Edgar Allan Poe und Auguste Dupin – 10. Die Strasse der drei Gesichter



Nicht nur der Einbruch eines eingespielten und gefürchteten Verbrecherduos konnte durch die Information von dem geheimnisvollen Detektiv Vidocq verhindert werden, der deswegen bei Monsieur G. höchstes Ansehen genießt. Das stößt Auguste Dupin sauer auf, der sein Ansehen ebenso wie kommende Aufträge für ihn schwinden sieht. Doch wer steckt hinter dem neuen Pariser Top-Ermittler? Dupin und Edgar Allan Poe haben da ganz unterschiedliche Ansätze…

Die Serie um „Edgar Allan Poe und Auguste Dupin“ war ursprünglich Teil der „Sherlock Holmes & Co.“-Reihe, wurde daraus aber ausgegliedert – auch, weil der Rahmenhandlung um die düstere Gedankenwelt des bekannten Autoren mehr Raum einnehmen sollte, die in eine reine Krimi-Reihe nicht vollkommen gepasst hat. Dieser mysteriöse Anklang kam in einigen Folgen dennoch etwas zu kurz, wird in der zehnten Episode aber wieder mehr in den Vordergrund gerückt. Mir gefällt, wie sich dies sehr gekonnt in den eigentlichen Fall einfügt und nahtlos in die Handlung integriert wurde, aber eben nicht den Mittelpunkt bildet. Denn hier geht es um einen Konkurrenten für Auguste Dupin, der einige Geheimnisse birgt und auch dem Hörer Rätsel aufgibt, was spannend und abwechslungsreich erzählt wurde. Die beiden Hauptfiguren haben jeweils einen eigenen Handlungsstrang mit eigenen Ermittlungen, ihre Wege kreuzen sich aber immer wieder, sodass ein dynamischer und temporeicher Eindruck entsteht. Schön, dass die unterschiedlichen Ansätze der beiden gemeinsam zum Ziel führen und so ein stimmiges Ganzes ergeben. Und so gibt es durchgängig bis hin zum Finale einige stimmige Überraschungen und Wendungen, die das Geschehen unterhaltsam halten – und ein gut konstruiertes Geheimnis offenbaren. Schön, dass hier mal andere Wege gegangen werden und die beiden Hauptfiguren wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Auch die Einbettung in die Serienhandlung fügt sich diese Geschichte sehr stimmig ein.

Der leider bereits verstorbene Helmut Krauss ist hier dank früherer Aufnahmen hier wieder als Monsieur G. zu hören, und auch wenn seine Stimme schon unüberhörbar angestrengt klingt, nutzt er wieder sein ganzes Talent und seine Präzise Aussprache, um dem Pariser Kommissar eine starke Aura zu verleihen. Milton Welsh kann der Figur des geheimnisvollen Vidocq einige gelungene Facetten abgewinnen und sorgt für einen gelungenen Ausdruck der Figur, gerade gegen Ende beeinflusst er die Stimmung der Geschichte gekonnt. In einer besonderen Rolle ist Joachim Tennstedt zu hören, der er mit seinem unverkennbaren Klang und glaubhaftem sowie markantem Ausdruck Leben einhaucht. Weitere Sprecher sind Wolfgang Condrus, Michael Pan und Wolfgang Bahro.

Das Team um Produzent Sebastian Pobot hat wieder eine passende Kulisse für die Geschichte geschaffen, die die verschiedenen Stimmungen aufgreift und lebendig wirken lässt. Die Musik reicht von heiter und beschwingt bis hin zu düster und spannungsgeladen, die Geräusche sind vielseitig und gut in die Handlung eingefügt, wirken aber an manchen Stellen auch etwas zu beliebig und fallen dann ein wenig aus dem Rahmen.

Was könnte es für ein anderes Motiv für diese Episode geben als die schummrig beleuchtete Gasse mit Pariser Flair und schattenhaften Gestalten, die Mark Freier für die Folge geschaffen hat? Zugegeben ist das naheliegend, aber eben auch sehr passend, zumal die dunkle Farbgestaltung von Motiv, Schriftzug und Rahmen sehr gut zusammenpasst. Das Innere ist wieder recht schlicht gehalten, die Sprecher sind wie immer bereits auf der Rückseite der Hülle zu lesen.

Fazit: Die Serie zeigt hier mal wieder, was alles in ihr steckt und überzeugt mit einer ebenso ungewöhnlichen wie gut konstruierten Handlung. Dass die Ermittlungen dieses mal von den beiden Protagonisten aus reinem Selbstzweck getätigt werden und kein Auftraggeber hinter ihnen steht, ist ein ebenso gelungenes Element wie die Charakterdarstellung oder die düstere, atmosphärische Ausstrahlung.

VÖ: 15. Mai 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662976

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