Sherlock Holmes Sammler Edition 14



Helen Stoner lebt zusammen mit ihrem Stiefvater auf einem heruntergewirtschafteten Landsitz, doch sie fürchtet den menschenverachtenden Mann. Vor Jahren, als ihre Zwillingsschwester heiraten wollte, starb diese unter mysteriösen Umständen... („Das gesprenkelte Band“)
Der aufgebrachte Mr. Gibson sucht die Hilfe von Sherlock Holmes in einer äußerst pikanten Angelegenheit: Seine Gouvernante und Geliebte Grace Dunbar soll seine Frau erschossen haben, die Beweislast scheint eindeutig... („Die Thor-Brücke“)
Inspector Lestrade findet keinen Hinweis auf ein Motiv oder einen Täter bei seinem neuen Fall. Der Sekretär des behinderten Professors Coram war überall beliebt, wurde dennoch im Arbeitszimmer erschossen... („Der goldene Kneifer“)

Maritim hat alle Vorlagen von Sir Arthut Conan Doyle über den wohl bekanntesten Privatdetektiv Sherlock Holmes vertont, mit dem wunderbaren Duo aus Christian Rhode und Peter Groeger in den Hauptrollen. Aktuell wird die Serie in Boxen zu je drei Episoden erneut veröffentlicht und hat dabei noch eine leichte Überarbeitung der akustischen Gestaltung hinter sich – an den wunderbaren Geschichten ändert sich allerdings nichts.
Den Anfang macht „Das gesprenkelte Band“, bei dem schon der Bericht von Helen Stoner interessant und unterhaltsam ist, die der Ausgangspunkt für diese Geschichte ist. Viele kleine Details geben nicht nur dem Ermittlerduo Rätsel auf, sondern insbesondere auch dem Zuhörer. Die eigentlichen Ermittlungen sind wieder gewohnt kurzweilig, wobei besonders die Figur des Dr. Grimesby Roylott mit seinen Gemeinheiten und der herabwürdigenden Art sehr reizvoll geraten ist. Die Auflösung des Falles bietet kleine Überraschungen, die man so nicht erwartet hätte, und mündet in einem außergewöhnlichen Schluss.
Auch „Die Thor-Brücke“ ist für den Hörer sehr abwechslungsreich und spannend gestaltet worden, denn auch ihm offenbart sich das gesamte Ausmaß des Falles nur nach und nach, bis das überraschende Ende folgt. Bis kurz vor Schluss tappt der Hörer im Dunkeln und kann sich kaum einen Reim auf die Ereignisse machen. Doch ebenfalls sorgt ein weiteres, wesentliches Detail für das Gelingen der Folge: Der charmante Humor, der sich besonders in der Beziehung von Holmes und seinem Freund Watson offenbart. Immer wieder huscht ein breites Schmunzeln über das Gesicht, wenn die beiden ihre Späße austauschen oder in leicht skurrile Situationen gelangen.
In „Der goldene Kneifer“ ist die Steigerung des Tempos bemerkenswert: Obwohl das Hörspiel recht gemächlich beginnt und nur wenig über den Fall bekannt wird, wirkt die Szenerie keineswegs langsam oder spannungsarm. Mit fortschreitender Zeit wird immer mehr Geschwindigkeit zugelegt, immer neue Aspekte werden eingebracht und führen schließlich zur Überführung des Täters.

Als Helen Stoner ist Arianne Borbach zu hören, die die junge Frau treffend verzweifelt wirken lässt und in jeder Szene die richtige Stimmung zu erzeugen weiß, sodass der erste Fall der Box einen sehr intensiven Ausdruck erhält. Michael Schernthaner ist als Neil Gibson eine tolle Besetzung. Denn vom Aufbrausenden über das Hasserfüllte bis zum Gefühlvollen bringt er alle Facetten des Goldbarons gut herüber, was in „Die Thor-Brücke“ für die richtige Würze sorgt. Christine Pappert hat gegen Ende einen fantastischen Auftritt, den sie trotz längerer Erzählpassagen dynamisch zu gestalten weiß und besonders in den letzten Szenen alles aus sich heraus holt. Weitere Sprecher sind Dagmar Dempe, Reent Reins und Klaus Dittmann.

Die überarbeitete akustische Gestaltung ist gut geraten, die Hörspiele wirken in sich stimmiger und sind gerade musikalisch passender untermalt. So gibt es viele neue Melodien zu entdecken, die die Stimmung der jeweiligen Szene aufgreifen und die Übergänge sanfter gestalten. Auch die vielen Geräusche, die die Dialoge lebendiger gestaltet, wirken passend eingebaut. Im Vordergrund sind aber immer die Dialoge, der Rest passt aber sehr gut dazu.

Die dicke Plastikbox der drei CDs wirkt etwas klobig und ist auch nicht sonderlich platzsparend, leicht Abstriche muss man bei dem sehr günstigen Preis aber wohl machen. Darauf sind auf schlichtem dunkelgrünen Hintergrund die drei ursprünglichen Cover der Folgen zu sehen – allerdings so klein, dass man kaum etwas darauf erkennen kann. Leider liegt hier kein Booklet bei, sodass man nicht einmal eine komplette Sprecherliste hat.

Fazit: Drei neue Folgen für den Meisterdetektiv, die alle drei zwar klassisch erzählt sind und im Aufbau nur wenig Abwechslung bieten, die Grundzüge der Geschichten sind aber sehr unterschiedlich und überzeugen mit ihrer feinen Erzählweise, die mit ihrem Sinn für das Detail punkten. Alle drei Folgen haben mir sehr gefallen, wobei auch die sanfte Überarbeitung den Fällen gutgetan hat.

VÖ: 21. Februar 2020
Label: Maritim
Bestellnummer: 9783960662914

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