Baron Münchhausen



Bislang hat der Baron Münchhausen seine Pacht in dem Wirtshaus noch nicht erbracht, die Wirtin vermutet, dass er dies auch gar nicht vorhat. Doch eines kann sie ihm nicht absprechen: Das Erzählen von Geschichten beherrscht er wie kein anderer. Und so spendieren ihm die anderen Gäste immer wieder Speisen und Getränke, nur um ihm weiter lauschen zu können…

Kaum ein Kind in Deutschland wächst ohne Kenntnis von Baron Münchhausen auf, die auf alten Volkssagen begründete Figur mit ihren fantasievollen Lügengeschichten hat auch schon dementsprechend viele Umsetzungen erfahren. In Kooperation verschiedener Radiostationen ist bei den Kinderhörspieltagen eine Live-Aufführung als Hörspiel entstanden, die mitgeschnitten und beim Hörverlag in einer Kaufversion erschienen ist. Als Rahmenhandlung wurde die oben beschriebene Szene im Wirtshaus gewählt, hier finden auch die eigentlichen Dialoge statt. Die Wirtin mit herrlich gezogenem Kölner Dialekt, die aufgeregten Zuhörer und der wunderbar aufschneiderische Baron von Münchhausen übernehmen den größten Teil, aber auch die darin eingestreuten Episoden enthalten eigenständige Dialoge, sodass die sechs Sprecher in verschiedenen Rollen zu hören sind. Es macht Spaß, den kleinen und skurrilen Geschichten zu lauschen, da werden physikalische Grundsätze variiert und mit kleinen und großen Unglaublichkeiten versehen, verschiedene Szenerien und Stimmungen heraufbeschworen und einige recht schnell erzählte, auf das Wesentliche reduzierte Geschichten erzählt. Spannung kommt dabei keine auf, da keine zusammenhängende Handlung im Vordergrund steht, auch eine Entwicklung der Charaktere bietet die Szenerie nicht an. Doch die stimmige und lebendige Umsetzung macht einiges wieder wett und präsentiert eine unterhaltsame knappe Stunde Hörspielunterhaltung für Kinder in klassischer Machart.

Konstantin Graudus wurde als Baron Münchhausen verpflichtet und hat hörbaren Spaß an der Figur, was sich dann auch auf den Hörer transportiert. Er bringt die vielen Lügengeschichten sehr gewitzt und hochtrabend herüber, dass man ihm gerne lauscht. Beate Abraham ist unter anderem als Wirtin Adele Durst zu hören, ihr ebenso bestimmtes wie gutmütiges Auftreten mit dem glaubhaften Dialekt passt wunderbar zur Szenerie, aber auch in den anderen Sprechrollen in den Episoden schafft sie sehr passende Stimmungen. Auch Peter Kaempfe ist in verschiedenen Rollen zu hören, die er sehr unterschiedlich voneinander gestaltet und so für eine lebendige Ausstrahlung sorgt. Das Sextett wird komplettiert von Jürgen Uter, Frank Jordan und Kai Maertens.

Geräusche und Musik wurden während der Aufführung ebenfalls live eingespielt und während der Dialoge erzeugt. Die Geräusche sind klassischer Machart und wirken dabei bunt, lebendig und kindgerecht, insgesamt auch nicht zu stark eingesetzt, sodass sie nicht von den Dialogen ablenken. Gleiches gilt für die Musikstücke, die reizvoll und beschwingt wirken, sodass die Übergänge geschickt gestaltet werden.

Die wohl bekannteste Geschichte des Barons ist auf dem Cover abgebildet, der Ritt auf der Kanonenkugel ist in ansprechendem Zeichenstil mit klaren Formen zu sehen, im Hintergrund in stilisiertes Schloss und eine kantig wirkende Landschaft. Auf der Rückseite des hübschen Digipacks ist ein Foto der Live-Aufführung zu sehen, während im Inneren neben den üblichen Angaben zu den Mitwirkenden auch ein einleitender Text zur bekannten Figur zu finden ist.

Fazit: Eine Neuinterpretation des bekannten Stoffes mit einigen neuen Elementen, wobei die Live-Aufführung eine ganz eigene Energie erzeugt. Die Schauspieler sind in sehr guter Form und bringen den Charme der vielen kleinen Geschichte ebenso überzeugend herüber wie die übergeordnete Szenerie, sodass ein witziger und lebendiger Eindruck entsteht.

VÖ: 10. Februar 2020
Label: Der Hörverlag
Bestellnummer: 9783844537109

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