Sherlock Holmes Chronicles - 76. Der Daumen des Ingenieurs



Eines frühen Morgens taucht ein Patient in Dr. Watsons Praxis auf, der nahe an einem Zusammenbruch steht. Er entpuppt sich als Ingenieur Victor Heatherly, dessen Daumen sauber abgetrennt wurde. Medizinisch kann er zwar nicht mehr gerettet werden, doch ein Rätsel umgibt den Verlust des Fingers. Und so sitzt Heatherly bald im Zimmer von Sherlock Holmes und berichtet ihm von den merkwürdigen Umständen...

Mal wieder wurde in den "Sherlock Holmes Chronicles" eine Geschichte um den Meisterdetektiv umgesetzt, die direkt aus der Feder von Sir Arthur Conan Doyle stammt und gleichzeitig zu den Lieblingen von Produzent Markus Winter zählt: "Der Daumen des Ingenieurs". Mit einer knappen Dreiviertelstunde ist es keine sonderlich komplexe oder vielschichtige Geschichte, auch kommen die beiden Hauptfiguren vergleichsweise wenig vor. Der Hauptteil der Handlung wird von dem Bericht von Victor Heatherly bestritten, der mal als Monolog berichtet, mal aber auch kleine Sequenzen als Hörspiel umgesetzt wurden. Dabei weiß der Hörer durch die sehr stimmungsvolle Introszene schon, worauf dies hinausläuft und auch, dass der Ingenieur keinesfalls stirbt, dennoch sind die Umstände sehr spannend erzählt und verströmen zunächst eine rätselhafte, später kommt dann eine bedrohliche Stimmung mit einigen sehr gefährlichen Szenen auf, was sehr präsent umgesetzt wurde. Bei der direkt anschließenden Auflösung hat es sich der Autor etwas leicht gemacht- es gibt keine weiteren Recherchen oder Ermittlungen, recht unvermittelt präsentiert er die Auflösung, die allerdings gut durchdacht ist und stimmig dargeboten wurde. Mir hat diese Folge sehr gefallen, auch wenn der Überraschungseffekt bei mir ausgeblieben ist - die Umsetzung ist dennoch sehr stimmungsvoll und hörenswert.

Torben Liebrecht ist als Victor Heatherly hervorragend besetzt und überzeugt mit seiner sehr wandelbaren Stimme. So kann er den schockierten Zustand des jungen Ingenieurs ebenso glaubhaft und eindringlich umsetzen wie seine ernste und nachdenkliche Seite. Auch Frank Felicitti macht als Colonel Lysander Stark einen sehr guten Eindruck, mit viel Nachdruck und seinem sehr präsenten und markanten Klang setzt er die Rolle gekonnt um. Der wundervolle Till Hagen ist als Sherlock Holmes selbstredend wieder bestechend, sein immer leicht hochnäsiges und kühles, aber nie unsympathisches Auftreten trifft den Kern der Figur auf den Kopf, was ihn zu einer sehr reizvollen Figur werden lässt. Weitere Sprecher sind Matthias Klie, Stefan Goßler und Oliver Baumann.

Viele der Dialoge werden allein durch die Sprecher bestritten - und das ist auch gut so. Doch auch die vielen eingebauten Geräusche sorgen für die passende Stimmung und lassen die Gespräche und Handlungen lebendiger wirken, und sei es auch nur das leise Knarren eines Stuhles, aber eben auch ein paar lautere oder prägnantere Sounds. Die Musik dient meist als Szenentrenner oder begleitet Tom Jacobs bei seinen Erzähltexte, sie sind sehr melodisch und atmosphärisch geraten.

Der titelgebende Daumen des Ingenieurs ist zwar nicht auf dem Titelbild zu sehen, sondern die Axt, die diesen abgetrennt hat. Die rote Einfärbung und das angedeutete Feuer verleihen diesem Motiv eine ganz besondere Stimmung. Und natürlich gibt es neben den üblichen Angaben und einem Ausblick auf die kommende Episode auch hier wieder einen Einleitungstext, der sich darum dreht, warum ausgerechnet diese Geschichte zu den Lieblingen von Markus Winter gehört, was eine gehörige Portion Nostalgie versprüht.

Fazit: Ein klassischer Fall für den Meisterdetektiv, der sich fast ausschließlich auf den Bericht von Holmes' Klienten stützt, diesen aber sehr stimmungsvoll und präsent umsetzt. Die wie immer geschickt dosierte akustische Umsetzung sorgt für eine passende Atmosphäre, während sämtliche Sprecher in sehr guter Form sind. Eine gelungene Episode, die auch mit ihrer trickreichen Auflösung überzeugt.

VÖ: 26. Juni 2020
Label: WinterZeit
Bestellnummer: 9783960662365

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