Sherlock Holmes & Co – 52. Boten der Angst



Kurz vor dem Verkauf eines Hochhauses in Manhattan bekommt die Besitzerin Miruel Gilles äußerst unfreundlichen Besuch mit der dringenden Warnung, das Gebäude nicht zu verkaufen. Untermauert wird dies mit einem Päckchen, in dem sich der abgetrennte Finger ihres vermissten Assistenten befindet. Der Besuch bei der New Yorker Polizei führt sie jedoch auch zu Professor van Dusen, der sich des Falles annimmt…

In Episode 52 der „Sherlock Holmes & Co“-Reihe von Romantruhe Audio um wechselnde Ermittler kehrt die Reihe mal wieder zu Professor van Dusen alias „Die Denkmaschine“, der bereits seit Beginn der Reihe immer wieder mitmischt. Der Vorlage stammt dabei von Neil Crawford, der sich ein Thema vorgenommen hat, das zu seiner Zeit für einen wahren Immobilienboom sorgte: Das immer angesagtere und wirtschaftlich bedeutende New York, insbesondere der Stadtteil Manhattan, wird mit immer höheren Wolkenkratzern vollgebaut, um den raren Platz optimal zu nutzen. Dabei ist die Stimmung in der Metropole gekonnt aufgegriffen und wird lebendig mit eingebunden, was für zusätzlichen Flair sorgt. Die Handlung selbst beginnt direkt mit einer aufregenden Szene um den Überfall aus Muriel Gilles, entwickelt sich danach aber etwas schablonenhaft weiter: Van Dusen und Hutchinson Hatch befragen, ermitteln, belauschen und verfolgen, erfahren dabei immer neue Details und setzen so langsam ein komplettes Bild zusammen. Doch dafür sind die Hintergründe durchaus überraschend und gekonnt zusammengesetzt, was für einige aufregende Momente und gelungene Wendungen sorgt. Mir gefällt, wie sich die Handlung am Ende immer weiter zuspitzt und zu einem sehr gekonnt erzählten Finale führt. Eine hörenswerte Episode, auch wenn schon kreativere Geschichten zu hören waren.

Ingrid Stein sorgt als Muriel Gilles besonders in der Introszene für Aufmerksamkeit, ihre raue und dennoch kraftvoll tiefe Stimme bringt eine sehr besondere Aura mit ein und überzeugt mit ihrem sehr präzisen Gefühlsausdruck. Als Sam De Grasse ist Timo Kinzel zu hören, der Leiter des Immobilienunternehmens, der ebenfalls sehr präzise spricht und in seinen Szenen genügend Aufmerksamkeit auf ihn lenkt. Und wie immer überzeugt Martin Keßler als Professor van Dusen mit seiner hochnäsigen und herablassenden Art, der aber auch den scharfen Verstand des Detektivs und seine Kombinationsgabe gut zur Geltung bringt. Weitere Sprecher sind Bodo Wolf, Manja Doering und Holger Löwenberg.

Auch „Boten der Angst“ in wie seine Vorgänger eher sparsam inszeniert, sodass der Fokus durchgängig auf den Sprechern und ihren Texten liegt. Während der Szenenübergänge und Erzähltexte, aber auch während einiger Dialoge gibt es passende Musik, ebenso wie viele Momente mit gut angepassten Geräuschen begleitet werden. Sparsam also, aber gut auf den Punkt gebracht. Etwas schade ist, dass der Zuhörer heimlich belauschte Gespräche kaum verstehen kann – zwar ist es sinnvoll, diese nicht glasklar klingen zu lassen, die einzelnen Wörter sollten aber klar verständlich sein.

Wie so oft bei dieser Serie wurde als Motiv für das Titelbild ein Haus verwendet, das zur Stimmung der Episode passt – was dieses Mal kein herrschaftliches Anwesen ist, sondern das New Yorker Hochhaus, das eine wichtige Rolle in der Handlung spielt. Die schwarz-weiße Optik passt gut dazu, wird durch die orangefarbene Gestaltung aber deutlich gebrochen. Im Inneren geht es wie immer sehr schlicht zu, die Mitwirkenden werden aber übersichtlich aufbereitet.

Fazit: „Boten der Angst“ ist zwar im Verlauf nicht sehr abwechslungsreich, das Verbrechen hinter den Ereignissen ist aber gut erdacht und mit einigen sehr gelungenen Ideen versehen. Das Thema ist gelungen verankert, ebenso wie New York als Schauplatz oft zur Geltung kommt und viel Atmosphäre versprüht. Eine solide Episode, die für Kurzweil sorgt.

VÖ: 8. Mai 2020
Label: Romantruhe Audio
Bestellnummer: 9783864736087

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