Episode sehr unterhaltsam wirken lässt. Die Hintergründe des Falles entpuppen sich dann als gut durchdacht und spannend aufbereitet, sodass auch ein gelungener Abschluss entstanden ist.

Babara Belmore, die Witwe des Ermordeten und Auftraggeberin für Professor van Dusen, wird von Barbara Aust gesprochen und legt viel Energie und Leidenschaft in ihre Stimme, was einen authentischen Eindruck hinterlässt und die bewegte Gefühlwelt der Dame gekonnt zur Geltung bringt. Bodo Wolf spricht Inspektor Mallory mit harscher und abweisender Stimme, betont die einzelnen Wörter gekonnt und schafft so einen markanten Eindruck des überforderten Ermittlers. Als Cardone hat mir Daniel Zillmann sehr gut gefallen, er passt sich sehr gekonnt den verschiedenen Szenen an und verleiht seiner Stimme dabei einen lebendigen Eindruck. Weitere Sprecher sind Peter Weis, Uve Teschner und Milton Welsh.

Die Umsetzung der Geschichte als Hörspiel ist insgesamt eher schlicht geraten, viele Dialoge werden nur von ein paar Geräuschen wie dem gelegentlichen Knarren eines Stuhles oder ein paar Schritten untermalt, andere Szenen sind aber auch lebendiger gestaltet. Die Musik ist recht vielfältig, bedient sich aber eher klassischen Instrumenten mit ebensolcher Wirkung, wobei sie die verschiedenen Stimmungen der Handlung gut aufgegriffen werden.

Das Cover spielt auf das Thema der ersten Videoaufnahmen mit einer alten Kamera an, was eine ebenso schlichte wie gelungene Umsetzung zu der Handlung ist. Die Optik einer alten Alte, an die die Gestaltung auf dem Titelbild angelehnt ist, sorgt mit dem orangefarbenen Grundton für mehr Aufmerksamkeit. Das Innere ist schlicht, aber übersichtlich umgesetzt und enthält noch einige Hinweise auf ähnlich gelagerte Hörspiele.

Fazit: Der „Tod vor laufender Kamera“ startet mit gleich zwei zu klärenden Fällen interessant und kann die daraus resultierende Handlung unterhaltsam gestalten, obwohl das Tempo eher langsam ist und den einzelnen Momenten viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. So kommen aber nicht nur interessante Details ans Licht, sondern auch die Charaktere kommen gut zur Geltung und entfalten ihren speziellen Charme.

VÖ: 28.08.2020
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 9783864736100

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