Midnight Tales - 11. Wenn Masken fallen



Ein Schneesturm tobt durch North Dakota, sodass die Freunde des Ehepaars Limbkin den geplanten gemeinsamen Abend absagen. Just in diesem Moment bitten zwei Gäste um ein kurzes Telefonat, da sie mit dem Auto liegen geblieben sind. Kurzerhand werden die beiden zum Essen eingeladen, bis sich das Wetter beruhigt hat. Doch die Gemüter erhitzen sich umso schneller...

Schlag auf Schlag geht es weiter mit den "Midnight Tales" von Contendo Media, die in sehr kurzen Rhythmus veröffentlich werden. Im Gegensatz zu anderen Episoden der Reihe dauert es hier deutlich länger, bis übernatürliche Elemente eingebaut werden, die Szenerie ist von Anfang an sehr bodenständig. Das zufällige Aufeinandertreffen zweier Ehepaare wirkt zunächst noch friedlich und freundlich, doch getreu dem Titel der Episode "Wenn Masken fallen" tauchen schnell erste Reibereien auf - ein unbedacht wirkender Kommentar hier, eine spitze Bemerkung dort, bald die ersten Wortgefechte. Sehr treffend ist dabei geschildert, wie unterschiedliche Mentalitäten aufeinandertreffen und wie sich eine Dynamik aufbaut, in der jeder die eigenen Bedürfnisse über die der anderen stellt. Daraus entwickelt sich eine Art packendes Krimi-Psycho-Spiel mit einigen gelungenen Wendungen und Finessen, die man zuvor so nicht erwartet hätte. Zugegeben, die letztendliche Wendung ist recht konstruiert und wirkt etwas gestelzt, führt aber dennoch zu einem packenden und dramatischen Finale. Wieder einmal gibt es einige neue Aspekte und eine dichte Stimmung, was die gute halbe Stunde Laufzeit unterhaltsam gestaltet.

Gerade einmal vier Sprecher (abgesehen von Intro und Credits) sind in dieser Episode zu hören, umso wichtiger ist natürlich jeder einzelne von ihnen. Klaus Dieter Klebsch ist als Walter Limbkin zu hören und beweist, dass er auch diese eher bodenständige Rolle mit vielen gelungenen Facetten und seiner eindringlichen Stimme sehr gekonnt umsetzt. Seine Frau Sadie wird von Dana Friedrich gesprochen, deren ruhiger Klang sehr glaubwürdige Momente schafft, sodass eine gelungene Figur entstanden ist. Wolfgang Bahro spricht die Rolle des Reggie Marx mit viel Ausdruck und sehr passender Attitüde, wobei sich seine Intensität im Laufe der Episode gekonnt steigert. Die wunderbare Nana Spier und ihr leicht rauer Klang passen bestens zu Pamela Marx, auch sie trifft gekonnt die Stimmung der verschiedenen Momente und kann das Geheimnis um das Ehepaar sehr gelungen aufbauen.

Akustisch ist die Folge sehr solide umgesetzt, was besonders an den vielen stimmigen Geräuschen liegt. Der aufkommende Schneesturm pfeift um das Haus, leise Schritte tönen durch das einsame Gebäude, das Knistern des Feuers schafft eine gemütliche Atmosphäre - immer wieder ergänzt durch kleine Melodien, die einen düsteren Anstrich einbringen und so die Stimmung der Episode verdichten.

Die Folge wird zwar nur digital zum Download angeboten, dennoch wurde eigens ein Cover entworfen, das mir dieses Mal bestens gefallen hat. Ein edel gedeckter Tisch mit zwei Menschen - die Gesichter jedoch formlos und ohne Kontur. Auch durch die langgezogenen Formen und die düstere Farbgebung wird der exzentrische Ausdruck des Titelbilds verstärkt.

Fazit: "Wenn die Masken fallen" ist bodenständiger als die meisten seiner Vorgänger, schafft aber eine nicht minder packende Atmosphäre. Die Beobachtung der zufällig aufeinandertreffenden Figuren und der sich daraus entwickelnden Dynamik führt zu einem spannenden Finale, auch wenn dessen Einleitung recht konstruiert wirkt. Eine weitere hörenswerte Episode, auch wenn man aus dem Finale vielleicht noch mehr hätte herausholen können.

VÖ: 24. Februar 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621037

Datenschutzerklärung