Oscar Wilde & Mycroft Holmes – 26. Dunkle Fluten



Bei einem Spaziergang an der Themse stürzt eine junge Frau versehentlich ins Wasser und wird dort angegriffen und unter Wasser gezogen. Nur kurz darauf findet ein Stadtstreicher die angespülte und zerfetzte Leiche am Ufer des Londoner Flusses. Schnell machen Gerüchte die Runde, dass der legendäre Jack the Ripper zurückgekehrt ist, um sein blutiges Werk zu vollenden. Mycroft Holmes setzt Oscar Wilde auf den Fall an, um Unruhen und Ausschreitungen zu verhindern…

Jack the Ripper ist immer noch ein Mysterium, das Rätsel um den brutalen Mörder im Londoner Stadtteil Whitechapel wurde immer noch nicht gelöst und findet immer wieder Einzug in die moderne Pop-Kultur. Auch die 26. Episode von „Oscar Wilde & Mycroft Holmes“ nimmt sich diesem Thema an und integriert es gelungen in die Struktur der Serie mit ihren exzentrischen und prägnanten Figuren und der dichten Atmosphäre des späten 19. Jahrhunderts. Dazu gibt es einige Introszenen, die zwar atmosphärisch geraten sind, aber leider auch etwas zu lang geraten sind. Auch danach gibt es einige Momente, die gestraffter und gekürzt sicherlich mehr Wirkung entfaltet hätten, zumal es auch etwas merkwürdig wirkt, wenn Oscar Wilde plötzlich seine Vorliebe für Yoga entdeckt. Davon abgesehen ist wieder eine gelungene Episode der Serie gelungen, die die anfänglichen Ereignisse auf unerwartete Weise mit der bisherigen Serie verknüpft und so sowohl eine eigenständige Handlung erzählt als auch die Serie fortführt. Ich mag sehr, wie immer wieder neue Überraschungen und Erkenntnisse für Kurzweil und zahlreiche unterschiedliche Szenen sorgen. Toll ist auch die enge Verbindung zum Schauplatz, London wird mit vielen markanten Örtlichkeiten lebendig, sodass man das Gefühl hat, gemeinsam mit Oscar Wilde durch die Stadt zu ziehen. Die Stimmung ist dabei durchgängig sehr dicht und unheimlich, was sich gegen Ende noch einmal zuspitzt und einen teuflischen Plan aufdeckt, der nur mit knapper Not verhindert werden kann – sehr hörenswert!

Wie immer bringen die Sprecher ihre Figuren mit all ihrem Witz und Charme sehr gut zur Geltung und sind gut zu den Rollen ausgewählt. Allen voran natürlich Sascha Rotermund, der die Rolle des Oscar Wilde wunderbar spitzzüngig und exaltiert umsetzt und dabei die Lacher auf seiner Seite hat, aber auch Spannung erzeugen und Actionszenen lebendig wirken lassen kann. Gordon Piedesack ist als Johan deWitt zu hören, mit seiner markanten Stimme schafft er eine interessante Figur mit einigen Facetten, die durch seine präzise Aussprache gut zur Geltung kommen. Und auch Ilona Otto überzeugt als Roberta O’Donnell mit ihrem unverwechselbaren Klang und passt sich wunderbar an die vorherrschende Stimmung der Episode an. Weitere Sprecher sind Wolf Frass, Tom Raczko und Peter Kirchberger.

Ich mag es, wie die unheimlichen Momente der Episode gekonnt mit leiser Musik untermalt wurde, aber auch heitere Momente um die beiden Hauptfiguren aufkommen oder die gut dosierten Actionszenen lebendig untermalt wurden. Die Geräusche sind punktgenau eingefügt und lassen die Dialoge lebendiger wirken, hätten an einigen Stellen aber ruhig etwas reichhaltiger sein können. Ein kleines Missgeschick ist im Intro geschehen: Hier wird ein falscher Folgentitel angekündigt.

Ein dunkler Abwassertunnel, nur spärlich aus einer herunterführenden Treppe beleuchtet, darin ein in wilder Flucht wegrennender Mann – das Covermotiv der Episode gefällt mir sehr gut und kommt mit der typischen Farbgebung der Serie sehr gut zur Geltung. Wie immer kann man sich bereits auf der Rückseite über die teilnehmenden Sprecher informieren, während die restliche Gestaltung wieder recht schlicht geraten ist.

Fazit: Die Folge verbindet viele positive Aspekte miteinander und erzählt dabei eine sehr eigenständige Geschichte, führt aber auch die Handlung der Serie gekonnt fort. Einige Szenen wirken zwar etwas starr oder zu sehr in die Länge gezogen, insgesamt ist aber eine spannende und abwechslungsreiche Episode entstanden, die wieder mit markanten Figuren und Schauplätzen überzeugen kann.

VÖ: 27. März 2020
Label: Highscore Music
Bestellnummer: 9783785781265

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