Midnight Tales - 12. Stimmen in der Dunkelheit



Carol wacht in einem abgedunkelten Raum auf, ohne sich an die vorangegangenen Ereignisse erinnern zu können. Der freundliche Thaddeus, dessen Gesicht sie nicht erkennen kann, versucht ebenso ihr zu helfen wie die harsche Polizistin Madame Foulet, die einen Mörder überführen will. Doch etwas in Carol sperrt sich gegen die aufkommenden Erinnerungen...

Auch die zwölfte Episode der „Midnight Tales“, der noch recht neuen Gruselserie von Contendo Media, die ausschließlich digital erhältlich ist, bietet eine sehr reduzierte Szenerie – fast ausschließlich spielt sie in einem Raum, gerade einmal drei Sprecher bringen die Handlung der Folge voran, nur ein paar weitere Sätze wurden von einem vierten Sprecher vertont. Auch scheint die Folge fast in Echtzeit z u laufen, und das etwa 35 Minuten (wenn man von Intro und Credits absieht). Was in Filmen wahrscheinlich für tödliche Langeweile sorgen würde und von jedem Kritiker zerrissen werden würde, funktioniert als Hörspiel hervorragend. Die Szenerie ist von Anfang an mysteriös, da die Hintergründe von Carol äußerst nebulös sind und diese erst im Laufe der Zeit aufgedeckt werden. Die Erinnerungen an einen Mörder, das verlorene Gedächtnis, die verwirrten Gefühle, dazu aber auch die beiden nicht minder geheimnisvollen Nebencharaktere, die Carol zur Seite stehen und in ihrem Verhalten so unterschiedlich sind. Im Laufe der Zeit gibt es viele Anspielungen und Hinweise, mal mehr, mal minder versteckt, was das Geheimnis hinter der Folge sein könnte. Zu Beginn des letzten Drittels der Laufzeit kann man die Auflösung zwar erahnen, das macht aber gar nichts – im Gegenteil, diese neu hinzugewonnene Erkenntnis sorgt noch einmal für einen sehr interessanten Perspektivwechsel. Und immer noch gibt es dann einige Überraschungen, die das Geschehen unterhaltsam und aufregend wirken lassen. Genau das macht die Serie aus, ist in dieser Episode aber besonders gelungen und sorgt für einen sehr intensiven Eindruck – übrigens auch beim zweiten Durchlauf, bei dem man von Anfang an die gelungenen Hinweise und Fährten entdeckt werden können.

Wie schon die direkte Vorgängerfolge kommt auch diese Episode mit nur wenigen Sprechern aus. Als Carol steht Julia Kaufmann im Mittelpunkt. Sie setzt ihre Stimme sehr zielgerichtet ein und passt sie gelungen den einzelnen Situationen an, wodurch eine lebendige und glaubhafte Figur entsteht. Toll, wie sie viele gelungene Facetten einbaut und dennoch den verletzlichen Grundklang nicht zu sehr verändert. Liane Rudolph ist mit ihrem eher harschen und abweisenden Tonfall ein gelungener Kontrast, Madame Foulet bekommt durch sie eine sehr präsente Aura. Andre Beyers markante Stimme passt ebenfalls sehr gut zu der Rolle des Thaddeus, wobei er eine gelungene, leicht mysteriöse Stimmung um seine Figur aufbaut. Konrad Bösherz und wie immer Peter Flechtner für das Intro und Alex Bolte für die Credits sind ebenfalls zu hören.

Leise sind einzelne akustische Elemente eingebaut, wobei besonders die leise, melodische Musik im Hintergrund für eine düstere Stimmung sorgt. Aber auch die vielen Geräusche sorgen für eine gelungene Atmosphäre und viel Ausdruck der Handlung, was die mysteriösen Aspekte noch weiter verstärkt. Schön, dass sich die Umsetzung gemeinsam mit der Akustik steigert und gegen Ende eine sehr dichte und packende Atmosphäre entstanden ist.

Die Farben des Covers sind sehr ausdrucksstark, besonders die stilisierte Frau im Mittelpunkt mit ihrem leuchtend grünen Kleid, den orangenen Haaren und den roten Lippen hebt sich von dem gedeckten, dunkelblauen Hintergrund mit den unheimlichen Silhouetten ab. Ein schönes Titelbild, bei dem die skurrile Optik wunderbar zur Episode passt.

Fazit: „Stimmen in der Dunkelheit“ ist gerade wegen der so ruhigen und gedeckten Atmosphäre sehr spannend geraten, das große Geheimnis und die Aufklärung des Mordes bieten eine ganz besondere Stimmung. Sehr mysteriös und unheimlich fügen sich die einzelnen Elemente sehr gelungen zusammen und bieten eine sehr konzentrierte und auf den Punkt gebrachte Handlung. Sehr hörenswert!

VÖ: 1. Mai 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621044

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