Das Evangelium der Aale



Die Erinnerung an seine Kindheit sind für Patrick Svensson eng mit seinem Vater verbunden, gemeinsam haben die beiden stundenlang an der Küste geangelt oder Reusen aufgestellt. Eine schweigsame Arbeit, die beide eng miteinander verbunden hat. Doch vieles hat Patrick dabei nicht über seinen Vater erfahren. Und so erkundet er ihre Beziehung immer tiefer, indem er sich ihm über einen besonderen Weg nähert: Über das gemeinsame Verhältnis zu den Aalen...

„Das Evangelium der Aale“ einem bestimmten Genre einzuordnen, ist kaum möglich, da der Debütroman von Patrick Svensson so viele verschiedene Elemente enthält. Da gibt es natürlich die Familiengeschichte um Patrick und seinen Vater, in denen man sich mit ihnen ans Wasser begibt, um Aale zu fangen, um die komplexe Beziehung, die Versäumnisse auf beiden Seiten, um durchaus zwiespältige Gefühle und dennoch erfüllt von Liebe. Verbunden wird dies mit dem Thema der Aale, wobei Anleihen an ein Sachbuch anklingen. Die immer noch rätselhafte Vermehrung der faszinierenden Wesen, die ungewöhnlichen Verhaltensweisen werden dabei ebenso thematisiert wie die Forschung über Aale – von der Antike bis in die heutige Zeit, die berühmte Menschen beschäftigt hat. Doch es gibt noch weitere Versatzstücke, beispielsweise über religiöse oder philosophische Themen, was jedoch alles sehr stimmig und organisch zusammengefügt ist. Erstaunlich, wie viel Svensson hier erdacht hat, wie genau er nachgeforscht und sich in die verschiedenen Themen eingearbeitet hat, aber besonders, die stimmungsvoll und dicht er seinen Roman geschrieben hat. Das liegt auch an der direkten und dennoch poetischen Sprache, ein großes Lob gebührt auch der sehr gelungenen Übersetzung. Und auch wenn keine Handlung im eigentlichen Sinne im Mittelpunkt steht, wird der Roman am Ende noch einmal zugespitzt und mit einem ergreifenden Ende versehen.

Die Lesung von Johann von Bülow harmoniert wunderbar mit der ungewöhnlichen Roman, verleiht ihm genau die richtige Stimmung und ist so facttenreich wie der Text selbst. Auch er schafft eine große Bandbreite an Stilen, an Emotionen und Nüchternheit, auch Ausdruck, Tempo und Intensität, sodass alle Passagen sehr atmosphärisch und passend umgesetzt sind. Mir gefällt, wie markant und angenehm seine Stimme dabei klingt, sodass ich den fast acht Stunden Laufzeit sehr gerne gelauscht habe.

Das Covermotiv des Buches wurde natürlich auch für die Hörbuchumsetzung gewählt und zeigt auf schlichtem, türkisblauem Untergrund die Zeichnung eines Aales, was ebenso schlicht wie ansehnlich geraten ist und an die Darstellung in alten Naturkundebüchern erinnert. Die Lesung ist auf einer MP3-CD untergebracht, was die Anzahl der Discs beschränkt und das stabile Digipack angenehm dünn werden lässt.

Fazit: „Das Evangelium der Aale“ ist ein durchweg bemerkenswerter Roman, der Elemente aus zahlreichen Genres vereint und Sachbuch, Familiengeschichte und philosophische Abhandlung gleichzeitig ist. Das fügt sich alles sehr stimmig zusammen und wird mit einer dichten Atmosphäre versehen, was auch in der Lesung von Johann von Bülow hervorragend zur Geltung kommt.

VÖ: 24. Januar 2020
Label: Der Audio Verlag
Bestellnummer: 9783742413796

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