Sherlock Holmes – Sammler Edition 15



Auch im Urlaub gibt es einen verzwickten Fall für Sherlock Holmes: Zwei Männer haben über Nacht völlig den Verstand verloren, die Schwester sitzt daneben - tot. Und das, obwohl ihr Bruder den Raum genauso vorfindet, wie er ihn verlassen hat... („Der Teufelsfuß“)
In ihrer Verzweiflung wendet sich die attraktive Miss Violet Smith an den Londoner Privatdetektiv Sherlock Holmes. Seit Wochen wird sie an einer gewissen Stelle ihres Arbeitsweges, den sie mit ihrem Fahrrad bestreitet, von einem Mann verfolgt… („Die einsame Radfahrerin“)
Charles McCarthys Leiche wird in einem abgelegenen Wald gefunden. Inspector Lestrade glaubt, sein Sohn habe ihn ermordet, viele Indizien deuten tatsächlich darauf hin. Doch Sherlock Holmes ist von dessen Unschuld überzeugt und beginnt zusammen mit Dr. Watson zu ermitteln… („Das Rätsel von Boscombe Valley“)

So schön es auch ist, die vielen Neuinterpretationen von Sherlock Holmes mit neu erdachten oder adaptierten Fällen zu hören – manchmal will man eben doch wieder zum Original zurückkehren. Und da bieten sich die Umsetzungen von Maritim an, nicht nur, weil hier wirklich alle veröffentlichten Fälle von Sir Arthur Conan Doyle zu hören sind, sondern auch weil das Sprecherduo aus Christian Rhode und Peter Groeger so wunderbar miteinander agiert. Die Neuveröffentlichung dieser Fälle in Dreierboxen wird stetig vorangetrieben, sodass man sich mittlerweile die 15. dicke Box ins Regal stellen kann.
Schon der Anfang „Der Teufelsfuß“ ist herrlich, in dem Sherlock Holmes und sein Assistent Dr. Watson ein lustiges Streitgespräch führen, der teils bissige Humor zieht sich auch durch den Rest des Hörspiels und ist immer wieder für ein Schmunzeln gut. Der Fall an sich ist einer der besseren: Das Ausgangsszenario ist ziemlich rätselhaft und undurchsichtig, die Ermittlungen bauen logisch darauf auf. Bis zum Ende kann der Hörer miträtseln, was hinter dem Fall steckt. Ein besonderes Highlight ist die Szene, in der Sherlock Holmes fast selbst dem Wahnsinn verfällt - eine gelungene und beängstigende Szene.
In „Die einsame Radfahrerin“ muss Dr. Watson die ersten Recherchen anstellen, da Holmes den Fall nicht sonderlich interessant findet – eine gelungene Variante für den Start der Handlung. Der Rest des Falles ist solide Kost und fällt nicht sonderlich aus dem Rahmen: Die Ermittlungen sind kurzweilig, der Fall logisch aufgebaut und nachvollziehbar, das Ende bietet eine kleine Überraschung. Wirkliche Spannung will aber nicht ganz aufkommen, dazu ist die Geschichte doch etwas zu simpel gestrickt. Positiv zu erwähnen ist noch die Zusammenfassung von Dr. Watson, welche Strafen die Täter zu erwarten haben.
„Das Rätsel von Boscombe Valley“ bietet zwar einige Parallelen zu anderen Fällen der Reihe, bietet jedoch auch einige sehr individuelle Merkmale. Besonders gelungen ist wieder die Konzentration auf Details, die Sherlock Holmes schließlich zum richtigen Ergebnis führen. Auch, dass der Fall nicht gleich zu Anfang zu durchschauen ist, ist ein großer Vorteil und hält das Interesse beim Hörer groß.

Kai-Hendrik Möller ist in „Der Teufelsfuß“ als unsympathischer Dr. Leon Sterndale zu hören und liefert eine sehr solide Leistung ab, in dem er ausdrucksstark spricht und viele markante Eigenheiten einbaut – eine sehr gekonnte Leistung. Sabine Bohlmann ist als Violet Smith, die einsame Radfahrerin, zu hören. Ihre fast ein wenig kindliche Stimme passt hervorragend zu der jungen und leicht naiven Frau, die sie zudem mit ihrer typischen Präsenz spricht. Christian Toberentz spricht in „Das Rätsel von Boscombe Valley“ James McCarthy und überzeugt mit treffsicherer Stimme und vielseitigem Klang, wobei er sich vollkommen auf die Rolle und ihre Eigenheiten einlässt. Weitere Sprecher sind Andreas von der Meden, Michael Habeck und Klaus Dittmann.

Weil die akustische Gestaltung wieder recht sachlich ausgefallen ist und ihren Schwerpunkt eher auf den Einsatz von Geräuschen hat, kommen die wenigen, aber sehr passenden und gut gewählten Musikstücke wesentlich besser zur Geltung und entfalten eine große Wirkung. So kann die Spannung zusätzlich etwas angeheizt werden, während die Dialoge durchgängig im Vordergrund stehen.

Dass in dieser Box zwar die Folgen 36 und 37 enthalten sind, dann aber die Nummer 42 folgt, ist zwar nicht ganz logisch, tut dem Genuss der Serie aber natürlich keinen Abbruch. Die drei ursprünglichen Cover der Einzelfolgen wurden auch hier verwendet – allerdings so klein aufgedruckt, dass man kaum noch Details erkennen kann. Auch hier liegt kein Booklet bei, sodass es leider kein Zuordnung der Sprecher und ihrer Rollen gibt.

Fazit: Drei Folgen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen, die so einen gelungenen Querschnitt durch das Werk von Doyle zeigen – vielleicht nicht mit den stärksten aller Fälle, aber doch mit sehr unterhaltsamen Geschichten. Die wunderbaren Sprecher der Hauptrollen agieren wieder sehr authentisch und lebendig, während auch die restliche Umsetzung mit engagierten Sprechern und einer stimmigen Kulisse punktet.

VÖ: 30. April 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662921

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