An den Mauern des Paradieses



Beim Bau eines neuen Staudamms nahe des Persischen Golfes wurden antike Steintafeln gefunden, die sofort das Interesse des kanadischen Historikers David Ostrich wecken. Doch bevor er vom Herrscher Thaut die Erlaubnis bekommt, diese untersuchen zu dürfen, soll er zunächst deren verschwundene Tochter Evita finden. Doch bei seinen Nachforschungen stößt er auf einige gut gehütete Geheimnisse, die nicht nur sein Leben in Gefahr bringen…

Einen einzigen Roman hat der französisch-deutsche Autor Martin Schneitewind in seinem Leben verfasst: „An den Mauern des Paradieses. Der bayrische Rundfunk hat 2019 eine Hörspielumsetzung der Kombination aus Dystopie, Religionsgeschichte und Science-Fiction gewagt, die auch beim Hörverlag als CD-Version mit zwei Discs erhältlich ist. Die Mischung ist so konträr und ungewohnt, wie sie klingt, was den Zugang zu dem Werk auch etwas erschwert, da durchaus etwas Fachwissen über die verschiedenen Themen hilfreich ist. Die Schöpfungsmythen tauchen schnell in der Handlung auf und nehmen einen ungewohnten, aber sehr reizvollen Einfluss auf das Werk, ebenso wie die von Dürre und Flüchtlingsströmen aus den Fugen geratene Welt immer mehr Faszination verbreiten, die Schneitewind als Kulisse gewählt hat. Die Handlung schreitet dabei nur langsam voran, nicht immer wird auch am eigentlichen roten Faden um die Suche nach Evita und der Erforschung der antiken Steintafeln gearbeitet, es gibt zahlreiche Nebenarme und Ausflüge in andere Richtung, beispielsweise technische Details zum Bau des Staudamms. Hinzu kommt, dass auch die Sprache nicht allzu leicht zugänglich ist, neben vielen Fach- und Fremdwörtern ist auch der Satzbau sperrig und hemmt oft den Hörfluss. Warum mir „An den Mauern des Paradieses“ dennoch sehr gefallen hat, liegt an zweierlei Elementen: Einerseits ist die Atmosphäre sehr dicht und kombiniert die nicht passend scheinende Themenwahl dann doch sehr gut miteinander, die Wüstenstadt und ihre markanten Bewohner, der dystopische Ansatz, der mysteriöse und religiöse Anklang. Und daraus resultiert auch die zweite große Stärke der Geschichte: Die Hintergründe sind sehr faszinierend dargestellt und haben mich – zu Beginn ab und an, zumindest in der zweiten Hälfte vollkommen – in ihren Bann gezogen.

Felix Klare ist in der Hauptrolle des David Ostrich zu hören, der sich gekonnt an die Stimmung des Romans orientiert und den Szenen so viel Leben einhaucht. Er zeichnet den Spannungsbogen geschickt nach und findet für die verschiedenen Szenen den richtigen Tonfall. Auch Michele Cuciuffos Stimme passt als Atam sehr gut in die Produktion und sorgt mit vielen Facetten und einem eindringlichen Klang für einprägsame Momente. Katja Bürkle und Brigitte Hobmeier teilen sich in dieser Produktion die Erzählparts und bringen jeder ihre eigene Stimmung mit ein, interpretieren und sprechen auf unterschiedliche Art, beide machen dies jedoch markant und bedeutungsvoll. Weitere Sprecher sind Krista Posch, Stefan Merkl und Thomas Hauser.

Die akustische Umsetzung ist eher zurückhaltend und hält den Fokus stetig auf den Sprechern. Manchmal sind diese minutenlang ohne zusätzliche Elemente zu hören, mal ist eine leise Hintergrundbegleitung in Form von Geräuschen oder künstlerisch wirkenden Musikstücken zu hören. Das unterstützt den etwas sperrigen Ausdruck der Geschichte und wirkt nicht ganz so zugänglich wie bei anderen Produktionen.

Die beiden CDs des Hörspiels befinden sich in einem für das Label typischen, wertigen Digipacks, das sich mehrfach aufklappen lässt und zudem noch ein Booklet mit weiteren Informationen bereithält. Neben den üblichen Produktionsangaben gibt es dabei noch Kurzbiographien zu einigen Mitwirkenden. Das Titelbild wurde von der Buchvorlage übernommen und zeigt ein geometrisches Muster auf schwarzem Hintergrund, das gleich mehrere Interpretationsmöglichkeiten zulässt.

Fazit: „An den Mauern des Paradieses“ zeigt in einer dystopisch angehauchten Zukunft eine Geschichte, die nicht immer leicht zugänglich ist und einiges Hintergrundwissen erfordert, aber auch auf gelungene Weise eine alterative Schöpfungsgeschichte oder verblüffende Auswirkungen längst vergangener Zeiten miteinander verbindet. Die Stimmung gefällt mir ebenso wie die grundlegende Idee sehr gut, auch wenn das Hörspiel manchmal etwas anstrengend auf mich wirkte.

VÖ: 27. Mai 2019
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844534566

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