Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 27. Dreißig Silberlinge



Vordergründig werden Mycroft Holmes und – gezwungenermaßen – Oscar Wilde eine Landpartie unternehmen und sich dabei in höchst wichtigen Kreisen bewegen, weil Holmes dadurch einen Krieg zwischen den europäischen Großmächten verhindern will. Doch eigentlich soll Wilde die internationalen Teilnehmer ausspionieren und mögliche Feinde für Großbritannien ausmachen. Doch das Treffen droht zu einem Desaster zu werden, da kurz zuvor einige Mitglieder der gesellschaftlichen Elite unter merkwürdigen Umständen verstorben sind…

Als Rahmenhandlung der „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“-Serie hat sich der intrigante Kampf finsterer Mächte gegen den Adel und das vereinigte Königreich etabliert, was in jeder Folge ganz unterschiedliche Formen annimmt. Auch für die 27. Episode mit dem Titel „Dreißig Silberlinge“ wurde ein neuer Aufhänger gefunden, die Ausführung hätte jedoch insgesamt etwas gestrafft werden können. Die Introszene um die Verschwörer gegen die Krone und die gesellschaftliche Elite ist reichlich lang geraten und kann die Spannung nicht die ganze Zeit über halten, auch wenn das Thema der verfluchten Silbermünzen gut herübergebracht wird. Etwas temporeicher geht es dann mit einem ersten Unglücksfall weiter, zumal dort noch die gesellschaftliche Situation im viktorianischen Zeitalter dargestellt wird. Erst danach wird auf Wilde und Holmes umgeschwenkt, doch auch dort ist die Entwicklung erst einmal recht langsam, sondern wird mit einigen schlagfertigen Dialogen um Wildes neues Hobby ausgeschmückt – und schon wirkt der Einstieg in die Handlung nicht sonderlich kurzweilig. Dieser Eindruck ändert sich auch später nur zeitweise, einige Szenen hätten geschnitten oder gar ganz weggelassen werden können, viele Dialoge können die Spannung nicht durchgängig halten. Dafür gibt es neben der gelungenen Szenerie um die geheimnisvollen Todesfälle noch einige markante Charaktere zu entdecken, die aus ganz Europa zusammengekommen sind, was einige Konflikte und Intrigen ermöglicht. Gegen Ende zieht dann nicht nur die Bedrohung durch die Gegenspieler an, sondern glücklicherweise auch das Tempo, sodass einem überraschenden und gut erzähltem Finale nichts mehr im Wege steht. Eine recht typische Episode für die Serie, die die verschiedenen Bausteine geschickt zusammensetzt.

Eckart Dux sorgt als Gastgeber des Treffens, Sir Rupert Hawley mit wunderbar hochnäsigem Auftreten und hochgestochener Ausdrucksweise für eine sehr markante Figur, die er mit einer realistischen Sprechweise ausstattet. Der russische Adelige Dr. Karol Rudjev wird von Uve Teschner gesprochen, der einer Stimme einen rauen Unterton verleiht und sich sehr gut an die Stimmung der Episode anpasst. Marcel Colle schafft eine ebenso markante und geheimnisvolle Figur und bringt dabei noch einen ganz leichten französischen Akzent als Rene de la Villahuchet mit ein, der authentisch und passend wirkt. Weitere Sprecher sind Oliver Stritzel, Annina Braunmiller-Jest und Florentine Draeger.

Akustisch wird wieder eine solide Leistung abgeliefert, die neben der bekannten und recht flotten Titelmelodie noch viele weitere gelungene Melodien einbindet. So werden die verschiedenen Stimmungen gekonnt aufgegriffen, was durch zahlreiche Geräusche ergänzt wird. Diese wirken manchmal etwas künstlich, sind jedoch passend ausgewählt und gestalten so manchen Hintergrund lebendiger. Schön, dass dabei auch mal lautere Momente möglich sind und die Musik für zusätzliche Dynamik sorgt.

Dreißig Silberlinge sind zwar nicht auf der Titelillustration zu sehen, ein paar historische Münzen sind aber mit ihrer gröberen Struktur zu einigen Beschädigungen abgebildet, was gemeinsam mi dem rötlich-braunen Hintergrund und den schlichten Schriftzügen ansehnlich geraten ist. Während das Backcover dafür genutzt wird, unter anderem die Sprecher aufzulisten, ist der Raum hinter der CD mit einer Folgenübersicht und den bisherigen Covern im Kleinformat ausgefüllt.

Fazit: Eine neue Intrige gegen das britische Königreich mit einigen Ideen, die man bereits aus der Serie kennt, aber gewürzt mit einigen neuen Elementen, die mir gut gefallen haben. So erinnert die Handlung hier ein wenig an eine Edgar Wallace-Szenerie und betont die international angespannte Situation, was für reichlich Zündstoff sorgt. Schade, dass dieser erst gegen Ende so richtig aufflammt und vorher einige langwierig wirkende Szenen zu hören sind, die die Spannung nicht durchgängig halten können.

VÖ: 29. Mai 2020
Label: Highscore Music
Bestellnummer: 9783785781272

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