Midnight Tales - 9. Jenseits 2.0



Ihr Leben hat die Wissenschaftlerin Vivien Gruber der Erforschung eines möglichen Lebens nach dem Tod entwickelt und gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Marc ein Unternehmen gegründet, das Bewusstsein von Menschen in einer digitalen Umgebung weiterexistieren zu lassen. Ihrem letzten Willen entsprechend wird sie nach ihrem Tod selbst ist das Programm transferiert, muss sich dort aber erst einmal zurechtfinden...

Auch für die neunte Episode der "Midnight Tales" hat sich das Team um Christoph Piasecki von Contendo Media eine gänzlich neue Szenerie ausgedacht. Hier geht es um den wohl ewig währenden Wunsch der Menschen um das Leben nach dem Tod, was hier in einer digitalen Welt stattfinden soll. Dabei sind zwei Erzählebenen eingebaut, einerseits in der realen Welt mit dem Schwerpunkt auf dem Gespräch zwischen dem Witwer und Viviens Geschäftspartner, in der die Rahmenbedingungen in kompakter Weise erzählt werden, aber auch eine interessante persönliche Komponente wird bereits hier mit eingebaut. Der Großteil der Handlung dreht sich aber um Viviens zweite Existenz in der neuen digitalen Umgebung. Hier wird durchdacht und strukturiert vorgegangen, um die Folgen eines solchen Daseins darzustellen, was fast ausschließlich auf einem Selbstgespräch von Vivien basiert. Wie es ihr ergeht, ist spannend und ungewöhnlich ausgeführt, wobei der Hörer mit Vivien und ihren Fragen mitfühlt. Nach einem packend inszenierten Höhepunkt werden später die beiden Ebenen zusammengeführt und mit einigen sehr interessanten, fast schon philosophischen Fragen angereichert. Auch hier ergibt sich im Stil der Reihe ein packender Wendepunkt am Schluss, der viele Fragen offenlässt und der Fantasie des Hörers überlässt, was in dieser Episode noch einmal auf andere, aber sehr clevere Art geschieht.

Die Leistung von Victoria Sturm in der Titelrolle der Vivien Gruber ist sehr überzeugend, da sie die einzelnen Bestandteile des digitalen Charakters der Wissenschaftlerin in einer besonderen Art von Selbstgespräch sehr präzise erschafft, ebenso, wie sie vorher beschrieben werden. Aber auch in der übrigen Handlung spricht sie sehr gelungen und macht die ungewöhnliche Idee erlebbar. Martin Gruber ist besonders zu Anfang als Viviens Mann mit seiner besorgten, aber auch kritischen Art zu hören, was authentisch und treffend wirkt. Auch Matthias Keller hat mir als Marc Deblenkov gut gefallen, der versierte Geschäftspartner von Vivien bekommt von ihm einige gelungene Facetten verliehen, sodass seine Szene gut in Erinnerung bleibt. Weitere Sprecher sind Annette Glunkel, Benedikt Weber und Martin Sabel.

Für die ungewöhnliche Episode wurde auch ein ungewöhnlicher akustischer Rahmen geschaffen. Während die anfängliche Szenerie noch reduziert und ruhig umgesetzt wurde, ist die digitale Welt, in der Vivien sich später bewegt, oft sehr technisch und mit vielen computergenerierten Klängen umgesetzt, aber auch interessante Kontraste zu realistischen und natürlichen Klängen sind gut eingebaut. Auch Musik spielt dabei immer wieder eine wichtige Rolle und fügt eine rätselhafte Ebene hinzu.

Auch wenn die Reihe nur digital vertrieben wird, gibt es für jede Episode ein eigenständiges Cover. Und auch wenn die Optik für gewöhnlich etwas schlicht und einfach wirkt, passt genau dies hier sehr gut. Die computergenerierte Optik ist sehr gut auf den schattenwerfenden Körper von Vivien abgestimmt, die in ein helles Licht zu gehen scheint, das mit der pixeligen Gestaltung gleichsam an digitale Welten erinnert. Auch die kühle Farbenwelt passt sehr gut zur Handlung und ihrer Wirkung.

Fazit: Die Szenerie ist hier fast ein wenig bizarr, der ebenso technische wie philosophische Ansatz mit dem digitalen Leben nach dem Tod wirft einige sehr gelungene Fragen auf, was unterhaltsam und packend geraten ist. Durch die Kürze der Episode wird vieles angedeutet, was aber eher den Reiz steigert als verringert. Mal wieder ein ungewöhnliches Hörspiel, das mir sehr gefallen hat.

VÖ: 10. April 2020
Label: Contendo Media
Bestellnummer: 9783967621013

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