John Sinclair – 138. Albtraum-Comic



Bei einer Routinekontrolle der Polizei in einer regnerischen Nacht kommt John Sinclair in Bedrängnis – nicht nur, dass plötzlich eine Flasche mit Alkohol auf dem Beifahrersitz liegt und sein Dienstausweis durch einen Kassenzettel ersetzt wurde, die beiden Polizisten verwandeln sich zudem auch noch in Werwölfe und werden schließlich von einem Feuerball verschluckt. Der nachfolgende anonyme Anruf bringt nur wenig Licht ins Dunkel…

Meist sind die regulären Episoden von „John Sinclair“ eher klassisch gehalten, ab und an gibt es aber auch Experimente bei der Themenwahl oder dem Handlungsverlauf. Die 138. Episode ist ein solcher Versuch, Dinge anders zu machen, doch leider hat sich dieses Wagnis nicht ausbezahlt. Vielmehr wirkt die Handlung ziemlich wirr und wird mit vielen abgehackten Szenen, unnatürlichen Begebenheiten und Sprüngen zwischen verschiedenen Erzählebenen sehr unübersichtlich gestaltet. Zwar bekommt der Hörer schnell einen Hinweis darauf, dass diese Ungereimtheiten mit einem Comiczeichner zu tun haben, der sich der Abenteuer des Geisterjägers samt persönlicher Beziehungen annimmt, wirklich klarer oder nachvollziehbarer wird das Ganze deswegen leider nicht. Zwar gefällt mir, dass durch den Tod eines Mitgliedes des Sinclair-Teams Schärfe in die Handlung gebracht wird und einige Charaktere die Chance haben, sich mal von einer anderen Seite zu zeigen, nur leider weckt dies nur wenig Spannung, die durch die oft zusammenhanglose Erzählweise schnell wieder erstickt wird. Leider wird die Struktur der Handlung nicht gut auf das Medium Hörspiel übertragen, sodass vieles kryptisch bleibt – schade, denn der Grundgedanke gefällt mir gut, und auch einige Figuren sind gelungen dargestellt. Das reicht aber leider nicht zu einer wirklich guten Episode der Reihe.

Als Harold Painter ist Jonas Minthe zu hören, der eine wahre Bereicherung für die Episode ist und seiner Stimme einen harten und unheimlichen Klang verleiht. Doch auch die Manie und der Wahn des Comiczeichners werden durch ihn gekonnt dargestellt. Ilya Welter überzeugt mal wieder in der Rolle der Glenda Perkins mit ihrer sehr prägnanten Sprechweise und der leicht überdrehten Art, die einen liebenswerten Charakter erschafft, hier aber auch dramatischere Seiten von sich zeigen kann. Und auch Dietmar Wunder ist in der Titelrolle des John Sinclair mal wieder sehr überzeugend, sowohl in den Dialogen als auch in den Erzähltexten macht er einen spontanen und lebendigen Eindruck. Weitere Sprecher sind Gerlinde Dillge, Detlef Bierstedt und Bianca Krahl.

An der akustischen Umsetzung gibt es erst einmal nicht viel auszusetzen, die Musik ist wieder sehr sicher eingesetzt und untermalt die Handlung mit vielen passenden Stimmungen. Den Geräuschen kommt dieses Mal eine besondere Bedeutung zu – einerseits, um die Dialoge wie üblich lebendiger wirken zu lassen, andererseits aber auch, um die Sprünge zwischen den Erzählebenen insbesondere zu den Momenten um die Zeichnungen der Comics zu erklären. Das funktioniert leider nur bedingt und macht die Struktur der Handlung nur ein wenig klarer.

Das Cover der Folge greift das Thema der Episode gut auf, indem ein Vampir mit grausam verzerrtem Gesicht und gefletschten Szenen aus den Seiten eines Comics zu entspringen scheint, in dem einige klassische Grusel-Motive zu sehen sind. Eine witzige Idee, während das Innere wieder wie immer sehr schlicht umgesetzt ist, aber eine Übersicht aller bisherigen Episoden samt Classic-Ableger und Sondereditionen zu finden ist.

Fazit: Statt eines geglückten Experiments bekommt der Hörer hier einen unausgereiften Versuch geboten, das durchaus interessante Thema sinnvoll aufzubereiten. Vieles wirkt zusammenhanglos und unlogisch, viele Sprünge sind nur unzureichend oder gar nicht erklärt. So hat sich mir der Sinn nicht immer erschlossen, auch wenn ich den Tod von bekannten Figuren und die Idee hinter der Episode im Grunde mag.

VÖ: 29. Mai 2020
Label: Lübbe Audio
Bestellnummer: 9783785781388

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