Gruselkabinett – 163. Der letzte Wille der Stanislawa d‘Asp



Bereits seit zwei Jahren verehrt Graf Vincenz d’Ault-Onival die Sängerin und Dirne Stanislawa d’Asp, die in heruntergekommenen Etablissements ihren Lebensunterhalt verdient. Doch diese erfreut sich zwar an den zahlreichen und wertvollen Geschenken, hält den Grafen aber ansonsten auf Abstand und demütigt ihn immer wieder schamlos. Erst als sie an der Schwindsucht erkrankt und ihr nahender Tod droht, willigt sie einer Hochzeit mit dem Grafen ein…

Hanns Heinz Ewers gehört mittlerweile fast schon zu den Stammautoren des „Gruselkabinetts“ von Titania Medien, mit Nummer 163 der Reihe ist bereits der vierte Titel des deutschen Autors umgesetzt worden – und weitere sollen regelmäßig folgen. „Der letzte Wille der Stanislawa d’Asp“ benötigt dabei ein wenig Zeit, um wirklich unheimliche Momente zu entwickeln, das geschieht erst etwa ab der Hälfte der Handlung. Doch das macht gar nichts, da das gesellschaftliche Drama um die Titelfigur, ihren Verehrer und später ihren Besucher Jan Olieslagers atmosphärisch bereits sehr dicht umgesetzt ist. Wie sie den Grafen demütigt, hinterher aus finanziellen und gesellschaftlichen Gründen dennoch heiratet und ein dubioses Spiel mit ihm treibt, ist sehr gelungen umgesetzt und mit vielen hörenswerten Details ausgeschmückt. Die Bearbeitung des Textes ist dabei auch sehr gelungen, da aus verschiedenen Blickwinkeln berichtet wird, auch auf einen allwissenden Erzähler zurückgegriffen wird, die titelgebende Hauptfigur aber in vielen Aspekten mit ihren Vorhaben im Nebulösen bleibt. Als sich die Geschichte dann mehr und mehr ihrem letzten Willen zuwendet und beschrieben wird, wie dieser zustande gekommen ist, natürlich auch wie dieser lautet und umgesetzt wird, ist die gruselige Atmosphäre schließlich vollkommen greifbar und wird sehr intensiv umgesetzt. Die Ideen, die der Autor dabei vereint hat, können durchgehend faszinieren und schwingen sich am Ende noch einmal zu einem unglaublichen Akt auf, der den Hörer sprachlos zurücklässt. Eine weitere herausragende Episode, die erneut die Qualität von Serie und Autor unterstreicht.

Die Rückkehr von Daniela Hoffmann ins Gruselkabinett nach ihrem fantastischen Auftritt als Carmilla in der ersten Episode erfolgt hier mit einem Knall und unterscheidet sich dank der deutlichen härteren und kühleren Figur deutlich davon. Die Leidenschaft der Hauptfigur wird in vielen verschiedenen Facetten durch sie heraufbeschworen – eine fantastische Leistung. Patrick Bach spricht ihren Verehrer Vincenz d’Ault-Onival auf die ihm eigene spontan wirkende Art, wobei er ihr an den richtigen Stellen den nötigen Tiefgang verleiht, aber auch am Rande der Handlung bestens besteht. Auch Dietmar Wunder hat mir als Flame Jan Olieslagers sehr gut gefallen, seine tragende Stimme und der markante Ausdruck sorgen für einen überzeugenden Auftritt mit vielen gelungenen Facetten. Weitere Sprecher sind Elga Schütz, Patrick Stanke und Erzähler Peter Weis.

Auch diese Episode bedient eher die leisen Zwischentöne des Grusels, wobei der erste Teil mit dem gesellschaftlichen Drama mit viel klassischer Musik unterlegt ist. Diese schafft sowohl für die Dialoge als auch für die Erzähltexte einen dichten Mantel, was immer mehr von dräuenden oder unheilschwangeren Melodien abgelöst wird und den Spannungsbogen der Handlung so gekonnt unterstreicht. Die Geräusche sind dabei oft eher im Hintergrund, verfehlen ihre Wirkung aber nie und sind sehr realitätsnah eingebaut.

Das Cover zu dieser Episode ist wieder äußerst faszinierend geraten und spielt hervorragend mit den intensiven Farben – dem dominierenden kühlen Blau werden die feuerroten Haare kontrastreich entgegengesetzt. Die Leiche der Stanislawa d’Asp, mit Blumen geschmückt und sorgsam hergerichtet, ist ebenso ungewöhnlich wie ansprechend für die Serie umgesetzt. Das Innere ist wieder übersichtlich und schlicht gestaltet, wobei natürlich wieder die komplette Folgenübersicht nicht fehlen darf.

Fazit: Auch in dieser Episode garantiert Hanns Heinz Ewers für eine ebenso ungewöhnliche wie starke Episode der Serie, die zunächst als gesellschaftliches Drama beginnt und nur langsam, aber umso effektvoller übernatürliche Elemente einbindet. Der Verlauf ist sehr markant, sodass man trotz des eher langsamen Verlaufs durchgängig gefesselt ist – und das lohnt sich umso mehr, da das Finale so herausragend erzählt ist.

VÖ: 30. September 2020
Label: Titania Medien
Bestellnummer: 9783785781906

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