Sherlock Holmes Chronicles – 78. Das Todeskarussell



In der Baker Street 221b taucht unversehens Jacob Tripp auf, der Besitzer eines Vergnügungsparks auf dem Gelände eines alten Lagerhauses in London. Er berichtet von dem Verschwinden mehrerer seiner Mitarbeiter, die ihm zuvor von einer unheimlichen weißen Frau berichtet haben, die das Pferdekarussell verflucht zu haben scheint. Auch wenn der Meisterdetektiv nicht an Übersinnliches glaubt, ist er schnell von dem Fall fasziniert und beginnt mit seinen Ermittlungen…

Übernatürliche Ereignisse, die am Ende auf sehr realistische Weise aufgeklärt werden – ein klassisches Motiv für die „Sherlock Holmes Chronicles“, das auch in der 78. Episode „Das Todeskarussell“ wieder aufgreift. So richtig zur Geltung kommt das zwar nicht, da in dem anfänglichen Bericht die Beobachtungen nur von einer dritten Person wiedergegeben werden – so erfährt man weder den Schrecken der Beobachter noch ist man selbst bei dieser unheimlichen Erscheinung anwesend. Der Aufbau der Episode ist sehr klassisch und hält sich auch nicht mit einer Introszene zum Aufwärmen auf, sondern lässt direkt den neuen Mandanten von Holmes in der Baker Street auftauchen. Seinem Bericht folgen die obligatorischen Ermittlungen der beiden Hauptfiguren, die eher die bereits vorhandenen Vermutungen von Holmes bestätigen wollen und dabei noch einige weitere Hinweise aufgreifen. Diese zu kombinieren ist dann aber doch trickreicher als gedacht, was dann für die notwendige Spannung sorgt. Durch recht geringe Laufzeit der Folge von knapp über 40 Minuten wirkt das alles sehr kompakt und verdichtet, sodass keine Langeweile aufkommt – alles ist an seinem Platz und trägt zum Unterhaltungswert der Geschichte bei. Die Auflösung führt dann die ausgelegten Fäden gekonnt zusammen und präsentiert ein sehr stimmiges und trickreiches Finale. Die Episode bringt mal wieder eine klassische Note in die Serie mit ein, ist aber dann insgesamt doch vielleicht etwas zu schlicht, um inmitten all der starken Titeln der Serie glänzen zu können, auch wenn sie mir insgesamt durchaus gefallen hat.

Jacob Tripp, der Holmes um seine Hilfe bittet, wird von Lutz Mackensy gesprochen, der seiner Stimme einen affektierten Klang verleiht und den Besitzer des Freizeitparkes so ausdrucksstark und markant umsetzt – toll, dass er dabei eine andere Facette seines Schaffens zeigen kann. Sven Gerhardt ist in der Rolle des Inspector Bradstreet zu hören, der eine solide Leistung abliefert und einige gelungene Untertöne einbaut, sodass seine Szenen an Lebendigkeit hinzugewinnen. Grandios wie immer ist das Duo aus Tom Jacobs und Till Hagen, die mit den Hauptrollen völlig verwachsen zu sein scheinen und ihnen viel Charme verleihen. Weitere Sprecher sind Tino Kießling, Nina Reithmeier und Sarah Riedel.

Ich mag es sehr, wie die Musik der Serie wie aus einem Guss wirkt und einen typischen Klang hat, aber auch hier wieder gekonnt an die vorherrschende Stimmung der Episode angepasst wird. Das unheimliche Element des verfluchten Karussells wird dabei gekonnt aufgegriffen. Auch die vielen eingebauten Geräusche funktionieren sehr gut und fangen die Stimmung auf dem Vergnügungspark ein, ohne sich jedoch zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

Einen ersten optischen Eindruck des titelgebenden „Todeskarussells“ bekommt man auf dem Cover, das ein altertümliches Pferdekarussell samt einer durchscheinenden weißen Gestalt auf ihr in düsteren, gräulichen Farben zeigt – sehr atmosphärisch und unheimlich! Wie immer gibt es im Inneren einen Ausblick auf die kommende Episode, kurze Infos zu den beiden Hauptsprechern sowie ein Grußwort – hier das erste aus Husum, der neuen Heimat des Labels.

Fazit: Eine unheimliche Geistererscheinung will aufgeklärt werden, was Holmes auf klassische Weise aufgetragen wird. Auch wenn der Verlauf sehr klassisch ist und nur wenige Überraschungen geboten werden, ist durch eine trickreiche Auflösung und viele eingestreute Hinweise gute Unterhaltung geboten. Die Figuren kommen in den Zwischentönen wieder sehr gut zur Geltung und bringen Charme in die Geschichte ein.

VÖ: 14. August 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662389

Datenschutzerklärung