Insel-Krimi - 13. Schatten über Spiekeroog



Nach einem insgesamt unerfreulichen und von ihrem Bruder organisierten Speed-Dating findet die Hamburgerin Rebecca Joost doch noch einen netten Mann, mit dem sie gleich die nächsten Tage verbringt. Und so will sie dann auch der Einladung von Mathis Petersen auf die Insel Spiekeroog, doch unerwartet bekommt sie keine Rückmeldung mehr von ihm. Kurzentschlossen macht sie sich mit ihrem Bruder Hinnerk auf den Weg auf die Insel, um Mathis wiederzufinden…

Anders als die anderen Episoden startet die 13. Episode der „Insel-Krimi“-Reihe von Contendo Media mal in der Großstadt Hamburg, auch wenn dem ersten Kennenlernen von Rebecca und Mathis noch ein kurzes Intro vorausgeschaltet wird, das einige Fragen aufwirft und die Stimmung schnell in eine geheimnisvolle Richtung lenkt. Doch dieser Schwung wird nicht genutzt, nach einem ziemlich merkwürdig wirkenden Speeddating nimmt die Handlung nur sehr langsam Fahrt auf. Zwar gefällt es mir, dass viel Stimmung von der autofreien Insel herübergebracht wird, viele Szenen tragen aber zu wenig zur Entwicklung der Geschichte bei, als dass sie wirklich im Gedächtnis bleiben. Und auch wenn die Folge bei der eigentlichen Handlung ankommt, gibt es einige Stolpersteine: Positiv anzumerken ist beispielsweise die geheimnisvolle Stimmung um Mathis, der sich in einige Wiedersprüche verstrickt. Allerdings werden einige Teile der Auflösung zu einfach präsentiert, sodass keine wirkliche Spannung aufkommt. An einigen Stellen kommt ein Gefühl von „Das war’s jetzt schon?“ auf, wovon sich die Folge dann insgesamt auch nicht erholen kann – trotz einem gar nicht mal so uninteressanten Hintergrund. Dieser hätte allerdings interessanter und besser durchdacht aufbereitet werden können, in dieser Form verpuffen leider viele Effekte nahezu wirkungslos.

Rebecca Jost wird als Hauptfigur dieser Episode von Lisa Cardinale passend umgesetzt und sorgt mit ihrer lebendigen Art und glaubhafter Betonung für einen gelungenen Eindruck der sympathischen jungen Frau, wobei sie auch den Spannungsbogen des Krimis nachzeichnet. Tim Knauer spricht ihren Bruder Hinnerk ebenso locker und authentisch, wobei er seine Stimme sehr abwechslungsreich einsetzt und gekonnt den verschiedenen Szenen anpasst. Und auch Florian Clyde macht seine Sache als Mathis Petersen sehr gut und bringt den lange Zeit undurchsichtigen Charakter gut zur Geltung. Leider kann nicht jeder der anderen Sprecher punkten, denn auch wenn manche einen gelungenen Eindruck hinterlassen, wirken einige eben auch sehr hölzern und abgelesen.

Mit dem Akkordeon, das immer wieder für musikalische Untermalung sorgt, zieht viel norddeutsches Flair in die Geschichte ein, auch das eher langsame Tempo der Episode wird dadurch betont, alles wirkt so recht entspannt. Ein wenig mehr Feuer bekommt die akustische Untermalung im Laufe der Handlung, wobei auch die stimmige Untermalung der Szenen mit vielen Geräuschen stimmig wirkt. Schön aber auch, dass hier nicht übertrieben wird, sondern manche Dialoge auch für sich alleinstehen dürfen.

Wie so häufig wurde auch hier ein Teil der Landschaft der deutschen Inselwelt auf dem Cover abgebildet, wobei dieses Mal ein langgezogener Metallzaun die Optik dominiert und sich durch die sanft begrasten Dünen zieht. Die eher kühle Optik mit den bläulich gefilterten Farben mag allerdings nicht so ganz dazu zu passen und steht auch in einem deutlichen Kontrast zu den hübschen Beschreibungen aus dem Hörspiel. Das Innere ist wie immer schlicht gehalten, bietet in übersichtlicher weise aber alle Mitwirkenden.

Fazit: „Schatten über Spiekeroog“ kann das langsame Tempo der Serie leider nicht so gut verkraften wie andere Episoden, was auch daran liegen mag, dass viele kleine Auflösungen in ihrer Wirkung verpuffen und recht plump präsentiert werden. Hier hätte ich mir etwas mehr Rafinesse gewünscht, denn auch wenn die Stimmung der Reihe wieder gut funktioniert, konnte mich die Geschichte um Rebecca nicht wirklich überzeugen.

VÖ: 19. Juni 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967620085

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