Macabros – 16. Geisterheere aus dem Jenseits



Genevieve, die wohlhabende Witwe von Bertrand Minielle, genießt ihren Lebensabend, doch ihre Söhne neiden ihr das große Erbe und wollen verhindern, dass sie noch weiterhin das hart erarbeitete Geld ihres Vaters verprasst. Und so wollen sie ihre Mutter für unzurechnungsfähig erklären lassen. Doch dabei taucht in der Erbmasse ein Amulett auf, das für merkwürdige Visionen sorgt und eine machtvolle Aura ausstrahlt – was den beiden noch zum Verhängnis wird…

Bereits bei Episode 16 ist WinterZeit bei der Neuumsetzung der klassischen Heftromane von „Macabros“ angekommen, die chronologisch erzählt wird. Lücken gibt es also nicht, sodass man den roten Faden durch die Serienhandlung so wie vom Autor gedacht präsentiert bekommt – inklusive der Entwicklung der Charaktere, denen auch in „Geisterheere aus dem Jenseits“ Raum gegeben wird, neue Facetten von sich zu zeigen. Eingebettet ist das in einer Handlung um ein magisches Amulett und düstere Skelett-Reiter, die immer wieder überraschend Auftauchen und für Unheil sorgen. Der Aufbau ist dabei zu Anfang recht langsam – zwar werden schnell die ersten übernatürlichen und unheimlichen Elemente präsentiert, die einzelnen Szenen sind aber recht lang, zumal man bei vielen Ideen den Zusammenhang untereinander noch nicht ganz auf dem Plan hat. Das wird im zweiten Teil der immerhin über 80 Minuten Laufzeit etwas klarer, strukturierter und auch temporeicher, was mir dann gut gefallen hat. Toll ist dabei aber, dass durchgängig eine dichte Atmosphäre erzeugt wird, die den Hörer gefangen hält und mit verschiedenen Aspekten für Unterhaltung sorgt. Mir gefallen auch die teilweise recht prompten Wechsel zwischen den einzelnen Szenen, was für Dynamik sorgt, wegen der wenigen und gut definierten Handlungssträngen aber alles dennoch übersichtlich bleibt. Eine starke Folge mit markanter Ausstrahlung, was die vielen positiven Elemente der Serie gekonnt vereint.

Elke Appelt ist in der Rolle der Genevieve zu hören, ihre Stimme ist angenehm rau und warm, dennoch kann sie den Schrecken der alten Frau ebenfalls sehr gekonnt darstellen und so für markante Momente sorgen. Erzählerin Brigitte Carlsen ist mit ihrem unheilvollen Klang wieder eine große Bereicherung für das Hörspiel, sie gestaltet auch die längeren Erzähltexte atmosphärisch und an den richtigen Stellen auch eine Portion Pathos, dann wieder eher neutral und zurückhaltend, was sehr passend wirkt. Als Pepe ist wieder Sebastian Langer zu hören, der sich zwar etwas besser in die Rolle eingefunden hat, aber immer noch nicht so recht spontan oder glaubhaft wirkt, einige Szenen wirken dadurch leider etwas künstlich. Weitere Sprecher sind David Wittmann, Torben Liebrecht und Bettina von Nordhausen.

Durch die stimmige akustische Gestaltung wirken auch die Monologe und Erzähltexte unheimlich und dramatisch, wobei auch während vieler Dialoge mit stimmungsvoller Musik gearbeitet wird. Das wirkt wieder sehr dicht und atmosphärisch, lenkt aber dennoch nicht zu sehr von der Handlung ab. Auch die vielen passenden Hintergrundgeräusche sind sehr treffsicher eingebaut und bringen zahlreiche stimmige Momente mit sich.

Natürlich wurde für das Cover das Titelbild der Romanvorlage übernommen, vier wilde Skelette auf ihren ebenfalls knöchernen Pferden stürmen dabei aus einer Art Dimensionsloch auf eine Menschenmenge zu. Die Farbgebung könnte dabei kontrastreicher nicht sein und wirkt deswegen etwas konfus. Das Innere ist wie immer übersichtlich aufgebaut, enthält aber keine weiteren Extras. Für die CD wurde aber natürlich wieder auf die hübsche Vinyl-Optik gesetzt.

Fazit: „Geisterheere aus dem Jenseits“ ist dank seiner dichten und markanten Stimmung ein sehr gelungenes Hörspiel der Serie, auch wenn die anfängliche Entwicklung der Episode etwas zu langsam geraten ist. Doch die düstere und packende Handlung mit stetiger Bedrohung und einem gelungenen Konstrukt sorgt dennoch für viel Kurzweil. Hörenswert!

VÖ: 26. Juni 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960661481

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