Die Chroniken von Mistle End – Der Greif erwacht



Als Cedriks Vater seinen Job als Bibliothekar verliert, müssen die beiden gemeinsam in das kleine schottische Dorf Mistle End ziehen, wo eine Anstellung als Lehrer auf ihn wartet. Cedrik ist alles andere als begeistert, merkt jedoch schnell, dass die Ortschaft nur auf den ersten Blick verschlafen wirkt. Denn allerlei mystische Gestalten tummeln sich dort, was auch für Cedrik einige Herausforderungen birgt – insbesondere als er Besuch von einem Greif bekommt…

Mit den „Chroniken von Mistle End“ hat der Autor Benedict Mirow einen vielversprechenden Auftakt zu einer neuen Jugendromanserie voller Magie und Witz geschaffen, die vom Audio Verlag auch schnell als aufwendig produziertes Hörspiel erhältlich sind. Mit satten sechseinhalb Stunden wird dem Hörer da ganz schon etwas geboten – was sich aber auch sehr lohnt. Das liegt nicht nur an der hervorragenden Produktion, sondern auch an der wundervollen Handlung. Die Idee, dass ein scheinbar normaler Junge plötzlich Teil einer magischen Welt wird und dort einen entscheidenden Platz einnimmt, den er gemeinsam mit seinen ebenfalls magischen Freunden findet, ist zwar nicht ganz neu, wird hier aber auf vielfältige Weise sehr gekonnt variiert. Die vielen Ideen, die dabei eingeflossen sind, lassen Referenzen zu verschiedenen Mythologien erkennen, wirken aber sehr frisch, modern und dennoch sehr mystisch. Die Welt, die der Autor in dem kleinen schottischen Dorf erschaffen hat, ist sehr vielseitig und intensiv dargestellt, es ist ein lebendiger Ort, an dem es überall etwas zu entdecken gibt. Toll auch, dass die Charaktere so sorgsam ausgearbeitet sind und mit vielen Facetten gespickt sind. Das gilt für Cedrik ebenso wie für seine Freunde, Schulkollegen und die vielen anderen Wesen, die hier vorkommen. Die Handlung startet zunächst etwas langsam, was aber nicht negativ auffällt, da die Stimmung und die Atmosphäre bereits dort äußerst dicht sind. Und die Geschichte nimmt dann auch schon bald Fahrt auf und reiht viele aufregende und gefährliche Szenen aneinander, was die Spannung immer wieder in die Höhe treibt. Aber es gibt auch Phasen, in denen das Leben in Mistle End mehr im Vordergrund steht, die Schultage von Cedrik beschreiben oder eine lockere Stimmung schaffen, was dem Hörer nicht nur notwendige Verschnaufpausen verschafft, sondern es auch ermöglicht, dass einem die Figuren wirklich ans Herz wachsen. Zum Ende hin spitzt sich die Szenerie natürlich noch weiter zu und präsentiert ein packendes Finale, dass viel Lust auf die kommenden Teile der Reihe macht. Die Marschrichtung, wohin sich alles ungefähr entwickelt, lässt sich zwar schon erahnen, lässt aber noch viel Spielraum für Überraschungen – und auf diese freue ich mich jetzt schon.

Über 15 Sprecher saßen für die Aufnahmen vor dem Mikrofon, wobei einige von ihnen gleich mehrere Rollen übernommen haben, unter ihnen Sebastia Mirow, Madeleine Stolze und Johannes Steck. Man merkt diese Doppelbesetzung aber nicht, da jeder Charakter einen sehr individuellen Klang bekommen hat. In der Hauptrolle des Cedrik O’Connor ist Maxi Belle zu hören, der den Jungen sehr aufgeweckt und lebendig klingen lässt. Sein Charme kommt dabei schnell zur Geltung und schafft einen sehr gelungenen Mittelpunkt der Handlung. Auch Maresa Sedlmeir macht als Emily Golden eine sehr gute Figur, wirkt spontan und bringt den Witz der Handlung gut zur Geltung, auch wenn sie an einigen Stellen den Faden zu verlieren scheint und ein paar etwas schwächere Stellen aufweist. Ihr Bruder Elliot wird von Malte Wetzel gesprochen, der das Trio gelungen ergänzt und seine ganz eigene Note mit einfließen lässt.

Akustisch wird hier wirklich einiges aufgefahren. Besonders beachtlich ist dabei, dass die lange Laufzeit von über sechs Stunden wie aus einem Guss wirkt und eine einheitliche Wirkung hat, es aber nie repetitiv wirkt. Dafür sorgen die orchestralen Melodien von Audio Network, die sehr gut an die verschiedenen Stimmungen angepasst sind und für eine magische Atmosphäre sorgen. Gemeinsam mit der reichhaltigen Geräuschkulisse kann es auch schon mal etwas düsterer zugehen, was die Spannungsmomente weiter unterstreicht.

Das Hörspiel ist auf einer MP3-CD untergebracht, was viel Platz spart – so konnte als Verpackung ein hübsches DIgipack gewählt werden, welches nicht nur das Cover der Romanvorlage mit einem ersten Eindruck des Greifen, der drei Freunde und der schottischen Umgebung zeigt. Im Inneren gibt neben der Auflistung der Mitwirkenden noch weitere Bilder zu sehen – unter anderem ein ebenso düsteres wie farbenfrohes Bild des Greifen.

Fazit: „Der Greif erwacht“ hat mir außerordentlich gut gefallen, die Atmosphäre ist so dicht und mystisch, wie es nur wenige Romane bieten können. Die spannende Handlung und Charaktere, mit denen man mitfiebert, funktionieren auch in dieser ausführlichen Hörspielversion sehr gut. Ich mochte es sehr, in die Geschichte einzutauchen und freue mich schon auf die kommenden Teile.

VÖ: 21.08.2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742416575

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